Schloss (Architektur)

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Ein Schloss ist ein Gebäude oder Gebäudekomplex, das/der im Auftrag des Landesherrn oder anderer Mitglieder des Adels errichtet wurde; es bezieht diese Bezeichnung damit unabhängig von der Größe oder der künstlerischen Gestaltung seiner Fassade. Stattliche Schlösser gingen häufig aus mittelalterlichen Burganlagen hervor, einige Schlösser gründen auch auf früheren Klöstern. Vom Ende des Mittelalters bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellten die Schlösser in vielen Regionen Europas kulturelle und politische Zentren dar und werden daher heute als Baudenkmale klassifiziert.

Als Baudenkmale sind Schlösser Kulturgut und Teil des kulturellen Erbes. Viele Schlösser tragen entsprechende Kennzeichen (siehe Internationales Komitee vom Blauen Schild).

Dieser Artikel behandelt die Kunstgeschichte der als Schlösser bezeichneten Wohnbauten in Europa.

Für eine Auflistung von Schlössern in verschiedenen Ländern, siehe Liste von Schlössern.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss, Burg und Herrenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Residenzschloss Sondershausen, hervorgegangen aus einer Burg mit sichtbaren Bauabschnitten aus sechs Epochen

Die Begriffe Schloss und Burg hatten ursprünglich eine ähnliche Bedeutung. Der Begriff Burg wurde im Mittelalter vielschichtig verwendet: für die allodialen Eigenburgen größerer oder kleinerer Adelsgeschlechter sowie die mit Ministerialen bzw. Burgmannen besetzten oder an sie verlehnten befestigten Häuser zu Zwecken der Grenzverteidigung, Straßensicherung, Zehnt- und Zolleinnahme und regionalen Verwaltung; diese „Herrenburgen“ (castrum) wurden auch als Schlösser bezeichnet, nach dem sie sichernden Türriegel oder Torschloss. Als Burgen im weiteren Sinne (oppidum) wurden aber auch befestigte Ortschaften, also ummauerte Dörfer oder Städtchen bezeichnet, die sich in den Zeiten vor der kommunalen Selbstverwaltung ebenfalls im Besitz adliger Obrigkeiten befanden; Bürger in diesem Sinne waren die wehrpflichtigen Bewohner solcher befestigten „Burgstädte“, die oft bis heute das -burg im Namen führen.[1]

Etymologisch (siehe: Etymologie von bŭrgus) steckt im Wort Burg das Verb bergen, von dem sich auch die Geborgenheit ableitet, was in der Frühgeschichte die Flucht auf den Berg meinte (wo sich oft die Fliehburgen befanden) - es ging also vor allem um die Sicherheit vor Überfällen in unruhigen Zeiten und diesem Zweck vor allem dienten Burg und Schloss.

Die Begriffe Burg und Schloss wurden daher lange Zeit weitgehend synonym verwendet und Burgen werden auch heute noch häufig Schlösser genannt, allerdings nicht umgekehrt. Denn in der Gegenwart wird der Begriff Burg zumeist auf mittelalterliche Wehrburgen angewandt, während das Schloss im Allgemeinen ein unbefestigtes herrschaftliches Wohngebäude, zumeist aus der Neuzeit, beschreibt. Freilich gibt es, vor allem aus der Renaissancezeit und dem Historismus, Zwischentypen.

Eine klare Abgrenzung der Begriffe ist nicht möglich, aber es gibt es Typisierungen, etwa das Feste Haus, das Herrenhaus oder in Tirol den Ansitz. Burgen wurden im Mittelalter oft als hûs („Haus“; vgl. Burg Niehuus) oder stein bezeichnet, was vor allem in Norddeutschland bis heute gebräuchlich blieb (z.B. Haus Lüttinghof). In Schleswig-Holstein und Mecklenburg war der Begriff des Schlosses den landesherrlichen Sitzen vorbehalten, unabhängig von ihrer Größe, während der Begriff Haus, Gutshaus, Herrenhaus oder Adliges Gut für niederadlige Sitze, ebenfalls unabhängig von ihrer Größe oder ihrem Baustil, verwendet wird. In Pommern war der Begriff der Schlossgesessenen den alten, begüterten Adelsfamilien vorbehalten, unabhängig vom Bautyp ihrer Häuser. In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz hingegen werden auch kleine Herrenhäuser zumeist als Schloss bezeichnet. Ab dem 15. und insbesondere 16. Jahrhundert ließen sich auch reiche Bürger Schlösser und schlossartige Herrenhäuser errichten oder erwarben solche; ein Beispiel dafür ist das Wasserschloss Klaffenbach in Sachsen.

