Standardrentenniveau

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Das Standardrentenniveau, auch einfach Rentenniveau, bezeichnet das Verhältnis zwischen einer Standardrente (auch Eckrente genannt) und dem Durchschnittseinkommen der Erwerbstätigen im selben Jahr. Die für die Berechnung zugrunde gelegte Standardrente entspricht einer Regelaltersrente mit exakt 45 Entgeltpunkten.

Verschiedene Rentenniveaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rentenniveau kann als

  • Brutto-Rentenniveau
  • Netto-Rentenniveau (aufgrund der Umstellung auf nachgelagerte Besteuerung)
    • bis 2004 Nettorentenniveau (nach Steuern)
    • ab 2005 Nettorentenniveau vor Steuern

angegeben werden.

Bruttorentenniveau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bruttorentenniveau setzt die Brutto-Standardrente ins Verhältnis mit dem durchschnittlichen Bruttoentgelt desselben Jahres.

Nettorentenniveau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nettorentenniveau setzt eine Standardrente abzüglich der darauf entfallenden Sozialabgaben (Kranken- und Pflegeversicherung) ins Verhältnis zum Durchschnittsverdienst desselben Jahres, gemindert um die durchschnittlichen Sozialabgaben und Steuern.

Mit dem Altersvermögensergänzungsgesetz wurde im Jahr 2005 mit der Umstellung auf die nachgelagerte Besteuerung bei der gesetzlichen Rentenversicherung begonnen. Daher wird das Nettorentenniveau seit 2005 nicht mehr verwendet. Stattdessen wird seitdem das Standardrentenniveau netto vor Steuern verwendet.

Nettorentenniveau vor Steuern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2005 wird nur noch das Nettorentenniveau vor Steuern ausgewiesen. Dieses setzt eine Standardrente abzüglich der darauf entfallenden Sozialabgaben (Kranken- und Pflegeversicherung) ins Verhältnis zum Durchschnittsverdienst desselben Jahres abzüglich der darauf entfallenden durchschnittlichen Sozialabgaben (Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung) einschließlich des durchschnittlichen Aufwands zur zusätzlichen Altersvorsorge. Die Steuern bleiben beim Nettorentenniveau vor Steuern außer Betracht. Da von 2005 bis 2040 jeder Rentenjahrgang (abhängig vom Jahr des Rentenzugangs) einen steigenden Anteil der Rente versteuern muss, ist die Berechnung des Nettoniveaus (nach Steuern) nicht mehr einheitlich möglich.

Rechenbeispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Folgenden werden die verschiedenen Rentenniveaus exemplarisch für Westdeutschland für das Jahr 2007 hergeleitet. Die Eckrente ergibt sich aus dem Produkt des Rentenwertes des jeweiligen Jahres (2012: 28,07 EUR), den 45 Entgeltpunkten, die sich aus der Einzahlung in die Rentenkasse bei durchschnittlichem Einkommen über 45 Jahre ergeben, dem Zugangsfaktor und dem Rentenartfaktor, die beide für die Eckrente 1 sind. Es ergibt sich also eine monatliche Bruttorente (=Eckrente) von 1.263,15 EUR oder als jährliche Eckrente sind es 15.157,80 EUR. Das Durchschnittsentgelt, also ein durchschnittliches Bruttojahreseinkommen, beträgt 31.500 EUR. Das Teilen der jährlichen Eckrente durch das Durchschnittsentgelt ergibt ein Brutto-Rentenniveau von 48 Prozent.

Netto vor Steuern, also nach Abzug der Sozialversicherungsabgaben, lag das Erwerbseinkommen 2007 bei 24.991 Euro, die Eckrente bei 12.788 Euro, das Rentenniveau „Netto vor Steuern“ lag also bei 51 Prozent. Netto nach Steuern, also nach Abzug der Sozialversicherungsabgaben und der Steuern, liegt das Rentenniveau noch höher, da die Steuern auf das höhere Einkommen verhältnismäßig höher sind als auf die niedrigeren Renten. Für 2004 wurden letztmals alle drei Rentenniveaus ausgewiesen. Das Rentenniveau lag Brutto bei 48,6 Prozent, Netto vor Steuern bei 53,0 Prozent und Netto nach Steuern bei 67,9 Prozent.

