Renteneintrittsalter

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Durchschnittliches Renteneintrittsalter 2006 Deutschland[1]
Ost West Gesamt
Männer 62,8 63,3 63,2
Frauen 61,5 63,3 63,2

Das Renteneintrittsalter, auch Rentenzugangsalter, beschreibt in der Bundesrepublik Deutschland das Lebensalter, in dem eine Person erstmals eine Rente wegen Alters aus der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) in Anspruch nimmt.

Die entsprechende Bezeichnung lautet in der Schweiz Rentenalter und in Österreich Pensionsantrittsalter.

In Abgrenzung zum Begriff des Renteneintrittsalters wird in Deutschland das Lebensalter, ab dem eine Person dem Grunde nach eine Altersrente oder eine Pension beziehen kann, ohne eventuelle Möglichkeiten für eine vorzeitige Altersrente im Sinne einer mit Abschlägen behafteten Frührente bzw. Frühpension im Vorruhestand in Anspruch zu nehmen, als Rentenalter oder Pensionsalter bezeichnet.

Das Renteneintrittsalter als statistische Größe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das statistische Renteneintrittsalter wird als Durchschnitt des Erstbezugs aller Neurentner eines Jahres berechnet. Diese Gruppe der Neuzugänge setzt sich aus Personen verschiedener Jahrgänge zusammen. Dabei können Untergruppen für Männer und Frauen, für Angestellte und Arbeiter oder für regionale Gruppierungen separat betrachtet werden.

Im Jahr 2004 betrug das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland bei Männern 63,1 Jahre, bei Frauen 63,0 Jahre. 2004 lag es in den neuen Bundesländern bei Männern bei 62,4 Jahre, in den alten Bundesländern bei 63,3 Jahren, bei Frauen waren es 61,2 Jahre gegenüber 63,4 Jahren. Die Werte liegen alle etwa ein Jahr über denen des Jahres 2000.

Die Anzahl der Rentner hat sich von 1990 mit 21,5 Millionen im Jahr 2005 auf 26,8 Mio. erhöht. Diese Zunahme wird sich in den nächsten Jahren so fortsetzen. Im Vergleich dazu ist das genannte durchschnittliche Renteneintrittsalter recht stabil geblieben bei nur geringfügig ansteigender Tendenz. Dabei wird etwa 1/10 der Bevölkerungsgruppe Rentner, nämlich nur die Neuzugänge eines Jahres, betrachtet.

Individuelles Renteneintrittsalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das individuelle Renteneintrittsalter hat Einfluss auf die Rentenhöhe: Wer vor Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze Rente beansprucht, dessen Rente vermindert sich um 0,3 % je vorgezogenem Monat. Seit 2012 besteht die Möglichkeit, vorzeitig aus Altersgründen mit Abschlag in den Ruhestand zu treten, bei noch erwerbstätigen Rentenanwärtern, auf die keine Sonderbestimmungen anwendbar sind, erst ab dem 63. Lebensjahr. Wer trotz erfüllter Wartezeit erst nach deren Erreichen eine Rente in Anspruch nimmt, dessen Altersrente erhöht sich um 0,5 % für jeden Kalendermonat der späteren Inanspruchnahme.

Diese Rentenabschläge oder -zuschläge werden dadurch bewirkt, dass der Zugangsfaktor in der Formel zur Berechnung der Rente entsprechend niedriger oder höher als 1,0 ist (§ 77 SGB VI). Abschläge sollen die höheren Kosten ausgleichen, die der Rentenversicherung durch die längere Rentenbezugszeit entstehen, wenn Altersrenten vorzeitig bezogen werden.[1] Die Erreichung dieses Ziels setzt voraus, dass die Höhe der versicherungsmathematischen Abschläge für einen vorzeitigen Renteneintritt eine enge Korrelation mit der durchschnittlichen Restlebenserwartung nach dem Zeitpunkt des Renteneintritts aufweist.

Ein vorzeitiger Renteneintritt wirkt sich aus der Sicht des Empfängers dahingehend aus, dass sich seine monatlichen Rentenbezüge verringern, da er einige Monate oder Jahre weniger Rentenversicherungsbeiträge bezahlt und damit Entgeltpunkte beziehungsweise Anteile von Entgeltpunkten verloren hat. Ob die Gesamtsumme, die er bis zu seinem Tod von der Rentenversicherung ausbezahlt erhält, niedriger oder höher als bei einem nicht vorzeitigen Renteneintritt ausfällt, hängt von der Zahl der Jahre ab, die er nach Renteneintritt noch lebt, sowie von der Höhe des Abschlags von der Altersrente, die er bei späterem Renteneintritt beziehen würde.

Umgekehrt ist es aus der Sicht der Versichertengemeinschaft zum Zeitpunkt des Renteneintritts unklar, ob bei einem bestimmten Anwärter auf eine Altersrente die Rentenversicherung insgesamt mehr oder weniger zahlt, wenn dieser vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheidet. Bei einer stetigen Erhöhung der Lebenserwartung sinkt der Anreiz, vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, da die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frühverrentung langfristig zu einem „Verlustgeschäft“ für den Betroffenen wird, dadurch steigt.

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gesetzgeber strebt mit der Erhöhung der Regelaltersgrenze (von 65 auf 67 Jahre) und den Altersgrenzen für weitere Altersrententatbestände, wie die "Altersrenten für (besonders) langjährig Versicherte", "Altersrente für Schwerbehinderte Menschen", "Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit" beziehungsweise "Altersrente für Frauen" an, die infolge der höheren Lebenserwartung steigenden Rentenkosten kompensieren zu können. Es ist aber noch völlig offen, ob auch das durchschnittliche Renteneintrittsalter in gleicher Weise ansteigen wird.

2014 wurde die Altersgrenze für die Rente für besonders langjährig Beschäftigte vorübergehend wieder auf 63 Jahre gesenkt.

In einem Gutachten für die Bundesregierung äußerte im Mai 2011 der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die Vermutung, dass „in den Jahren 2045 und 2060 […] vermutlich ein gesetzliches Renteneintrittsalter von 68 beziehungsweise 69 Jahren erforderlich sein“ werde.[2] Einer Einschätzung der „fünf Wirtschaftsweisen“ im Herbst 2016 zufolge soll das gesetzliche Renteneintrittsalter im Jahr 2080 sogar bei 71 Jahren liegen.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Rentenzugangsalter (PDF-Datei; 2,47 MB)
  2. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Herausforderungen des demografischen Wandels. Expertise im Auftrag der Bundesregierung. Mai 2011, S. III
  3. Wirtschaftsweise sagen Rente mit 71 Jahren voraus. Deutsche Wirtschaftsnachrichten. 3. November 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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