Herrenhaus und Schloss werden auch durch ihre Funktion unterschieden: Das Herren- oder Gutshaus ist immer der Mittelpunkt eines Gutshofs mit Landwirtschaft, eines Forstguts oder auch Weinguts. Besondere, und zwar rechtlich geprägte Begriffe stellen das Rittergut und das schleswig-holsteinische Adlige Gut sowie der Tiroler Ansitz dar. Im Zusammenhang mit der Wahrnehmung politischer Rechte fing die Ritterschaft im Spätmittelalter an, sich in Verbänden zu organisieren, die als Ritterschaften bezeichnet wurden. Diese Korporationen existieren in Niedersachsen bis heute und sind keine privaten Vereine, sondern Körperschaften des öffentlichen Rechts, regional organisiert nach den früheren Fürstentümern, in denen die jeweiligen Gutsbesitzer immatrikuliert sind, unabhängig von der historischen Unterscheidung in Adels- oder Bürgerstand; damit waren früher besondere ständische Rechte verbunden, die in Rudimenten teilweise bis heute erhalten blieben, etwa durch die Mitgliedschaft der Ritterschaften in einer Landschaft (Landstände), zum Beispiel der Landschaft des vormaligen Fürstentums Lüneburg. Darüber hinaus war der Gutsherr – der dem Adel entstammen konnte, aber nicht musste – nicht nur Landbesitzer und Arbeitgeber, sondern - bis zur Bauernbefreiung - Inhaber einer Grundherrschaft mit Hintersassen oder Leibeigenen; auch hatte er zumeist die Niedere Gerichtsbarkeit inne, in selteneren Fällen auch die Hohe Gerichtsbarkeit. Er übte damit zugleich obrigkeitliche und rechtsprechende Funktionen aus.

Diente hingegen ein Schloss lediglich repräsentativen Zwecken und verfügte über keinen Gutsbetrieb, war es nie ein Herrenhaus. War das Landhaus eines wohlhabenden, nicht-grundherrlichen Bürgers, zumeist aus dem 19. Jahrhundert, besonders groß und ähnlich gestaltet, wurde es von der Villa manchmal umgangssprachlich zum Schloss geadelt. Durch die Trennung von Gutsbetrieben und Herrenhäusern infolge von Verkäufen vermischen sich aber heute die Begriffe.

Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine allgemeinverbindliche Definition der verschiedenen Begriffe gibt es nicht und sie werden daher im deutschen Sprachgebrauch – je nach Gegebenheit – auch oft nebeneinander gebraucht. Unterschieden wird zwischen Begriffen, die sich auf die (ehemalige) Funktion beziehen, wie Residenzschloss oder Jagdschloss, und solchen, die sich auf formale Eigenheiten beziehen, wie Wasserschloss (Lage), Stadtschloss (Lage), Barockschloss (Stil) oder Kastellanlage (Typ). Der erste Fall sind Bauaufgaben oder Baugattungen, während im zweiten Fall eine formale Typologie im Vordergrund steht.

