Residenzmuseum

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Residenzmuseum ist die Bezeichnung für die Schauräume der Münchner Residenz, die seit 1920 unter dem Namen Residenzmuseum zu besichtigen sind.

Königsbau der Münchner Residenz

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Antiquarium, eines der größten Renaissance-Gewölbe Europas

Bereits zur Zeit Ludwig I. konnte der interessierte Bürger auf Voranmeldung (wenn das Königspaar nicht in der Residenz zugegen war) die Räumlichkeiten des Königsbaus besichtigen. Damit wollte der König seinen Untertanen bewusst seine Vorstellung von königlichem Wohnen vor Augen führen. Unter Prinzregent Luitpold war es bereits möglich, alle ungenutzten Teile der Residenz sowie die Alte Schatzkammer zu besichtigen und 1897 erschien schließlich der erste Führer durch die Residenz zu München.[1]

Nach der Revolution 1918 und dem Ende der Monarchie in Bayern gingen die Schlösser der ehemaligen Ziviliste in Besitz des Freistaates Bayern über. Unter ihnen befand sich auch die Münchner Residenz. Diese wurde dann seit 1920 Zug um Zug der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1937 umfasste die Residenz 157 zugängliche und nummerierte Schauräume, die in zwei Führungslinien zugänglich waren. Das Residenzmuseum war damit bis zur Zerstörung der Residenzanlage im Zweiten Weltkrieg das größte Raumkunstmuseum der Welt.

Nach Kriegsbeginn konnten große Teile des Mobiliars und auch Teile der Wandverkleidung ausgelagert werden. Dies machte eine Wiederherstellung der Anlage nach ihrer Zerstörung in den Jahren 1944 und 1945 möglich. Seit 1945 wurde dann unter Leitung von Tino Walz versucht die noch erhaltenen Teile zu sichern und bei der Bevölkerung für den Wiederaufbau der Residenz zu werben. Erst mit dem Einsetzen des Wirtschaftswunders zu Beginn der 50er Jahre konnte dann der Wiederaufbau in vollen Zügen durch Otto Meitinger beginnen. Im Zuge des 800-jährigen Stadtjubiläums München konnte dann 1958 das Residenzmuseum wiedereröffnet werden. Es bedurfte aber noch weiterer sieben Bauetappen bis nach 45 Jahren der Wiederaufbau der Anlage und des Residenzmuseums vollendet werden konnte. Das heutige Residenzmuseum zeigt mehr als 130 Schauräume. Eine Audioführung wird in sechs Sprachen angeboten.[2]

Das Residenzmuseum heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hofkapelle

Heute präsentieren sich in rund 130 Schauräumen Wohn- und Festräume aus 300 Jahren, sowie eine Reihe von Sammlungsräumen, in denen vor allem die Porzellan- u. Silbersammlungen sowie Reliquien und Paramente gezeigt werden. Die Rundgänge am Vormittag und Nachmittag weichen voneinander ab, einige Raumfolgen sind jedoch ganztägig zugänglich. Neben dem Antiquarium, der Alten Hofkapelle und den zahlreichen Prunksälen, den sogenannten Kaiserzimmern, den Reichen Zimmern und den repräsentativen Wohnräumen Ludwigs I., sind besonders die Porzellankammern, die neben Exponaten aus ganz Europa auch eine bedeutende Sammlung aus Ostasien umfassen, und das Miniaturenkabinett mit 129 Miniaturgemälden hervorzuheben. Ferner gibt es noch eine Reliquienkammer und die Silberkammern. Die Ausstellung im St. Georgsrittersaal erinnert mit zentralen Bilddokumenten an die verschwundenen Wintergärten der bayerischen Könige Max II. und Ludwig II.

Die Schatzkammer im Königsbau sowie die Münzsammlung können getrennt besichtigt werden. Die Bronzesäle rund um den Vierschäftesaal sind dort gesondert zugänglich: Mit den im Erdgeschoss des Westflügels des Festsaalbaus seit dem Auszug der Ägyptischen Staatssammlung ausgestellten Bronzeplastiken aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert präsentiert das Residenzmuseum einen der reichsten Bestände europäischer Bronzekunst aus der Zeit des Manierismus und Frühbarock.

Der Herkulessaal, der frühere kriegszerstörte Große Thronsaal, und die benachbarte Säle im Festsaalbau sind seit Kriegsende nicht mehr Bestandteil des Residenzmuseums.

