Republikanerdenkmal
Das Republikanerdenkmal ist ein Denkmal in Witten in Nordrhein-Westfalen. Es wurde zu Ehren der führenden Politiker der Weimarer Republik Friedrich Ebert (SPD), Matthias Erzberger (Zentrum) und Walther Rathenau (DDP) vom republikanischen Schutzbund Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold errichtet.
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Errichtung des Denkmals auf dem Hohenstein wurde durch das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold initiiert, um an die drei Politiker der Weimarer Koalition – Ebert, Erzberger und Rathenau – zu erinnern. Reichspräsident Ebert war 1925, ein Jahr vor Errichtung des Denkmals, im Amt an den Folgen einer Erkrankung verstorben, die er in seiner Arbeit und dem politischen Kampf verschleppt hatte.[1] Nach Ansicht seiner Anhänger starb er in Aufopferung für die Republik. Erzberger und Rathenau wurden beide 1921 bzw. 1922 von Attentätern der rechtsterroristischen Organisation Consul ermordet. Die drei Politiker galten als parteiübergreifende Märtyrer der Republik.[1][2] In Bezug auf die persönlichen Schicksale dieser drei wurde der Kampf um die Weimarer Republik symbolhaft zum Ausdruck gebracht.[3]
In der Zeit zwischen 1926 und 1932 wurden mehrere Denkmäler für die drei Politiker errichtet. Das Denkmal in Witten wurde bei seiner Einweihung als das erste seiner Art bezeichnet.[2]
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Das am Rand eines Waldgebietes gelegene, etwa 3,50 Meter hohe Denkmal ist auf drei Seiten von Bäumen und Sträuchern umgeben. Es besteht aus einem Sockel aus aufgeschichteten und durch Mörtel verbundenen unbehauenen Ruhrsandsteinbrocken, auf dem ein nach oben spitz zulaufender, grob behauener, ca. zwei Meter großer Obelisk aus Sandstein aufgesetzt ist. Auf der Vorderseite des Sockels ist auf dem größten Steinbrocken die verwitterte ursprüngliche Inschrift „Den drei großen Republikanern Erzberger–Rathenau–Ebert gewidmet“ zu erkennen. An einem kleinen Steinbrocken des Sockels auf der Südseite befindet sich ebenfalls eine Inschrift. Auf dem Obelisk waren versetzt drei bronzene Reliefplaketten der Köpfe der drei Politiker angebracht, die noch 2008 erhalten waren.[4]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Standort wurde von der Stadt Witten der Ortsgruppe des Reichsbanners zur Verfügung gestellt. Mitglieder des Reichsbanners errichteten hier in ihrer arbeitsfreien Zeit das Denkmal. Geleitet wurden die Arbeiten von dem örtlichen Bildhauer Redger.[2]
Einweihung des Denkmals
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Denkmal wurde am 9. August 1926 vor 30.000 Teilnehmern enthüllt. Bereits am Samstag, dem 8. August fand eine Auftaktveranstaltung zu der Feier statt, bei der es eine Verfassungskundgebung auf dem Marktplatz gab. Zur Hauptfeier auf dem Hohenstein versammelten sich am Sonntagnachmittag mehr als 100 Vereine mit 80 Fahnen und Wimpeln auf dem Viehmarkt, von wo ein Festzug zum Denkmalplatz stattfand, bei dem schon viele eingeladene Gäste waren. Ein Transparent mit der Inschrift: „Den Männern der Freiheit die Treue.“ schmückte den Festplatz. Kränze mit „breiten Schleifen in den Verfassungsfarben des deutschen Reiches“ wurden niedergelegt.[2]
Zur Denkmalsweihe kamen Vertreter der Zentrumspartei, der demokratischen und sozialdemokratischen Parteien und des Reichsbanners. Als Vertreter der preußischen Regierung war der Regierungspräsident Rudolf Amelunxen (Zentrum) anwesend. Dazu kamen noch viele Gäste und Vertreter der Behörden und Korporationen. Als Vertreter der Stadt Witten war das Magistratsmitglied Osländer anwesend. Die Mitglieder des Reichsbanners waren aus allen Teilen der Republik angereist. Für den Bundesvorstand war Paul Runge aus Magdeburg (Polizeipräsident in Halle an der Saale) anwesend. Regionale Vertreter waren der Leiter des Reichsbanner-Gaus Westliches Westfalen, Franz Klupsch (SPD), und Reichsbanner-Gausekretär Schmidt aus Dortmund.[2]
Paula Erzberger, die Witwe von Matthias Erzberger, folgte der Einladung nicht. Für sie kam und sprach der Reichstagsabgeordnete Carl Diez (Zentrum) aus Radolfzell. Er war ein Freund Erzbergers und 1921 bei dem Attentat selbst verwundet worden. Diez’ Rede gab die Wittener Volks-Zeitung in Teilen wie folgt wieder:[2]