Schlossgattungen
  • Ein Residenzschloss ist das Schloss eines Landesherrn, das neben seiner Hauptwohnung und der seiner Familienmitglieder auch den Sitz der Landesverwaltungsbehörden beherbergte. Als Sommerresidenz und Winterresidenz werden Residenzen bezeichnet, wenn der Fürst samt seinem Hofstaat je nach Jahreszeit umzog. Sommersitze des niederen Adels werden hingegen als Sommer- oder Landschloss bezeichnet.
  • Ein Jagdschloss diente ausschließlich der Jagd, die meist ein Privileg des Adels war.
  • Als Lustschloss wird ein Gebäude bezeichnet, das in seinen Dimensionen bescheidener, in der Architektur jedoch oft verspielter ist als die eigentlichen Regierungssitze und vorwiegend der Unterhaltung und dem Vergnügen von Landesherren und ihrem kurzweiligen Rückzug von den Staatsgeschäften diente. Meist gehört auch ein Garten oder Park dazu.
Schloss Wörth an der Donau, Sommerresidenz der Fürstbischöfe Regensburgs
Schlosstypen
  • Als Stadtschloss wird zumeist das städtische Residenzschloss eines Landesherrn bezeichnet. Das Stadtpalais ist hingegen der urbane, das Landschloss der rurale Sitz eines Adeligen. Ersteres diente in der Regel nur gesellschaftlichen Belangen, letzteres auch der Verwaltung einer Grundherrschaft bzw. eines Landguts und war daher meist mit umfangreicher wirtschaftlicher Infrastruktur ausgestattet (Gutshöfe, Viehställe). In Italien werden Landschlösser, sofern sie nicht dem befestigten Typ des Castello entsprechen, als Villa bezeichnet.
  • Eine von Gräben umgebene oder in einem Fluss oder See errichtete Anlage wird zumeist als Wasserschloss bezeichnet.
  • Als Palast wird im Deutschen ein besonders repräsentativ ausgestatteter, in der Regel landesfürstlicher Wohn- und Regierungssitz in einer Stadt verstanden. Dieser Begriff, der häufig auch in Verbindung mit orientalischen oder antiken Herrschersitzen benutzt wird, ist dem italienischen palazzo entlehnt und geht ursprünglich auf das lateinische palatium zurück, dem Eigennamen der Residenz der römischen Kaiser auf dem Palatin. Die Bezeichnung findet sich in verschiedenen Sprachen wieder: auch in England werden repräsentative Schlossbauten palace genannt, in Frankreich bezeichnet das palais ein repräsentatives Stadtschloss (im Gegensatz zum château, einem Schloss auf dem Land) und entspricht dem deutschen Stadtpalais.

Entwicklung des Schlossbaus in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Schlossbaus entstand in Europa mit dem Ende des Mittelalters und dem Beginn der Neuzeit. Durch die Erfindung der Feuerwaffen verloren die alten, Wehr- und Wohnfunktion vereinigenden Burgen immer mehr ihre schützende Funktion. Analog zur Entwicklung der Feuerwaffen veränderte sich die Kriegskunst und aus vielen Grenzstreitigkeiten, Erbkonflikten und Eroberungskriegen (aber auch durch geschickte Heiratspolitik) wuchsen langsam aus Kleinstkönigreichen, Fürsten- und Herzogtümern größere Staaten zusammen. Lokale Konflikte nahmen dabei ab. Vor allem kleinere Burganlagen boten – bedingt durch ihre Verletzlichkeit gegenüber den immer wirksameren Feuerwaffen – kaum noch Schutz und wurden zu repräsentativen Wohnsitzen umgestaltet. In der Zeit der beginnenden aristokratischen Prachtentfaltung entstanden zudem vielerorts neue Schlösser, deren kunstgeschichtliche Entwicklung man in die folgenden großen Epochen zusammenfassen kann.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Mittelalters waren Schlossbauten im Sinne unbefestigter Adelssitze selten. Das Augenmerk wurde auf die Sicherheit gelegt und der Adel bevorzugte seit dem hohen Mittelalter Burgen als Wohnorte. Diese schützten vor feindlichen Nachbarn und bildeten vielerorts die Mittelpunkte künftiger Schlösser und Städte.

Wohlhabende Burgherren ließen sich ihre Festungen anfangs anhand der vom Kirchenbau übernommenen Stile der Romanik und später der Gotik ausschmücken. Beeindruckende Zeugnisse dieser Burgpaläste entstanden zum Beispiel in Frankreich mit den frühen Loireschlössern, die ihr Aussehen zwar im Laufe der Jahrhunderte veränderten, deren ursprüngliche Gestalt aber in den Très Riches Heures des Herzogs von Berry um die Mitte des 15. Jahrhunderts überliefert sind. Im Gebiet des Heiligen Römischen Reiches entstanden mit den Pfalzen schlossähnliche Anlagen, die den reisenden Hof aufnahmen und dem König bzw. Kaiser als zeitweilige Residenzen dienten. In Italien, besonders in Venedig und Florenz entstanden die ersten Stadtpaläste, wie die Ca’ d’Oro. Diese waren zwar noch keine „Schlösser“ im engeren Sinne und häufig gehörten sie statt dem Adel „lediglich“ reichen Kaufleuten, doch die hier entwickelte Kunst und die Verbindung von Wohnkomfort und Repräsentation diente bald als Vorbild für die Profanbauten der nächsten Epochen.

