Rezzo Schlauch

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Rezzo Schlauch (* 4. Oktober 1947 in Gerabronn) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen) und Rechtsanwalt. Er war von 1998 bis 2002 Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und von 2002 bis 2005 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit.

Jugend, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Rezzo Schlauch wuchs im hohenlohischen Bächlingen auf. Sein Vater Rudolf Schlauch (1909–1971) war dort Pfarrer und wurde als Historiker, Volkskundler und Autor heimatkundlicher Schriften bekannt. Seine Mutter war Ingaruth Schlauch. Rezzo Schlauch wurde nach dem Ritter Rezzo von Bächlingen aus dem 13. Jahrhundert benannt, der in der Bächlinger Kirche begraben ist.[1][2] Schlauch besuchte von 1954 bis 1958 die Grundschule in Bächlingen und anschließend bis zum Abitur das Gymnasium in Künzelsau.

Nach dem Abitur 1966 begann Schlauch ein Studium der Rechtswissenschaft in Freiburg im Breisgau und Heidelberg, welches er 1972 mit dem ersten und 1975 in Berlin mit dem zweiten juristischen Staatsexamen abschloss. Er ist seitdem selbständiger Rechtsanwalt. Während seiner Studienzeit war er Mitglied der Burschenschaft Saxo-Silesia Freiburg, aus der er später austrat.[3]

Politische Tätigkeit[Bearbeiten]

Schlauch ist seit 1980 Mitglied in der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Von 1982 bis 1984 war er Beisitzer im Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg. Von 1984 bis zu seiner Wahl in den Deutschen Bundestag 1994 war er Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg. Hier war er von 1990 bis 1992 Vorsitzender der Landtagsfraktion der Grünen. 1994 wurde Schlauch Mitglied des Bundestages. Von 1998 bis 2002 war er gemeinsam mit Kerstin Müller Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

1996 unterlag er mit 39,3 % der Stimmen bei den Wahlen zum Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart im zweiten Wahlgang gegen Wolfgang Schuster (CDU), der 43,1 % der Stimmen bekam, nur knapp.[4] Bereits sechs Jahre zuvor hatte er gegen Manfred Rommel in Stuttgart 20,7 % und 1982 bei der Oberbürgermeisterwahl in Crailsheim 12 % der Stimmen erzielt.

Im August 2002 kam Schlauch negativ in die Presse, als bekannt wurde, dass er dienstlich erworbene Flugmeilen für einen Urlaub genutzt hatte. Für das gleiche Vergehen hatte er davor Cem Özdemir gescholten. Er versuchte vergeblich, die Affäre zu vertuschen, und musste von der Parteiführung und den Medien Kritik einstecken.[5]

Im Oktober 2002 wurde Schlauch zum Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit Wolfgang Clement ernannt. Er war außerdem Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung.

Rückzug aus der Politik und Wechsel in die Wirtschaft[Bearbeiten]

Bei den Bundestagswahlen 2005 trat Schlauch nicht wieder an, sondern nahm seine Tätigkeit als Anwalt wieder auf. Seit Dezember 2005 kooperiert Schlauch mit der Münchener Kanzlei Mayer & Kambli.[6] Zudem wurde er Mitglied im Beirat der Energie Baden-Württemberg (EnBW),[7] einem der größten Energieversorgungsunternehmen und Kernkraftwerksbetreiber Deutschlands. Weiterhin war Schlauch von 2006 bis 2008 Aufsichtsratsvorsitzender bei der Leipziger sprd.net AG, der Betreiberin von Spreadshirt. Seit Januar 2008 ist er nur noch einfaches Aufsichtsratsmitglied.[8] Im September 2011 berichtete das Handelsblatt, dass Schlauch zwischen 2008 und 2009 vergeblich versuchte, Milliardengeschäfte mit dem Stromanbieter Teldafax zu tätigen. Dabei ging es um den Handel mit Schweröl, Flüssiggas und südafrikanischem Zement.[9] Zudem sitzt Rezzo Schlauch im Aufsichtsrat der MDH AG, einem Anbieter von chinesischen Zahnersatzprodukten. [10]

Ab Herbst 2014 wird Schlauch als Rektor der Media Akademie – Hochschule Stuttgart, einer neuen Hochschule für Animation-, Game- und Industrial-Design in Stuttgart vorstehen.[11]

Privates[Bearbeiten]

Schlauch lebt seit 1999 mit der albanischen Schauspielerin Ema Ndoja zusammen. Das Paar heiratete am 30. Dezember 2003 in Las Vegas.[12]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

2006 erhielt Schlauch die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikinews: Rezzo Schlauch – in den Nachrichten

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Pascal Beucker: Der Seelenfänger. Ein Porträt des Grünen Rezzo Schlauch. konkret Heft 9/99.
  2. Evangelische Kirche in Hohenlohe: Bächlingen - ein Pfarrdorf an der Jagst
  3. Interview mit Rezzo Schlauch aus dem Freiburger Uni-Magazin Uni Freiburg, April 1998.
  4. Markus Hoecker: Die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart 1996. Parteipolitik und Wahlkampfstrategie: die kommunale Persönlichkeitswahl im Spannungsfeld der modernen Parteiendemokratie. Eine Einzelfallstudie. Dissertation. Stuttgart 2005. Digitalisat - abgerufen am 25. Oktober 2009 (PDF; 662 kB)
  5. Joschka Fischer ist bitter enttäuscht von Rezzo Schlauch Berliner Morgenpost.de, 4. August 2002.
  6. Neuer Job: Rezzos schwarz-grüne Kanzleikarriere Spiegel Online, 16. Dezember 2005.
  7. Grüne Konsequenz: AKW-Gegner Schlauch berät Energiekonzern Spiegel Online, 14. März 2006.
  8. Spreadshirt mit neuem Aufsichtsrat - Gründer Gadowski übernimmt Vorsitz Pressemitteilung der sprd.net AG, 19. Februar 2008.
  9. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/rezzo-schlauch-plante-milliardendeals-mit-teldafax/4652446.html
  10. http://www.zahnersatzsparen.de/mdh-ag/mdh-ag-mamisch-dental-health/mitarbeiter.html
  11. Rezzo Schlauch wird Rektor, Stuttgarter Zeitung, 5. April 2014
  12. Spiegel: Schlauch und Scheel: Doppelhochzeit bei den Grünen, 30. Dezember 2003.