Retzow

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Retzow (Havelland) in Brandenburg; für weitere Ortsteile mit diesem Namen siehe Retzow (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Retzow
Retzow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Retzow hervorgehoben
Koordinaten: 52° 37′ N, 12° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Havelland
Amt: Friesack
Höhe: 35 m ü. NHN
Fläche: 14,83 km²
Einwohner: 518 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 35 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14641
Vorwahl: 033237
Kfz-Kennzeichen: HVL, NAU, RN
Gemeindeschlüssel: 12 0 63 256
Adresse der Amtsverwaltung: Marktstraße 22
14662 Friesack
Webpräsenz: www.amt-friesack.de
Bürgermeister: Heinrich Stumpp (Ländliche Wählergemeinschaft)
Lage der Gemeinde Retzow im Landkreis Havelland
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Über dieses Bild

Retzow ist eine Gemeinde im Landkreis Havelland in Brandenburg (Deutschland). Sie gehört dem Amt Friesack mit Sitz in der Stadt Friesack an.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Retzow, im Jahre 1289 noch Vresowa geschrieben, wird slawischem Ursprung zugeordnet.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Retzow liegt etwa 13 Kilometer westlich von Nauen und 23 Kilometer östlich von Rathenow im Havelländischen Luch und am Nordrand der Ribbecker Heide.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste nachweisliche schriftliche Erwähnung von Retzow stammt vom 17. Februar 1269[2] als Rizzowe[2][3]. Bei Moritz Wilhelm Heffter 1840[4] wird die Erwähnung Rizzowe dem »Dorfe Riez«[4] zugeordnet, was jedoch andere Werke widerlegen[3][5]. Bei der bei Heffter erwähnten Urkunde (Copiar. antiq. p. 35 sq.)[4] handelt es sich jedoch um die Urkunde, welche dem Domstiftsarchiv Brandenburg in zwei verschiedenen Ausführungen vorliegt. Die erste Urkunde vom 17. Februar 1269 findet man im Codex diplomaticus Brandenburgensis – Teil 1, Band 8[2] und die zweite Ausführung (U. 653)[3] enthält neben der Erwähnung der Pfarre des Dorfes Retzow (Rizzowe)[3] noch die Erwähnung der Filiale Pessin[3] und Selbelang (Selewelanc)[3].

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 537
1890 540
1910 562
1925 642
1933 573
1939 503
1946 1000
1950 966
1964 696
1971 675
Jahr Einwohner
1981 554
1985 573
1989 569
1990 563
1991 584
1992 569
1993 577
1994 582
1995 588
1996 603
Jahr Einwohner
1997 600
1998 587
1999 586
2000 586
2001 600
2002 606
2003 602
2004 591
2005 585
2006 580
Jahr Einwohner
2007 573
2008 571
2009 562
2010 568
2011 552
2012 527
2013 529
2014 518

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[6][7], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Retzow besteht aus 8 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[8]

  • Ländliche Wählergemeinschaft 8 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Stumpp (Ländliche Wählergemeinschaft) wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 93,7 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[9] gewählt.[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber ein schreitender, hersehender roter Luchs über einen schrägrechten, zweifach blau gepfropften roten Schildfuß.“

Das Wappen wurde 2014 vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet und nach Beschluss des Gemeinderates vom 6. März 2014 vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv am 15. April 2014 zustimmend begutachtet. Es knüpft mit seiner Symbolik an den Ortsnamen an. Aus der altpolabische Grundform Rys'ov leitet sich die Begrifflichkeit „Ort eines Rys“ oder „Ort, wo Luchse vorkommen“ ab. Wird ein Personenname angenommen, leitet sich der sich von rys = Luchs ab (vgl. altpolnischer Personenname Rys, alttschechisch Rys oder altrussischer Personenname Rysik). In den slawischen Sprachen ist dieser Wortstamm noch heute zu finden (Luchs = pысь/ru., Ryś/poln., pись/uk, Pис/bul.). Weiterhin haben die von „rys“ abgeleiteten Adjektive auch die Bedeutung sorbisch rysy = fuchsrot, tschechisch rysý = rötlich. *) Aus dieser Herleitung erklärt sich das Wappen von Retzow mit dem Symbol eines Luchses, der in Rot auf silbernem Schild geführt wird - neben der namensgeschichtlichen Übereinstimmung zugleich traditionelle brandenburgische Farben.