Renaissance[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renaissanceschloss Chenonceau, Frankreich

In Italien der Renaissance entstanden ab dem 15. Jahrhundert neben den Stadtpalazzi die ersten freistehenden Villenbauten seit der Antike, zum Beispiel die La Rotonda bei Vicenza. Diese für den reichen Stadtadel errichteten Häuser sind die ersten Bauten der europäischen Neuzeit, bei denen der Wunsch nach Bequemlichkeit und/oder Repräsentation im Vordergrund stand und der Bauplan die unmittelbare Umgebung, die Natur oder die Stadt mit einbezog. Auch im übrigen Europa wurden seit der Mitte des 15. Jahrhunderts immer mehr fürstliche Residenzen erneuert, die man als Schlösser ansieht. Zunächst zeigten sie oft noch Merkmale des gotischen Baustils, während ihre Raumstrukturen und Dimensionen schon den Ansprüchen der Renaissanceepoche genügten. Beispiele sind der heute zerstörte Palast des Coudenberg in Brüssel oder die Albrechtsburg über Meißen.

Der Baustil der Renaissance orientierte sich an der Architektur des antiken Griechenlands und des alten Römisches Reichs und wurde bald in ganz Europa aufgenommen und kopiert. Darüber hinaus wurden auch Baukonzepte aus der Antike übernommen, wie Raumtypen oder die Inszenierung des Ausblicks in die Umgebung. Man imitierte anhand von Ausgrabungen römische Villen (etwa der Hadriansvilla) oder Proportionen und Baudetails alter Tempel bzw. des Kolosseums und schmückte die neuen Bauten mit den klassischen Säulenordnungen und mächtigen Giebeln. Die Stadtpaläste erhielten ebenmäßige Fassaden mit breiten Fensterreihen und geschmückte Portale bildeten die Eingänge. Viele der vorhandenen Adelssitze wurden umgebaut oder anhand des neuen Stils (der oft sehr frei interpretiert wurde, da kaum ein Baumeister die Vorbilder wirklich zu Gesicht bekam) erweitert; wie beispielsweise das deutsche Heidelberger Schloss oder das französische Schloss Amboise. Die Schlösser dieser Zeit waren anfangs noch sehr unregelmäßig gestaffelt und folgten selten einem einheitlichen Bauplan, nach und nach wurden einzelne Gebäudekörper umgebaut oder neu errichtet. An anderen Orten befreite man sich von den Vorgaben militärischen Verteidigung und erbaute auch freistehende, neue Schlossbauten, wie das Schloss Chambord in Frankreich oder den Escorial in Spanien (welcher zugleich auch ein Kloster ist).

Barock[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barockschloss Belvedere, Österreich

Das Zeitalter des Barocks begann im 17. Jahrhundert und ging einher mit der Herrschaftsform des Absolutismus. Die Fürsten konzentrierten immer mehr Macht in ihren Händen und wollten diese durch repräsentative Bauten zum Ausdruck bringen. Die Symmetrie wurde zum Kanon und die Ebenmäßigkeit der Schlösser der ausgehenden Renaissance zum Diktat. Ganze Städte wurden jetzt auf die Barockschlösser ausgerichtet, die nicht nur zum Mittelpunkt von ganzen Landstrichen, sondern auch von Kultur, Politik und Gesellschaft wurden. Das berühmteste Beispiel ist das Schloss Versailles, von welchem man sich in ganz Europa inspirieren ließ und das man zum Vorbild nahm, Beispiele finden sich im italienischen Palast von Caserta, im deutschen Schloss Rastatt oder im russischen Peterhof.

