Rentfort

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Zechenkolonie südwestlich der Kampstraße: Haus mit Bergschäden

Rentfort (niederdeutsch: Rennfort[1]) ist ein Stadtteil der nordrhein-westfälischen Stadt Gladbeck (Postleitzahl 45966). Seit den 1960er Jahren gibt es ein Neubaugebiet namens Rentfort-Nord. Am 1. Januar 1978 wurde der Stadtteil Rentfort in die drei Stadtbezirke Alt-Rentfort, Rentfort-Nord und Schultendorf unterteilt[2].

Der Name Rentfort bezeichnete wahrscheinlich eine Rinderfurt und somit die Möglichkeit zum Viehtrieb.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rentfort befindet sich im nordwestlichen Teil von Gladbeck. Im Nordwesten bildet der Brabecker Mühlenbach die Grenze zu Bottrop, im Süden und Osten grenzt Rentfort an die Gladbecker Stadtteile Ellinghorst und Zweckel. Durch den Ortsteil fließt der Quälingsbach, der an der Berliner Straße zu einem kleinen See aufgestaut und von einem Park umgeben ist. Im Süden entspringt der Alte Haarbach, der in die Boye mündet.

Auf der Gemarkung liegt die Autobahnanschlussstelle Gladbeck der A 31, die im weiteren Verlauf zur Hauptverkehrsachse Rentforts, der Kirchhellener Straße wird, die Bottrop-Kirchhellen mit dem Stadtzentrum von Gladbeck verbindet. Eine zweite Verkehrsstraße ist die Hegestraße, die von Gladbeck-Schultendorf durch den Süden Rentforts nach Bottrop-Grafenwald führt. Daneben ist Rentfort durch eine Reihe von Buslinien erschlossen.

Rentfort liegt rund 60 Meter über dem Meeresspiegel. Während der Ort im Norden und Westen von Wiesen geprägt ist, dominiert im Osten das Industriegelände der ehemaligen Zeche Zweckel und des Phenol-Chemiewerks, während sich im Süden das Werk der Flachglas AG (Delog-Detag) befindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rentfort gehörte neben Zweckel, Ellinghorst, Butendorf und Brauck zu den Gladbecker Bauerschaften. Politisch war die Bauerschaft zunächst dem Vest Recklinghausen zugehörig und hatte vor allem unter den Auseinandersetzungen zwischen Kurköln und den Grafen von Kleve zu leiden, aber auch unter den wiederkehrenden Epidemien. Im Rahmen der napoleonischen Neuordnung kam Rentfort 1803 zunächst an das Herzogtum Arenberg und 1811 an das Großherzogtum Berg, wobei Rentfort mit Zweckel und Ellinghorst der Mairie Kirchhellen untergeordnet und damit von den übrigen Bauerschaften getrennt wurde. 1815 wurde der Ort preußisch und 1821 die Trennung der Bauerschaften rückgängig gemacht.

Während die Industrialisierung im Stadtzentrum Gladbecks bereits in den 1870er Jahren Einzug hielt, bewahrte Rentfort zunächst noch weitgehend seinen ländlichen Charakter; die Ausdehnung der Ruhrkohlezechen nach Norden erreichte aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch den Norden Gladbecks, sodass 1908 am östlichen Rand von Rentfort die Zeche Zweckel eingerichtet wurde. Es kam zu einer stetig steigenden Bevölkerungsentwicklung und zu einem entsprechenden Ausbau der Infrastruktur. 1919 erhielt Gladbeck Stadtrechte und Rentfort wurde so zu einem Stadtteil. 1921 endete auch die Zugehörigkeit zum Landkreis Recklinghausen. Bis 1922 stellte eine Ziegelei in Rentfort Dachziegel her.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Gladbeck und damit auch Rentfort als Zentrum der Schwerindustrie stark zerstört. Im Rahmen des Wiederaufbaus entstand in den 1960er Jahren ein modernes Neubauviertel als Rentfort-Nord.

Im Geschäftszentrum Rentfort-Nord wurde am 16. August 1988 eine Filiale der Deutschen Bank überfallen. Die beiden Täter aus Gladbeck, Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski nahmen Geiseln und flüchteten durch West- und Norddeutschland und auch in die Niederlande. Drei Menschen kamen im Verlauf der Geiselnahme ums Leben (siehe Geiselnahme von Gladbeck).

