Residenzplatz (Salzburg)

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Residenzplatz in Salzburg, Blick auf das Glockenspiel

Der Residenzplatz liegt als repräsentativer und prunkvoller Platz im Zentrum der Altstadt der Stadt Salzburg. Der Platz wird im Westen von der Alten Residenz, im Osten von der Neuen Residenz mit dem kunstvollen Glockenspiel und im Süden vom Dom begrenzt. Im Norden begrenzen in einer geschlossenen Fassade Bürgerhäuser den Platz, die im Kern auf mittelalterliche Bauten zurückgehen. An diese schließt die zum Stift St. Peter gehörende Michaelskirche an. Danach geht der Platz in den Mozartplatz über. In der Mitte des Residenzplatzes steht der aus dem 17. Jahrhundert stammende, künstlerisch gestaltete Residenzbrunnen. Der Platz befindet sich an der Stelle eines ehemaligen Friedhofs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Platz in seiner heutigen Größe ist unter Schleifung von Bürgerhäusern und Entfernung des alten Domfriedhofes durch Erzbischof Wolf Dietrich entstanden und steht im Zusammenhang mit der damaligen Umgestaltung Salzburgs von einer mittelalterlichen Stadt zu einer fürstlichen barocken Residenzstadt. 1587 begann Wolf Dietrich, das alte Domkloster und 55 Bürgerhäuser am damaligen Westende der Pfeifergasse abzureißen und den Domfriedhof (Aschhof genannt) aufzulassen. Hier befanden sich einst auch Teile der alten Residenz, des Vorgängerbaues des Domes und der St.-Johannes-Hofkapelle.

Neugestaltung des Platzes
Musterfläche mit Salzachkieselsteinen

Ursprünglich war der Platz durch einen gegliederten Belag aus Salzachkieselsteinen gestaltet. Diese Steine sind unter einer wenige Jahrzehnte alten Sandschicht großteils erhalten. Nach umfangreichen Grabungen zur Erforschung der Geschichte der Stadt Salzburg und der römischen Vorgängerstadt Iuvavum mit ihren vornehmen Bürgerhäusern soll ein neuer, gut begehbarer, aber historisch authentischer Belag verlegt werden. 2007 gewann Max Rieder in der Projektgemeinschaft knittels.büro einen diesbezüglichen internationalen Wettbewerb. Der Entwurf baut auf einem städtebaulichen Konzept von Vincenzo Scamozzi auf. Nach umfangreichen Musterflächen und der Erprobung eines „Kunstkonglomerates“ für die weiträumig neu aufgespannte, komplexe Platzfläche wurden die Planungen 2009 vorerst ruhend gestellt. Dies betraf auch eine vorgeschlagene Lichtskulptur als dynamisch-bewegliches Mahnmal zur Bücherbrennung der Nationalsozialisten.

Anfang 2016 wurde das Siegerprojekt für die Neugestaltung des Residenzplatzes präsentiert. Die Bauarbeiten sollen von März 2017 bis Juli 2018 durchgeführt werden, die Gesamtkosten sollen 4,9 Millionen Euro betragen. Geplant ist auch ein Mahnmal, das an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten erinnern soll.[1]

Die Bürgerhäuser am Residenzplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Haus Residenzplatz 2: Bemerkenswert sind die spätgotischen Fensterlaibungen aus den Jahren nach 1500, die seinerzeit von Wolfgang Püchler eingebaut worden waren und um 1930 bei einer Restaurierung wiederentdeckt und freigelegt wurden. In diesem Haus wohnte in den Jahren um 1693 der Barockmaler Johann Michael Rottmayr während seiner Arbeiten in der benachbarten Salzburger Residenz.
  • Haus Residenzplatz 3: Das Haus besitzt ein barockes Portal mit seitlichen Pilastern und ein Volutenkapitell mit einer marmornen Blumenvase.
  • Haus Residenzplatz 4: Die Fassadengestaltung dieses Hauses stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.
  • Haus Residenzplatz 5 (Zinngießerhaus, Eckhaus am Aschhof = Goldgasse 19): Das Haus besitzt goldgassenseitig ein Trichterportal mit historischer Eisengittertüre sowie darüber ein marmorgerahmtes Haussegensbild „Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten“ aus dem 18. Jahrhundert.

Alle diese Gebäude stehen unter Denkmalschutz.