Berühmtestes Rokoko-Schloss: Sanssouci in Potsdam

Die Bauwerke wurden mit Säulen, Pilastern und Statuen geschmückt. Während der Barockstil in England und Frankreich sowie in Norddeutschland und Skandinavien recht streng umgesetzt wurde und eine sachliche, klassizistisch-barocke Dynamik entwickelte, war die Schlossarchitektur vor allem im katholisch geprägten Europa sehr bewegt und die Fassaden sprühten oft vor Ideen und Detailreichtum. Im Inneren der Gebäude waren Folgen von Paradezimmern und Festsälen untergebracht, rhythmisch steigerten sich die Nebengebäude und Seitenflügel zum großen Corps de Logis im Zentrum, dem meist ein großer Ehrenhof vorgelagert war. Der Grundriss wurde selbst zum Ornament und gigantische Schlossparks verlängerten die Architektur nach außen in die Natur. Die Epoche endete mit dem Rokoko, welches die Kunst des Barock spielerisch zur letzten Blüte brachte.

Klassizismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Aufklärung änderte sich das Empfinden für die Kunst ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und der lebendige, bewegte Stil des Barocks wurde nun als schwülstig und übertrieben empfunden. Ähnlich wie schon zwei Jahrhunderte zuvor, wandten sich die Baumeister stilistisch wieder der Antike zu, die Entdeckung Pompejis fand sich in der Kunst überall wieder.

Der Klassizismus schuf neue Bauten, die ruhigere und klarere Linien erhielten, wie das Schloss Neuhardenberg oder das Kurfürstliche Schloss in Koblenz. Die alten Barockschlösser wurden umdekoriert, die Rocaille der Innendekoration galt als altmodisch und überholt und der prunkhafte Schmuck wurde entfernt. Beispiele finden sich im Hauptbau des Schlosses Ludwigsburg oder im Schloss Sondershausen. Die Fassaden der Schlösser wurden mit mächtigen, tempelartigen Giebeln geschmückt, die das System der gestaffelten Baukörper und Pavillons verdrängten. Mit der Üppigkeit des Barocks und des Rokoko verschwanden auch die symmetrischen, durchgeplanten Gärten und wichen immer öfter den natürlicher erscheinenden Landschaftsparks nach englischem Vorbild, exemplarisch kann hier das Schloss Wilhelmshöhe genannt werden. Bei vielen Anlagen vermischten sich aber auch die Gartenstile, wie beim Schwetzinger Schloss.

Historismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historistisches Schloss Neuschwanstein, Deutschland

Ab dem 19. Jahrhundert wurde der Historismus in all seinen Formen und Ausprägungen von der Neoromanik, Neogotik und Neorenaissance bis zum Neobarock stilbildend. Waren die früheren Stile noch jeweils sehr von lokalen Einflüssen geprägt, so entwickelte sich jetzt ein intereuropäisches Kunstverständnis und Vorbilder anderer Länder und vorangegangener Epochen wurden frei adaptiert. Manchmal wurden gar exotische Bauformen gewählt, wie für den Royal Pavilion in Brighton oder den Palácio da Pena in Sintra, Portugal.

Kaiserliche Residenz: das historistische Schloss Babelsberg

Die alten europäischen Baustile wurden neu ausgelegt und imitiert, häufig sogar bunt zusammengewürfelt. Vielerorts entstanden im Zuge der Romantik alte Burgruinen nach starker Überformung neu, wie beim Schloss Stolzenfels. Andererseits griffen Architekten dieser Zeit wieder auf Formen des Barocks und der Renaissance (z. B. am Schweriner Schloss) zurück und errichteten historisch erscheinende Neubauten. Die bekanntesten Bauwerke dieser Epoche wurden unter König Ludwig II. von Bayern geschaffen, der mit Neuschwanstein eine Ritterburg, mit Schloss Herrenchiemsee einen absolutistischen Palast und mit Schloss Linderhof ein französisches Lustschloss wiederentstehen ließ. Ein weiteres Beispiel ist das von Karl Friedrich Schinkel für Kaiser Wilhelm I. gebaute Schloss Babelsberg, welches Gotik und Mittelalter mit Romantik verbindet.

Doch die Zeit der ganz großen Schlossbauten war in den meisten Ländern jetzt vorbei, aufgrund der stärker werdenden Bürgerschicht verlor der Adel langsam an Macht und Einfluss und große Bauprojekte wurden seltener. Durch das Erstarken der reicher werdenden Bürgerschicht wurden im Historismus repräsentative Um- oder Neubauten von großen Gebäuden durch ihre Nutzer oder den Volksmund ebenfalls als Schloss bezeichnet, wie das als Fabrikantenvilla errichtete Schloss Eckberg.

