Reptilien

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Reptilien
Beispiele der vier Reptiliengruppen: oben Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) und Brückenechse (Sphenodon punctatus); unten die Sinai-Agame (Pseudotrapelus sinaitus) und das Nilkrokodil (Crocodylus niloticus).

Beispiele der vier Reptiliengruppen: oben Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) und Brückenechse (Sphenodon punctatus); unten die Sinai-Agame (Pseudotrapelus sinaitus) und das Nilkrokodil (Crocodylus niloticus).

Systematik
Überstamm: Neumünder (Deuterostomia)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Reptilien
Wissenschaftlicher Name
Reptilia
Laurenti, 1768

Die Reptilien (Reptilia) oder Kriechtiere (lat. reptilis „kriechend“) bilden mit 9.766 Arten[1] eine Klasse der Wirbeltiere am Übergang zwischen den niederen (Anamnia) und höheren Wirbeltieren (Amnioten). Als phylogenetisches Taxon, also als geschlossene Abstammungsgruppe, müssten sie auch die Vögel enthalten. In der hier wiedergegebenen klassischen Zusammenstellung (ohne Vögel) sind die Reptilien keine natürliche Gruppe, sondern ein paraphyletisches Taxon, weil sie nicht alle Nachkommen ihres letzten gemeinsamen Vorfahren enthalten. Das Taxon „Reptilien“ ist demnach nicht mehr als wissenschaftlich gültig anzusehen, sondern nur noch als eine Zusammenfassung sich morphologisch ähnelnder Tiere.

Reptilien besitzen einen Schwanz, regelmäßig gehäutete Hornschuppen-Haut und vier Beine (bei Schlangen und einigen Echsen zurückgebildet). Sie sind Lungenatmer. Reptilien legen Eier (Oviparie), gebären lebende Junge (Viviparie) oder sind eierlebendgebärend (Ovoviviparie), und sie bilden – im Gegensatz zu den Amphibien – kein Larvenstadium aus. Reptilien sind ektotherme und wechselwarme (poikilotherme) Tiere, die ihre Körpertemperatur so weit wie möglich durch Verhalten regulieren (z. B. Sonnenbaden).

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Reptilien fällt in das Gebiet der Herpetologie. Das Wissen um ihre Pflege und Zucht in Terrarien bezeichnet man als Terraristik oder Terrarienkunde, die ein Teil der Vivaristik ist.

Abstammungsgeschichte

Stammesgeschichtlich stammen Reptilien und Vögel von amphibischen Landwirbeltieren ab. Im Unterschied zu den Reptilien fehlt dem Ei der Amphibien das Amnion, das bei dem Amnioten den sich entwickelnden Embryo umgibt. Die Amnioten sind im Gegensatz zu den Lurchen zur Fortpflanzung nicht auf Gewässer angewiesen und auch generell besser an trockene Lebensräume angepasst. Amniota besitzen kein Seitenlinienorgan, wie es meist bei den Amphibien zu finden ist.

Nach der Position der Schläfenfenster werden die Reptilien in drei systematische Gruppen eingeteilt:
A Anapsida, B Synapsida, C Diapsida

Die Amniota spalteten sich in zwei Zweige auf, die nach der charakteristischen Anzahl und Lage von seitlichen Öffnungen im Schädel, der Schläfen- oder Temporalfenster, als Synapsida (eine Öffnung) und Diapsida (zwei Öffnungen) bezeichnet werden; die Ur-Amniota (Anapsida) hatten keine Schläfenöffnungen. Von den Diapsida stammen die Reptilien mit so bekannten Gruppen wie den Dinosauriern (Dinosauria) oder den ausgestorbenen Flugsauriern (Pterosauria). Als noch heute lebende (rezente) Vertreter der Dinosaurier gelten nach neuerer Ansicht die Vögel.

Bislang ungeklärt ist die systematische Stellung der Schildkröten (Testudinata): Ihr Schädel weist keine seitlichen Öffnungen auf, daher wird diese Gruppe zumeist den Anapsiden zugeordnet; einige Paläontologen nehmen jedoch an, dass die Schildkröten Nachfahren von Diapsiden sind, welche ihre Schläfenöffnungen nachfolgend reduziert haben. Auch aufgrund der Lage der Halsarterien und der Ausbildung der Aorta werden sie heute in die Verwandtschaft der Reptilien als Schwestergruppe der Archosauria eingeordnet. Die Fossilsituation erlaubt derzeit keine endgültige Klärung.

Die ältesten Reptilien sind aus dem frühesten Perm vor etwa 300 Mio. Jahren fossil überliefert. Die ältesten Zeugnisse sind jedoch Fußabdrücke in einem etwa 315 Mio. Jahre[2] alten Gestein aus dem Bashkirium, der ältesten Stufe des Oberkarbons (Pennsylvanium), von Nordamerika. Die Spurenfossilien belegen zugleich erstmals die Existenz dieser frühen Amnioten in einer wasserarmen Umwelt, in der das Amnionei vermutlich einen Fortpflanzungsvorteil bedeutet hat.[3] Eine erste Aufspaltung fand sehr früh in uneigentliche Reptilien (Parareptilia) und eigentliche Reptilien (Eureptilia) statt. Vertreter der Parareptilia sind die im Trias ausgestorbenen Procolophonida, die oft als nahe Verwandte der Schildkröten angesehen werden, und die schon im Perm ausgestorbenen Pareiasauria.

Die Eureptilia spalteten sich in eine Vielzahl von Zweigen auf. Der Zweig der Archosauria umfasst die Krokodile, die Flugsaurier und die Dinosaurier einschließlich der Vögel. Der parallele Zweig der Lepidosauria enthält die nahe verwandten Echsen, Schlangen und Doppelschleichen sowie die etwas entfernteren Brückenechsen. Die Sauropterygia oder Flossenechsen sind eine Gruppe ausgestorbener Meeresreptilien aus dem Mesozoikum.

Systematik

Systematik der Reptilien

Eine ausführlichere kladistische Systematik, die auch die Familien und die ausgestorbenen Gruppen berücksichtigt, findet sich unter Systematik der Reptilien. Die europäischen Arten sind in der Liste europäischer Reptilien aufgeführt.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Stand: 1. Februar 2013 Quelle: Reptile-Database
  2. Earliest evidence for reptiles University of Bristol: Press release issued 17 October 2007
  3. Howard J. Falcon-Lang, Michael J. Benton and Matthew Stimson (2007): „Ecology of earliest reptiles inferred from basal Pennsylvanian trackways“. Journal of the Geological Society; December 2007; v. 164; no. 6; p. 1113–1118; Abstract: doi:10.1144/0016-76492007-015, Artikel (PDF; 394 kB)

Weblinks

 Commons: Reptilien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Reptil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen