Revers (Fotografie)

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Revers einer Photographie im Kabinettformat mit Auszeichnungen (Medaillen), Wappen von regierenden Häuser (Hof-Photograph) und Geschäftsadressen von Jean Baptiste Feilner, um 1895
Revers mit Putten, Wilhelm Halffter, um 1860
Bild mit Gebäudefassade und Pferdestraßenbahn, unten Geschäftsadressen, um 1890
Revers des Photographen Hans Pohl in Bozen, nach 1898
Kabinettformat, Atelier Albert Meyer, Hannover, um 1905: Abbildung von Medaillen (Vorder- und Rückseite) und Wappen, rechts Name mit Titel „Hof-Photograph“

In der Fotografie bezeichnet man mit Revers die Rückseite des Kartons, auf die die fertige Fotografie geklebt wurde. Umgangssprachlich findet das Wort kaum noch Anwendung. Avers ist das entsprechende Wort für die Vorderseite.

Der Karton[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die sehr dünnen Fotopapiere (in der Regel Albuminpapier) belichtet und anschließend getrocknet waren, hatten sie die Neigung, sich einzurollen, was durch die Verwendung eines starken Kartons verhindert wurde. In der Literatur tauchen verschiedene Bezeichnungen für den Karton auf, unter anderem auch Untersatzkarton, Photographiekarte und Pappträger.

Gebräuchliche Formate des Kartons[1]

(Alle Maße in mm. Es handelt sich um rechnerisch ermittelte Durchschnittsgrößen.)

Bezeichnung Maße von bis[2]
Stereoskop 88 × 178 1853 1910
Carte de Visite/Visit 65 × 105 1857 1925
Kabinett 108 × 166 1867 1915
Oblong/Promenade 105 × 210 1875 1910
Boudoir 135 × 220 1875 1910

Gestaltung des Revers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besitzer von fotografischen Ateliers und die Hersteller der Kartons schenkten der Rückseite der Fotografien erst zu der Zeit ihre Aufmerksamkeit, als um 1860 Fotografien im Format der Carte de Visite (CdV) beim Publikum eine größere Beliebtheit erlangt hatten.

Zunächst wurden die Rückseiten mit dem Namen des Fotografen/Ateliers und der Anschrift bedruckt, gestempelt oder in Form eines Etiketts beklebt. Gegebenenfalls wurde der Standort genauer beschrieben, wie „Atelier im Garten“ oder „Atelier im Garten von Carl Schultze’s Theater“, „Carl Schultze’s Theater gegenüber“ etc. Da die Fotografen bei ihren Tätigkeiten zu dieser Zeit noch auf das natürliche Tageslicht angewiesen waren, konnte der Hinweis „Aufnahme bei jeder Witterung“ zweifelnde Kunden anlocken.

Als Hinweis auf besonderes Können und ein weiteres Angebot des Ateliers gaben manche als Beruf nicht nur „Photograph“ an, sondern zusätzlich „Porträtmaler“. Sehr begehrt waren Ateliers mit dem verkaufsfördernden Prädikat „Hof-Photograph(in)“ und einer entsprechenden Abbildung des Wappens eines Herrscherhauses. Andere Fotografen ließen ihr Werkzeug wie Malpinsel und Palette oder fotografische Utensilien wie Plattenkamera und Objektive abbilden. Auf vielen Revers sind grafische Schmuckelemente zu sehen. Auch die Initialen des Atelierinhabers können die Rückseite zieren, entweder freistehend oder zum Beispiel innerhalb einer Rahmung.

Bei den Ausstellungen der Photographie 1865 in Berlin, 1868 in Hamburg und 1869 in Altona wurden die ersten Auszeichnungen und Medaillen vergeben. Nach einer Prämierung wurde nun die Medaille mit abgebildet, und zwar beide Seiten der Medaille, um die Zahl der Prämierungen größer erscheinen zu lassen. Die Mehrzahl der erfolgreichen Ateliers „pflasterte“ so im Laufe der Jahre die Rückseiten der Kartons mit Abbildungen von Medaillen. Diese Abbildungen eignen sich jedoch nur begrenzt als Nachweis für Erfolge eines Ateliers, da eine Medaille in der Regel dem jeweiligen Fotografen zuerkannt wurde.