Prachtbauten ab dem 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktion der Fassade des Braunschweiger Schlosses

Mit dem Ersten Weltkrieg und dem Abdanken der meisten europäischen Monarchien war die Zeit des Schlossbaus endgültig beendet. Nur wenige Schlösser gehören im 21. Jahrhundert noch ihren ursprünglichen Besitzern und werden bewohnt. Für viele Anlagen musste nach neuen Nutzungskonzepten gesucht werden, wie im Schloss von Münster oder im Leineschloss in Hannover. Sofern sie Revolutionen, Brände oder den Zweiten Weltkrieg überstanden haben, sind die Schlösser inzwischen Museen oder Zentren von Kultur, häufig eine Herausforderung für den Denkmalschutz und kostspielig im Unterhalt und der Pflege. Gleichzeitig sind sie aber auch wertvolle Zeugen vergangener Epochen, Anziehungspunkt für viele Besucher und dadurch manchmal auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Wo die Schlösser nach ihrem Abriss fehlen, wie in Berlin oder Potsdam, wurde kontrovers über Sinn und Nutzen eines Wiederaufbaus diskutiert. Einerseits bildeten viele Schlossbauten den Kernbereich der Siedlungen, die später zu Städten wurden und gehören daher schon im historischen Kontext untrennbar zu einer Region. Zudem befand sich hier früher das Zentrum der Politik, die den betreffenden Landstrich geprägt hat. Andererseits ist auch den Befürwortern eines Wiederaufbaus bewusst, dass hierbei hohe Kosten entstehen, die wiederherzustellenden Kunstwerke keine historischen mehr, sondern eben Rekonstruktionen sind und dass es keine ursprüngliche Verwendung mehr für die Gebäude gibt.

Beispiele verschiedener Epochen und nach Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renaissance: Schloss Johannisburg
Klassizismus: Schloss Wilhelmshöhe

Diese Aufzählung stellt eine Auswahl von Schlössern verschiedener Epochen dar. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll die kunsthistorische Entwicklung des Schlossbaus in unterschiedlichen Regionen beispielhaft näher beschreiben.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(weitgehend unbefestigte) Schlossbauten der Romanik und Gotik
Spätgotische Schlossbauten
Renaissanceschlösser
Schlösser des Manierismus
Barockschlösser
Frühklassizismus in Preußen: das Marmorpalais, Potsdam
Klassizistische Schlösser
Historistische Schlösser
Die Residenz und das Bayerische Nationaltheater (mit grünem Dach)
Große Residenz-Schlösser, über diverse Bauepochen hinweg genutzt

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manierismus: Schloss Hellbrunn
Renaissanceschlösser
Schlösser des Manierismus
Barockschlösser
Klassizistische Schlösser
Historistische Schlösser

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historismus: Palais du Rhin
Renaissanceschlösser
Barockschlösser
Klassizistische Schlösser
Historistische Schlösser

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renaissance: Holyrood Palace
Renaissanceschlösser
Barockschlösser

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renaissanceschlösser
Barockschlösser
Klassizistische Schlösser
Historistische Schlösser

Spezielle Schlösser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Burgen und Schlösser – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Burgen und Schlösser

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet

  • Uwe Albrecht: Von der Burg zum Schloß: französische Schlossbaukunst im Spätmittelalter. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1986. ISBN 978-3-88462-042-7
  • Thomas Biller, Georg Ulrich Großmann: Burg und Schloss. Der Adelssitz im deutschsprachigen Raum. Darmstadt 2002.
  • Mark Girouard: Das feine Leben auf dem Lande. Architektur Kultur und Geschichte der englischen Oberschicht. Frankfurt/M., New York 1989.
  • Heiko Lass: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.
  • Ulrich Schütte: Das Schloß als Wehranlage. Befestigte Schloßbauten der frühen Neuzeit im alten Reich. Darmstadt 1994.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Schloss – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Schloss (Architektur) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Mitterauer: Herrenburg und Burgstadt. In: Friedrich Prinz u.a. (Hg.). Geschichte in der Gesellschaft. Festschrift für Karl Bosl zum 65. Geburtstag. Stuttgart 1973. Wiederabdruck in Wolfgang Mitterauer: Markt und Stadt im Mittelalter. Stuttgart 1980
  2. albrechtsburg-meissen.de: Albrechtsburg Meissen - Trendsetter seit 1471