Rentamt Straubing

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Franz Johann Joseph von Reilly: Des Herzogthums Niederbayern ... Rentamt Straubing (1792)

Das Rentamt Straubing bestand von 1507 bis 1802 und war neben München, Landshut und Burghausen einer der vier Verwaltungsbezirke des Herzogtums Bayern. Die Rentmeisterämter Landshut und Straubing bildeten dabei das „Unterland“. Das Rentamt Amberg wurde mit dem Gewinn der Oberpfalz 1628 der fünfte Verwaltungsbezirk des Kurfürstentums Bayern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechts das Gebäude Schloßplatz 2; früher Sitz des ehemaligen Rentamts

Bereits seit dem 13. Jahrhundert amtierten im Herzogtum Bayern Viztume (vom lateinischen vicedominus), die die Rechte des Herzogs in Teilen des Landes wahrnahmen, wo der Herzog nicht dauerhaft präsent war. Da die Aufgaben dieser Viztume im Laufe der Zeit immer weiter zunahmen, bekamen diese Rentmeister als unterstützende Beamte zugeordnet. Da diese u. a. das Finanzwesen der herzoglichen Landgerichte und anderer Unterbehörden kontrollierten und mit diesen Aufgaben zunehmend bedeutender wurden als die Viztume selbst, wurden die Viztumämter um 1500 als Rentämter oder Rentmeisterämter bezeichnet.

Bereits im Jahr 1300 wird das Viztumamt von Landshut beschrien. Unklar ist, ob es seit diesem Jahr eine durchgehende Abfolge von Viztumen gab oder ob in Straubing, wo im Zuge der Bayerischen Landesteilungen ohnehin lange Zeit ein Herzog residierte (Herzogtum Straubing-Holland), auf die Einsetzung von Viztumen verzichtet wurde.

Nach der Wiedervereinigung Bayerns durch den Ausgang des Landshuter Erbfolgekrieges wurde das Herzogtum um 1507 durch eine Verwaltungsreform neu geordnet. In Straubing wurde dabei – wie auch in Burghausen und Landshut – eine Regierung eingerichtet. Diese Kollegialbehörde hatte weitgehende administrative, juristische und finanzielle Befugnisse im ihr anvertrauten Amtsbezirk. Ihre bedeutendste Aufgabe erfüllte sie, wenn sie als Hofgericht zusammentrat. Dieses bildete die zweite Instanz für Verfahren vor den untergeordneten Land- und Pfleggerichten und die erste Instanz für Personen mit privilegiertem Gerichtsstand (also insbesondere Adel und Klerus). Die Mitglieder der Regierung (die Regierungsräte oder Regimentsräte) verteilten sich auf die Ritterbank (für Adelige) und die Gelehrtenbank (für studierte Juristen). An der Spitze der Regierung stand als Vertreter des Herzogs der Viztum, der der Ritterbank angehörte. Der Gelehrtenbank stand der Kanzler vor, der für die Schriftverwaltung zuständig war. Der bedeutendste Beamte der Regierung war allerdings der Rentmeister. Dieser beaufsichtigte die der Regierung unterstehenden Behörden. Wichtigstes Instrument dazu waren regelmäßige Inspektionsreisen, die sogenannten Rentmeisterumritte. Außerdem übte er die Viztumwändel aus, durch die Leibstrafen in Geldstrafen umgewandelt werden konnten. Daneben gehörten der Regierung noch der Rentschreiber (Stellvertreter des Rentmeisters), der Landrichter und der Mautner.

Die Regierung hatte ihren Sitz im Herzogsschloss Straubing, wobei das Regierungskollegium und das Rentamt in gesonderten Trakten heimisch waren.

Das Rentamt Straubing gliederte sich bis 1766 geografisch in obere Gerichte (Abbach, Dietfurt, Haidau, Kelheim und Stadtamhof), mittlere Gerichte (Cham, Eschlkam, Furth, Kötzting, Mitterfels, Neukirchen und Viechtach) und untere Gerichte (Bärnstein, Deggendorf, Diessenstein, Hengersberg, Leonsberg, Linden, Regen, Schwarzach, Weißenstein, Winzer und Zwiesel) 1779 löste der Kurfürst von Bayern Karl Theodor das Rentamt Landshut auf und schlug in Folge dessen einige Landgerichte Straubing zu: Abensberg, Altmannstein, Vilsbiburg, Dingolfing, Eggmühl, Geisenhausen, Kirchberg, Landau, Landshut, Natternberg, Neustadt, Osterhofen, Riedenburg, Reisach, Rottenburg und Teisbach. Da diese Gebietsreform nicht die gewünschten Erfolge erzielt hatte und auch Konflikte mit dem niederbayerischen Adel provoziert hatte, wurde das Rentamt Landshut 1784 wiederhergestellt. Das Rentamt Straubing umfasste nun die Pfleggerichte Abbach, Abensberg, Altmannstein, Bärnstein, Cham, Deggendorf, Natternberg, Diessenstein, Dietfurt, Riedenburg, Furth, Haidau, Pfatter, Hengersberg, Weyr, Kelheim, Kötzting, Leonsberg, Mitterfels, Neustadt, Regen, Schwarzach, Straubing, Viechtach, Linden, Weißenstein und Zwiesel.