Entwicklung des Rentenniveaus seit 1957

Entwicklung des Rentenniveaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Standardrentenniveau hat sich seit der Einführung der dynamischen gesetzlichen Rente 1957 sehr unterschiedlich entwickelt. Seit den siebziger Jahren sinkt das Niveau „Netto vor Steuern“ kontinuierlich. Im Jahr 2002 lag das Bruttoniveau bei 48,3 Prozent, das Nettoniveau vor Steuern bei 52,9 Prozent. Das Standardrentenniveau liegt nach Schätzung der Deutsche Rentenversicherung Bund im Januar 2009 in den alten Bundesländern bei 46,4 Prozent (Bruttostandardrentenniveau) und bei 50,2 Prozent („Netto vor Steuern“).

Aufgrund verschiedener Reformen, insbesondere im Jahr 2001 das Altersvermögensergänzungsgesetz und im Jahr 2004 das RV-Nachhaltigkeitsgesetz, wird das Leistungsniveau der Gesetzlichen Rentenversicherung bis 2030 um rund 20 Prozent sinken. Das Mindestsicherungsniveau für das Rentenniveau Netto vor Steuern liegt bis zum Jahr 2020 bei 46 Prozent und bis zum Jahr 2030 bei 43 Prozent. Wenn in den Vorausberechnungen der Rentenversicherung dieses Mindestziel als gefährdet angesehen wird, muss der Gesetzgeber aktiv werden (§154 SGB VI). Aus diesem Grund wurde im Jahr 2006 beschlossen, dass die Regelaltersgrenze für eine Altersrente bis 2029 auf 67 Jahre angehoben werden soll. Aufgrund der im Allgemeinen um zwei Jahre verkürzten Auszahlungsdauer führt der Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenanpassungsformel zu einer etwas geringeren Rentenniveauminderung und damit vorerst nicht mehr zur Gefährdung des Mindestsicherungsziels.

Versorgungsniveau im teilprivatisierten Alterssicherungssystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den Riester und Rürup-Reformen wird von der Bundesregierung ergänzend zum Rentenniveau das Versorgungsniveau beziehungsweise das Gesamtversorgungsniveau als Begriff etabliert.[1][2] Dabei wird das Einkommen (netto vor Steuern oder netto nach Steuern) aus gesetzlicher Rente sowie weiteren (staatlich geförderten) Vorsorgeprodukten ins Verhältnis zum Durchschnittsentgelt gesetzt. Damit soll nach Darstellung der Bundesregierung das Leistungsniveau im „Drei-Säulen-Modell“ (gesetzliche Rente, Riester-Rente, betriebliche Altersvorsorge) analog zum Rentenniveau dargestellt werden. Das (Gesamt-)Versorgungsniveau muss dabei vom Rentenniveau unterschieden werden. Nach Ansicht der Bundesregierung erreicht das Gesamtversorgungsniveau gemäß ihren Modellrechnungen das vormalige Rentenniveau.[2][1] Diese Darstellung der Bundesregierung wird jedoch teilweise als unzutreffend kritisiert, so beispielsweise Ingo Schäfer von der Arbeitnehmerkammer Bremen.[3] oder Johannes Steffen von Portal Sozialpolitik.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Rentenversicherungsbericht 2015: Bericht der Bundesregierung über die gesetzliche Rentenversicherung, insbesondere über die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben, der Nachhaltigkeitsrücklage sowie des jeweils erforderlichen Beitragssatzes in den künftigen 15 Kalenderjahren gemäß § 154 Abs. 1 und 3 SGB VI, Berlin, Seite 38 ff. Abgerufen am 31. Dezember 2015
  2. a b Alterssicherungsbericht 2012: Ergänzender Bericht der Bundesregierung zum Rentenversicherungsbericht 2012 gemäß § 154 Abs. 2 SGB VI, Berlin, Seite 9, 22 ff. und 168 ff. Abgerufen am 31. Dezember 2015
  3. Schäfer, Ingo: Die Illusion von der Lebensstandardsicherung – eine Analyse der Leistungsfähigkeit des „Drei-Säulen-Modells“. Hrsg.: Arbeitnehmerkammer Bremen, Bremen. Abgerufen am 31. Dezember 2015
  4. „Drei-Säulen-Modell“ der Alterssicherung gescheitert – Trotz geförderter Privatvorsorge keine Lebensstandardsicherung. Berlin, 2015. Abgerufen am 2. Januar 2016