Eine Besonderheit ist die Geografie der Gemeinde, die sich durch eine kontinuierliche Steigung/Gefälle (über 8 Meter) auszeichnet; zudem besitzt der Ort zwei Teiche, die Zufluss und Abfluss haben. Aus diesem Grund wurde der Schildfuß rechtsgeschrägt und zweifach blau gepfropft. Die sogenannten Pfropfungen stehen symbolisch für die beiden Teiche von Retzow.[11]

Die Farben der Gemeinde sind: Rot-Weiß

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge ist zweistreifig in den Farben Rot-Weiß mit dem in der Mitte aufgelegten Wappen.[12]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Retzow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

  • Spätgotische Kirche, ein um 1500 in zwei Abschnitten entstandener Backsteinbau
  • Bredowsches Gutshaus, im Landhausstil erbaut
Gutshaus derer von Bredow
Blick auf Retzow

Das heutige „herrschaftliche Wohnhaus“ wurde 1870 als Neubau anstelle des Vorgängerhauses vom Landrat des Landkreises Westhavelland genehmigt.

Das Herrenhaus wurde in der Tradition des spätklassizistischen Baustils als schlichter zweigeschossiger Putzbau mit Satteldach errichtet.

Im Zeitraum von 1900 bis 1909 ließ der damalige Besitzer Ernst von Bredow (1865–1909) das Haus an der Straßenfront in Stilformen des Historismus mit neobarocken Elementen erweitern. Die Mitte der Fassade erhielt einen turmartigen Vorbau mit genutetem Sockel, der sich über zwei Geschosse erstreckte und seinen krönenden Abschluss in einem überdimensionierten Helm mit Laterne fand.

In den Folgejahren verwandelte sich das Herrenhaus erneut und zwar in seiner baulichen Struktur und seiner Nutzung. So wurde der turmartige Vorbau mit seinem Dachaufbau entfernt und erhielt somit annähernd seine Ursprungsform aus dem Jahre 1870 zurück. Seine Nutzung änderte sich vom Wohn- zum Schulhaus, heute schläft es einen Dornröschenschlaf und wartet auf seine Weiternutzung.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet verläuft die Landesstraße 99 zwischen der Bundesstraße 5 und Brandenburg an der Havel.

Vom 20. September 1901 bis zum 1. April 1961 war Retzow ein Haltepunkt an der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Retzow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. a b c Codex diplomaticus Brandenburgensis – Teil 1, Band 8 Seite 168/169 von 1847
  3. a b c d e f Wolfgang Schößler: Regesten der Urkunden und Aufzeichnungen im Domstiftsarchiv Brandenburg, Teil 1: 948 – 1487, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-8305-0189-7
  4. a b c Moritz W. Heffter: Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten, Verlag von Ferdinand Riegel, Potsdam 1840, Seite 197
  5. Lieselott Enders, Historisches Ortslexikon für Brandenburg, T. 3: Havelland. Weimar 1972 - Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Band 11
  6. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Havelland. S. 22–25
  7. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  8. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  9. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  10. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  11. Jörg Mantzsch: Das Wappen der Gemeinde Retzow, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, Hinterlegt beim Amt Friesack 2014 (Gutachten: Brandenburgisches Landeshauptarchiv)
  12. Jörg Mantzsch: Die Flagge der Gemeinde Retzow, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, Hinterlegt beim Amt Friesack 2014 (Gutachten: Brandenburgisches Landeshauptarchiv)