Im Laufe der Jahre entwickelten sich die Darstellungen in großer Vielfalt. Die Rückseite mancher fotografischen Ateliers wurde von einer lithografischen Anstalt aufwendig ausgearbeitet und trat so mit der Vorderseite in einen Wettstreit. Der Münchner Franz Neumayer, der Fotograf E. Tietze in Bad Elster und Albert Meyer ließen zum Beispiel ihre Ateliers in Gänze darstellen. Auf einigen Revers ist auch der Name der lithografischen Anstalt angegeben.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lithographische Anstalten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Revers einer CdV von Wilhelm Höffert mit Adressen der Filialen, hergestellt von Haake & Albers

Die Lithografien auf den Revers wurden in der Regel durch überregional tätige Produzenten nach Auftrag erstellt. Hierzu gehörte etwa Albert Glock aus Karlsruhe, selbst Fotograf und Erfinder, der insbesondere Süddeutschland mit Fotoartikeln belieferte.[3]

Weitere Beispiele für lithografische Anstalten, die im Auftrag von fotografischen Ateliers Kartons herstellten und das Revers gestalteten:

  • Berliner Photographiekarten-Fabrik Block & Co, Berlin. Kunde: E. Bieber (Berlin)
  • Brandt[4] & Wilde, Berlin
  • Haake & Albers, Frankfurt. Kunde: Höffert (Dresden), siehe Bild rechts
  • Carl Ernst & Co., A.-G. (Photographie-Karten und Kartons), Berlin
  • Friedrich Hundt & Co, Hamburg. Kunden: E. Bieber (Hamburg), Benque & Kindermann (Hamburg)
  • Klindworths Hofdruckerei, Hannover. Kunde: Karl Wunder (Hannover)
  • Karl Krziwanek, Wien (Lithographische Anstalt). Kunden: E. Bieber (Hamburg), Heinrich Friedrich Plate (Hamburg), Benque & Kindermann (Hamburg); weitere Kunden in Galizien[3]
  • J. Knoevenagel (Lithographische Anstalt), Hannover. Kunden: Carl Thies (Hannover), Atelier Jürgens (Altona)
  • Carl Lange, Berlin
  • Alex Lindner, Berlin. Kunde: Ernst Küster (München)
  • Stolze & Stück (Fabrik von Rahmenleisten und Bilderrahmen), Hamburg. Kunden: Benque & Kindermann (Hamburg), Carl Thies (Hannover)
  • Ulbricht & Kaders, Dresden.[5] Kunde: E. Tietze (Bad Elster)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Hoerner: Das photographische Gewerbe in Deutschland 1839–1914. GFW-Verlag, Düsseldorf 1989, ISBN 3-87258-000-0.
  • Untersatzkarton (Standardformate, Stereo- und Sammelbilder, Knipser, Hersteller, Verzierungen, Schrift). In: Timm Starl (Hrsg.): Fotogeschichte, Jonas Verlag, 2006, Heft 99, Jg. 26, S. 17 ff.
  • Josef Maria Eder (Hrsg.): Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1889, Wilhelm Knapp, Halle/S., 1889.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1889, S. 74.
  2. Timm Starl (Hrsg.): Fotogeschichte, S. 12.
  3. a b „Lexikon der Fotografen“ Private Website von Danuta Thiel-Melerski
  4. Eduard Brandt, Fabrik photographischer Präparate (Quelle: N.N.: Wiener Weltausstellung, Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches, Berlin 1873, S. 440).
  5. Pappträgeranfertiger und Fabrik für photographische Papiere. Die Namensgeber waren Carl Ulbricht und Emil Kaders.