Minister Montgelas löste im Zuge seiner Verwaltungsreformen zunächst 1800 das Rentamt auf und wandelte 1802 die Regierung Straubing in das Hofgericht Straubing um, aus dem 1809 das Appellationsgericht Straubing hervorging.[1] In Verwaltungssachen unterstanden die Landgerichte des ehemaligen Rentamtes der Generallandesdirektion in München. Als Bayern 1808 in Kreise (die Vorläufer der heutigen Regierungsbezirke) aufgeteilt wurde, wurde die Stadt Straubing zunächst dem Regenkreis, ab 1810 dann dem Unterdonaukreis zugeordnet, aus dem 1838 der Kreis bzw. Regierungsbezirk Niederbayern hervorging.

Daneben existierte auch weiter ein Rentamt Straubing. Dabei handelte es sich allerdings um eine reine Unterbehörde der Finanzverwaltung, die nur für die Stadt Straubing und die Umgebung zuständig war. Mit dem alten Rentamt hat es also im Wesentlichen nur den Namen gemein. 1919 wurde es in Finanzamt Straubing umbenannt.

Viztume und Rentmeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viztume

Name Amtszeit
Burkhard von Schellenberg 1538 – 1562
Haimeran Notthafft 1562 – 1570
Jörg von und zu Gumppenberg 1570 – 1574
Christoph zu Schwarzenberg 1574 – 1596
Rudolph von Sulz 1598 – 1604
Ferdinand von Belasy 1604 – 1618
Christoph zu Hohenzollern 1618 – 1620
Friedrich Christoph zu Pienzenau 1621 – 1628
Johann Warmund von Preysing 1628 – 1643
Johann Friedrich von Pienzenau 1644 – 1645
Johann Sebastian Notthafft 1645 – 1664
Karl August von Leublsing 1664 – 1666
Johann Christoph von Preysing 1666
Johann Wiguleus von Paumgarten 1667 – 1688
Wolf Heinrich von Notthafft 1688 – 1705
Johann Friedrich von Aufseß 1705 – 1708
Maximilian Franz Maria von Seinsheim 1708 – 1724
Franz Ludwig Anton von Lerchenfeld 1724 – 1740
Johann Franz Adam von Herwarth 1740 – 1761
Joseph Ferdinand von Rheinstein und Tattenbach 1761 – 1762
Sigmund von Spreti 1762 – 1772
Joseph Georg Ignaz von Weichs 1772 – 1787
Joseph Maria von Weichs[2] 1787 – 1793
Johann Nepomuk Anton Felix von Zech 1793 – 1799
Franz Paul von Frauenberg[3] 1799 – 1802

Rentmeister

Name Amtszeit
Wolf Schwartzdorffer 1526 – 1554
Andre Prew 1554 – 1571
Christoph Russer 1571 – 1581
Leonhard Saurzapf 1582 – 1596
Georg Griesmair 1596 – 1617
Christoph von Lerchenfeld 1617 – 1626
Ferdinand von Puechhausen 1626 – 1634
Wolf Jakob Freymann 1634 – 1667
Hans Sigmund von Herwarth 1667 – 1680
Florentinus Gentiflor von Puechleitter 1680 – 1681
Friedrich Sedlmayr[4] 1681 – 1698
Johann Martin von Schmid 1698 – 1716
Jakob Anton von Edlmar[5] 1716 – 1719
Johann Konrad von Berger 1719 – 1740
Joseph Klement von Pistorini 1741 – 1752
Franz Xaver von Lerchenfeld[6] 1753 – 1776
Maximilian Emanuel von Berger[7] 1776 – 1785
Maximilian von Daun 1785 – 1799

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schwertl, Gerhard: Geschichte der Regierungen und Rentmeisterämter Landshut und Straubing 1507–1802. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern, 116. – 117. Band, Landshut 1990–1991.
  • Ferchl, Georg: Bayerische Behörden und Beamte 1550–1804, in: Oberbayerisches Archiv Band 53 (1908–12)
  • Rentamt, das In: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1087.
  • Rentamt. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 14. Altenburg 1862, S. 46 (zeno.org).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regierungsblatt 1802, Sp. 793 - 797
  2. Sohn seines Vorgängers
  3. Frauenberg wurde ab 1800 als Regierungspräsident bezeichnet. Er amtierte ab 1802 als Präsident des Hofgerichts.
  4. Sedlmayr hieß nach seiner Nobilitierung 1684 von Edlmar
  5. Sohn von Friedrich Sedlmayr.
  6. Sohn des Viztums Franz Ludwig Anton von Lerchenfeld.
  7. Sohn von Johann Konrad von Berger.