„Wenn auch zwischen den einzelnen republikanischen Parteien in Weltanschauungsfragen eine große Kluft bestehe, im Reichsbanner seien die Mitglieder aus den Parteien des Zentrums, der Demokratie und der Sozialdemokratie sich eins in dem Gedanken für die deutsche Republik; das beweise die Teilnahme von Zentrumsanhängern im Gewerkschaftshause der freien Gewerkschaften. Das Reichsbanner kämpfe für das Ideal einer sozialen Republik, für deren Erhaltung wir auch bereit seien. Märtyrer zu stellen: solcher Märtyrer könne die ehemalige Monarchie nicht ausweisen.“
Die Weiherede hielt Runge als Vertreter des Bundesvorsitzenden, wobei er besonders an die drei Politiker und an ihre Leistungen erinnerte. Er betonte zu Erzbergers Ermordung, dass sein Tod die Gemüter der Republikaner rebellisch gemacht habe, die durch die Tat gesehen hätten, was die Gegenseite plante. Er schloss mit: „Wir bedauern den frühen Tod dieser drei Männer, von denen zwei gefallen sind durch den Fanatismus, dessen Urheber in den Rechtsparteien zu suchen sind, von denen der dritte von seinen politischen Gegnern bis zum Tode bekämpft wurde.“[2]
Der Stadtrat Osländer brachte die Freude der Stadt Witten zum Ausdruck, dass diese die erste deutsche Stadt sei, in welcher den drei großen Vertretern des republikanischen Gedankens ein Denkmal errichtet worden sei. In seiner zweiten Ansprache führte Diez aus: „Sie waren sozial eingestellte Männer und darum populär im Volke. Das Wohl Deutschlands lag ihnen am Herzen, ihr Ziel war Frieden und Freiheit für Volk und Reich.“[2]
Geschichte des Denkmals
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits in der Silvesternacht 1926/27 wurde das Denkmal erstmals angegriffen; bis 1930 kam es zu weiteren Übergriffen. Nur in zwei Fällen konnten die jugendlichen Täter ermittelt und vor Gericht gestellt werden. Sie erhielten lediglich geringe Geldstrafen oder wurden sogar begnadigt. Die Nationalsozialisten bezeichneten das Denkmal als „Novemberverbrecher-Denkmal“. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde das Ehrenmal zunächst auf Antrag des Stahlhelms in eine Gedenkstätte für den Freikorpskämpfer Albert Leo Schlageter umgewandelt.[5]
Nach der NS-Zeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal teilweise abgetragen und geriet zunehmend unter Pflanzenbewuchs in Vergessenheit. Zum 40. Jahrestag des Kriegsendes im Mai 1985 ließ der Stadtverband Witten der SPD es instand setzen bzw. neu errichten; die Wiedereinweihung erfolgte am 5. Mai 1985. Später wurde es von Vertretern der später verbotenen rechtsextremen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei durch Farbschmierereien attackiert.[6] Im Jahr 2003 nahm die Stadt Witten das Denkmal unter der Bezeichnung Republikanerdenkmal schließlich in ihre Denkmalliste auf (A 247).[7] 2006 wurde es erneut saniert.[8] 2023 begann eine erneute Sanierung.[9]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ausgabe der Zeitung Das Reichsbanner vom 15. August 2026 mit einem Artikel zur Einweihung des Denkmals auf reichsbanner-geschichte.de (PDF; 7,37 MB)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Andreas Braune: Erinnerung in Stücken – Zur Denkmalkultur der Weimarer Republik und ihren Spuren (= Hessische Landeszentrale für politische Bildung [Hrsg.]: Denkmale zum Nachdenken). Wiesbaden 2024, S. 17, 18.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 Die Enthüllung des Erzberger-Rathenau-Ebert-Denkmals auf dem Hohenstein bei Witten. In: Wittener Volks-Zeitung. 10. August 1926 (zeitpunkt.nrw).
- ↑ Stadtarchiv Witten - Stadtgeschichten. In: kulturforum-witten.de. 21. August 1930, abgerufen am 23. August 2026.
- ↑ Klaus-Dieter Wupper: Republikaner-Denkmal Witten. In: kdwupper.de. Abgerufen am 23. August 2026.
- ↑ Elaine Cappus: Witten: Denkmalschändung in den 20ern beschäftigt Schüler. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 20. November 2020, abgerufen am 23. August 2026.
- ↑ Einige Bemerkungen zur Aktivität der Edelweißpiraten Witten, zur Sozialgeschichte des Berger-Denkmals, des Hohensteins und zum Helenenturm. In: trotzallem.noblogs.org. 30. Mai 2020, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 11. September 2026; abgerufen am 15. September 2026.
- ↑ Denkmalliste der Stadt Witten (Stand: 30.11.2016) ( vom 30. Juli 2021 im Internet Archive)
- ↑ Hohenstein umfasst auch vier Denkmäler. In: image-witten.de. 22. Januar 2024, abgerufen am 23. August 2026.
- ↑ Susanne Schild: Stadt Witten lässt zwei umstrittene Denkmäler sanieren. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 17. Januar 2023, abgerufen am 23. August 2026.
Koordinaten: 51° 25′ 38,5″ N, 7° 21′ 10,4″ O