Wichtige Räume und Raumfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kaisertreppe
Die Ahnengalerie
Paradeschlafzimmer der Reichen Zimmer
  • Antiquarium: Der älteste erhaltene Raum der Münchner Residenz (1568–1571) und gleichzeitig einer der größten und prächtigsten Renaissancesäle nördlich der Alpen.
  • Grottenhof: Einer der zahlreichen Höfe, der aber nur durch einen Besuch des Residenzmuseums zugänglich ist. Er entstand 1581 bis 1589 im Anschluss an das Antiquarium als Gartenhof mit Brunnen
  • Schwarzer Saal: Er entstand 1590, im Südosten an das Antiquarium anschließend.
  • Reiche Kapelle: Die 1607 geweihte Kapelle war der private Andachts- und Gebetsraum des Kurfürsten
  • Steinzimmer (ehem. Kaiserzimmer): Ab 1611 errichtete Raumfolge, im 17. Jahrhundert waren sie die größte und bedeutendste Raumfolge der Residenz. Die mit Goldfäden durchwirkten Behängen entstanden nach Entwürfen des Hofmalers Peter Candid.
  • Trierzimmer: Eine ab 1612–1616 errichtete Raumflucht und nach Clemens Wenzeslaus von Sachsen, Kurfürst und Erzbischof von Trier benannt, der hier häufig wohnte
  • Kaisersaal, Kaisertreppe, und Vierschimmelsaal entstanden ursprünglich im Frühbarock, gleichzeitig mit den Steinzimmern
  • Hofkapelle: Die doppelstöckige Hofkapelle entstand bis 1630
  • Päpstliche Zimmer: 1666/67 ließ Kurfürstin Henriette Adelaide das Appartement im Stil des Turiner Hochbarock neu gestalten, im 18. Jahrhundert nach einem Papstbesuch umbenannt
  • Ahnengalerie und Porzellankabinett: Ab 1726 durch den Hofarchitekten Joseph Effner errichtet.
  • Reiche Zimmer: Eine überaus prunkvolle Raumflucht von 1730 bis 1733/37 nach Plänen des Hofarchitekten François de Cuvilliés d. Ä. mit dem Paradeschlafzimmer und dem Miniaturenkabinett
  • Grüne Galerie: Mit einer reich stuckierten und geschnitzten Raumausstattung, sie ist ebenfalls Bestandteil der Reichen Zimmer
  • Kurfürstenzimmer: Eine ab 1746 durch Johann Baptist Gunetzrhainer im Rokoko ausgebaute Raumfolge
  • Charlottenzimmer: Ab 1814 richtete sich Prinzessin Charlotte Auguste in diesen Räumen eine Wohnung im Stil des Empire ein
  • Nibelungensäle: Sie entstanden ab 1828 im Königsbau mit bedeutender nazarenischer Monumentalmalerei
  • Appartements des Königspaares: Die klassizistischen Appartements des Königs und der Königin entstanden ebenfalls mit dem Königsbau

Allerheiligen-Hofkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die byzantinische Allerheiligen-Hofkirche, errichtet 1826–1837 durch Leo von Klenze, ist innerhalb des Museumsrundgangs an der Empore der Kirche vom Allerheiligengang aus einsehbar oder durch das Portal an der Ostseite am Marstallplatz zu betreten.

Cuvilliés-Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Cuvilliés-Theater (ehemals Residenztheater) ist eines der bedeutendsten Rokokotheater, das 1751–1753 an der Stelle des heutigen Neuen Residenztheaters erbaut wurde. Es befindet sich heute im sogenannten Apothekenstock des Festsaalbaus und ist nur gesondert am Brunnenhof zugänglich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brunner, Herbert u. a.: Residenz München. Amtlicher Führer. München 1996.
  • Thoma, Hans und Kreisel, Heinrich: Amtlicher Führer des Residenzmuseums. München 1937.
  • Beil, Toni u. Meitinger, Otto u. Walz, Tino: Die Residenz zu München. Entstehung - Zerstörung - Wiederaufbau. München 1987.
  • Falthauser, Kurt (Hg.): Die Münchner Residenz. Geschichte - Zerstörung - Wiederaufbau. München 2006.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schatzkammer Munich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Faltlhauser, S. 148
  2. residenz-muenchen.de: Informationen für Besucher

Koordinaten: 48° 8′ 25″ N, 11° 34′ 42″ O