Ende 2005 nahm man in Rentfort ein Projekt von Bund und Ländern auf („Stadtumbau West“), wodurch der Stadtteil an den demografischen Wandel angepasst werden soll. Auch eine Lösung für das Hochhaus Schwechater Straße soll gefunden werden.[3]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Kirche St. Josef unweit des Rentforter Friedhofs wurde 1908 geweiht und 1914 zu einer selbständigen Pfarrei erhoben. 1934 erfolgte die Grundsteinlegung für einen Neubau (Architekt Josef Franke), der 1935 vollendet und vom Münsteraner Bischof Graf von Galen geweiht wurde. Vervollständigungen dauerten bis 1937. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche durch Luftangriffe beschädigt, konnte aber weiter benutzt werden. Der Bau verfügt über einen Altar mit der Darstellung des brennenden Dornbuschs, einen Ambo mit dem Stab des Josef, sowie eine von Ernst Rasche gefertigte Statue des Hl. Antonius.[4] Bekanntester Pastor war Josef Helmus (geb. 1886, Pastor in St. Josef von 1939 bis 1966), der von 1942 bis 1945 als Häftling Nr. 41.408 im Priesterblock des Konzentrationslagers Dachau lebte.[5] Mit dem 1. September 2007 wurde diese Pfarrei durch den Bischof von Essen, Felix Genn, – wie alle anderen Gladbecker Pfarreien auch – aufgelöst und zu einer neuen Großpfarrei St. Lamberti zusammengefasst. Als letzter Pastor [Pfarrer] wirkte der beliebte Norbert Hoffmann (*1942, Priesterweihe 1971, +2018) aus Gelsenkirchen von 1983 bis 2011.[6]

Die Alt-Rentforter Kirche (ehemals evangelische Martin-Luther-Kirche) ist ein einschiffiger Bau mit einem kleinen, südlich angebauten Kirchturm. Nach Entwidmung durch die evangelische Kirche wird das Gebäude seit 2014 überwiegend für kulturelle Veranstaltungen genutzt; seit September 2016 finden dort auch Gottesdienste der Reformierten Freikirche statt. In der Nähe hat die evangelische Gemeinde gemeinsam mit St. Josef einen Friedhof.

Die moderne katholische Kirche St. Franziskus liegt im Neubaugebiet Rentfort-Nord. Sie gehört seit dem 1. September 2007 als Filialkirche zur Gemeinde St. Josef.

Freizeit und Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtgartenhaus

Der Rentforter Stadtpark (Schwechater Straße) kann zu Sport, Spiel und Spaziergängen genutzt werden. Über Verbindungswege ist der Rentforter und Zweckeler Wald angebunden.

An den Rentforter Stadtpark schließt sich in westlicher Richtung der Park am Quällingsteich an.

1946 wurde der BV Rentfort gegründet, ein Fußballverein, dessen 1. Mannschaft in der Bezirksliga spielt. Der Sportplatz ist seit seiner Fertigstellung im Sommer 2009 der erste Kunstrasenplatz in Gladbeck. In diesem Zusammenhang sei der Sportplatz an der Enfieldstraße erwähnt. In direkter Nachbarschaft befindet sich eine Sporthalle sowie Tennisplätze.

An der Johowstraße gibt es eine Stadtgartenanlage mit Stadtgartenhaus.[7] |

Bildung und Jugendarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelmschule aus dem Jahre 1910

Rentfort verfügt über drei Kindergärten, zwei Grundschulen (katholische Josef-Schule und Gemeinschaftsgrundschule Wilhelmschule), sowie die Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule in Rentfort-Nord mit 1.300 Schülerinnen und Schülern. Außerdem existiert eine Filiale der Rheinisch-Westfälischen Sprachschule.

