Repressive Entsublimierung

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Repressive Entsublimierung bezeichnet im engeren Sinne eine sexuelle Liberalisierung, die die bestehenden Herrschaftsstrukturen stützt.

Der Psychoanalytiker Wilhelm Reich behauptete einen fundamentalen Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie und sah die sexuelle Befreiung des Einzelnen als eine Voraussetzung für die gesellschaftliche Befreiung in der sozialistischen Revolution.[1]

Herbert Marcuse bezieht den sexualpsychologischen Begriff Reichs in seinem Buch Der eindimensionale Mensch[2] hingegen auch auf die Kultur der Industriegesellschaften. Diese sei durch eine repressive Toleranz ihrer Institutionen geprägt, lasse aber immer mehr Grenzüberschreitungen zu und mache Privates in skandalöser Form öffentlich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Fritz Haug: Sexuelle Verschwörung des Spätkapitalismus? Zur Kritik an Reiches »Sexualität und Klassenkampf«. In: Wolfgang Fritz Haug: Warenästhetik, Sexualität und Herrschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1972 (online; PDF; 240 kB).
  • Horst Holzer Sexualität und Herrschaft: Anmerkungen zum Problem der repressiven Entsublimierung Soziale Welt 20. Jahrg., H. 3 (1969): 304–328.
  • Klaus Horn (Hrsg.): Gruppendynamik und der ‚subjektive Faktor‘. Repressive Entsublimierung oder politisierende Praxis. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1973 (edition suhrkamp 538).
  • Friedrich Koch: Sexualität und Erziehung. Zwischen Tabu, repressiver Entsublimierung und Emanzipation. In: Jahrbuch für Pädagogik 2008:1968 und die neue Restauration. Frankfurt/M. 2009, Seite 117 ff.
  • Herbert Marcuse: Repressive Toleranz. In: Robert Paul Wolff, Barrington Moore, Herbert Marcuse: Kritik der reinen Toleranz. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1970, ISBN 3-518-10181-1.
  • Herbert Marcuse: Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud. Aus dem Amerikanischen von Marianne von Eckardt-Jaffé. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1965 (Bibliothek Suhrkamp Bd. 158).
  • Reimut Reiche: Sexualität und Klassenkampf. Zur Kritik repressiver Entsublimierung. Verlag Neue Kritik, Frankfurt am Main 1968 (Probleme sozialistischer Politik 9).
  • Reimut Reiche: Triebschicksal der Gesellschaft. Über den Strukturwandel der Psyche. Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2004, ISBN 3-593-37496-X (Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie 5).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieses freudomarxistische Konzept kritisierte Reimut Reiche in seiner Schrift „Sexualität und Klassenkampf. Zur Abwehr repressiver Entsublimierung“, in der er zeigt, dass sich Sexualität als Ware problemlos in den Kapitalismus integrieren lässt.
  2. Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Verlag Hermann Luchterhand, Neuwied 1967 (engl. Orig. 1964), S. 76–102.