360°-Panorama vom Residenzplatz

Der Residenzbrunnen (Hofbrunnen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Residenzbrunnen

Der Residenzbrunnen ist ein aus Untersberger Marmor, einem Kalkstein, gehauener monumentaler Brunnen. Er ist der größte Barockbrunnen Mitteleuropas und wurde zwischen 1656 und 1661 im Auftrag von Erzbischof Guidobald von Thun wohl von Tommaso di Garona gestaltet. Als leitender Ingenieur war damals Antonio Dario tätig.

Das untere Brunnenbecken auf allseitigen stufenartigen Sockeln ist vierseitig symmetrisch und besitzt eine ausgebogene und geknickte barocke Formgebung. Der dortige mittige Felsen ist von vier wasserspeienden Meerrossen (Hippocampen) umgeben. Der Felsen trägt vier Athleten mit einer weiteren flachen Wasserschale, in denen drei Delphine mit ihrer Schwanzflosse wiederum ein flaches Wasserbecken halten. Dieses oberste Becken trägt Triton, der aus einer Muschel Wasser senkrecht in die Luft stößt.

Nach dem gescheiterten Versuch, von der Quelle Fürstenbrunn am Untersberg hierher Wasser zu leiten, wurde einige Jahre später (1679) das Wasser unter Leitung des Brunnenmeisters Rupert Kraimoser aus der Hellbrunner Sternweiherquelle entnommen und über das Nonntaler Hofbrunnhaus zum Residenzplatz und ins Kaiviertel geleitet. Seit 1962 ist der Brunnen wieder an das Salzburger Wasserleitungsnetz angeschlossen und bezog sein Wasser damit wesentlich aus der Fürstenbrunner Quelle beim Untersberg. Heute stammt das Trinkwasser Salzburgs wesentlich aus dem Tiefbrunnen bei St. Leonhard (beide Gemeinde Grödig).

Der Residenzplatz als Veranstaltungsort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erster Linie verbindet man den Residenzplatz als Veranstaltungsort mit regelmäßigen volkskulturellen Ereignissen wie dem traditionellen Rupertikirtag um den 24. September sowie in der Adventszeit mit dem Salzburger Christkindlmarkt. Alljährlich findet auf dem Platz auch anlässlich der Eröffnung der Salzburger Festspiele vor der letzten Juliwoche ein Fackeltanz mit verschiedenen Brauchtumsgruppen der Region statt. Von 1987 bis gegen Ende der neunziger Jahre gab es wiederholt Performances im Rahmen des von der Szene Salzburg durchgeführten avantgardistischen Festivals Sommerszene sowie Konzerte von großen und internationalen Stars der Pop- und Rockmusik-Branche (wie etwa von Joe Cocker, Tina Turner oder Neil Young).

Der Residenzplatz wird neben künstlerischen Ereignissen gelegentlich auch für singuläre Veranstaltungen wirtschaftlicher oder politischer Art genutzt.

Bücherverbrennung

Am 30. April 1938, kurz nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland, inszenierte der Lehrer und Schriftsteller Karl Springenschmid auf dem Residenzplatz die einzige Bücherverbrennung nach nationalsozialistischem Muster im ehemaligen Österreich.[2] 1200 Werke jüdischer Schriftsteller und Künstler, aber vor allem Schriften katholischer Autoren und Politiker des Ständestaates wurden von der Hitlerjugend am Residenzplatz verbrannt.[3] In mahnender Erinnerung an diese Untat fand zum 75. Jahrestag am 30. April 2013 auf dem Platz und in seiner nächsten Umgebung eine Gedenkveranstaltung statt, die von zahlreichen Salzburger Einrichtungen getragen wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Euler, Ronald Gobiet u.a.: Die Kunstdenkmäler Österreichs – SALZBURG Stadt und Land, Verlag Schroll, Wien 1986, ISBN 3-7031-0599-2
  • Josef Hübl: Heimatkunde der Stadt Salzburg, Verlag Salzburger Druckerei, Salzburg 1965
  • F. W. Zillner: Geschichte der Stadt Salzburg, Sonderbände der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1885

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. orf.at - Neuer Residenzplatz: Siegerprojekt präsentiert. Artikel vom 1. März 2016, abgerufen am 1. März 2016.
  2. http://www.uni-salzburg.at/pls/portal/docs/1/1289237.PDF
  3. http://www.stadt-salzburg.at/internet/websites/nsprojekt/ns_projekt/materialien/bilddokumente/fotoarchiv_franz_kri_328020/buecherverbrennung_am_residenzplatz_310667.htm

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Residenzplatz (Salzburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 47′ 54,3″ N, 13° 2′ 46,9″ O