Am 11. Oktober 1878 beschloss der Gemeinderat in Gladbeck, eine zweite Schule im Gemeindegebiet einzurichten. Die einklassige katholische Grundschulte St. Josef nahm 1880 ihren Betrieb auf. Sie war die zweitälteste der Stadt. Der Gemeinderat hatte für den Bau der Schule eine Anleihe von 19.000 Mark aufgenommen. 1913 wurden in neun Klassen bereits 561 Kinder unterrichtet. Durch die Einrichtung der Zeche Graf Moltke I/II stieg die Zahl der Bergleute mit ihren Familien, die in Rentfort wohnten. 1892 wurde die Schule räumlich erweitert. 1923 wurden die Schulkinder wegen der Besatzungstruppen an der Hegestraße ausquartiert. 1939 erfolgte die Umbenennung in "Weddigen Schule", nach einem U-Boot-Kommandanten aus dem Ersten Weltkrieg.[8] Nach Bombentreffer und Plünderung 1945 ging es 1947 wieder aufwärts. Die Postadresse lautete Hegestraße 120. 1968 wurde im Rahmen der Neuordnung des Schulwesens in NRW die Josefschule als katholische Grundschule geführt. Schulleiter der Josef-Schule war der nebenberufliche Organist und Chorleiter Ernst Tewes von 1982 bis 1994, der bei Schulmessen in der St.Josef-Kirche an der Orgel saß.[9] Die meisten Pfarrer der St. Josepf-Kirche erteilten den Religionsunterricht in der Schule und feierten die Schulmessen mit den Kindern. Schulleiterin von 1995 bis 2017 war Dorothea Gerenkamp. Im Jahr 2010 unterrichteten 13 Lehrkräfte 260 Kinder.[10]

Im Souterrain der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule und anderen Standorten ist der Freizeittreff Rentfort-Nord aktiv, eine Einrichtung der Stadt Gladbeck.

Hinter der Kirche St. Josef befindet sich in der ersten Etage des Gemeindehauses das Jugendheim TOT St. Josef.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1908 bis 1963 war die Steinkohleförderung der Zeche Zweckel die wichtigste Lebensgrundlage des Ortes. Mit der Schließung der Zeche kam es zu gravierenden Strukturproblemen und zu einer Umorientierung auf den Dienstleistungssektor. Heute ist Rentfort durch klein- und mittelständische Betriebe geprägt. Derzeit entsteht im so genannten Innova-Park Wiesenbusch im Südwesten des Ortes unweit der Autobahn ein Gewerbegebiet für Zukunftstechnologien.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gladbeck-Rentfort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Bajohr: Verdrängte Jahre Gladbeck unter´m Hakenkreuz. Verlag Klartext, Essen 1983, ISBN 3-88474-103-9.
  • Paul Derks, Die Siedlungsnamen der Stadt Gladbeck in Westfalen, hg. v. Museum der Stadt Gladbeck, Gladbeck 2009.
  • Wolfgang Hinz, Die Veränderung der Sozialstruktur beim Übergang von der agraren zur industriellen Daseinsform dargestellt am Beispiel der vestischen Gemeinde Gladbeck, phil. Diss. Köln 1961.
  • Ludger Tewes, Selbstverständnis und Entwicklungslogik, Grundzüge Gladbecker Geschichte im Mittelalter, in: Vestische Zeitschrift 84/85 1985/1986, S. 38–96. ISSN 0344-1482.
  • Ludger Tewes Mittelalter im Ruhrgebiet Siedlung am westfälischen Hellweg zwischen Essen und Dortmund, Verlag Schoeningh, Paderborn 1997, ISBN 3-506-79152-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Digitaler Wenkeratlas, Wenkerbogen Rentfort
  2. Nachfrage beim Rathaus der Stadt via E-Mail am 16. Jan. 2015
  3. Siehe Seite der Stadt.
  4. Siehe Seite der kath. Gemeinde St. Josef.
  5. Ludger Tewes, Pastor Josef Helmus (1886-1966) aus Gladbeck. Im Widerstand zum Nationalsozialismus. In: Reimund Haas, Jürgen Bärsch (Hrsg.): Christen an der Ruhr. Band 5, Aschendorff, Münster 2014, ISBN 978-3-402-10491-0, S. 95–114.
  6. Westdeutsche Allgemeine Zeitung Nr. 242 von Donnerstag, dem 18. Oktober 2018, WGL_1 Gladbeck WWW.WAZ.de/gladbeck
  7. Siehe Seite der Stadt.
  8. Kapitänleutnant Otto Weddigen geb. 1882 in Herford, gefallen mit seinem U-Boot 29 im Jahr 1915 östlich des Pentland Firth vor Schottland.
  9. Mehr zu Ernst Tewes siehe als Schulleiter unter Zweckel, Hermann-Schule.
  10. WAZ vom 25.10.2010, Rainer Holstein 130 Jahr auf dem Buckel.

Koordinaten: 51° 34′ N, 6° 57′ O