Rhapsody (Betriebssystem)

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Rhapsody
Basisdaten
Entwickler Apple Computer, Inc.
Aktuelle Version 1.0, intern 5.2
(Mai 1998)
Abstammung BSD
↳ NeXTSTEP/OPENSTEP
↳ Rhapsody
Architekturen IA-32 (x86) und PowerPC
Lizenz APSL und Apple-EULA
Sonstiges wurde zu Mac OS X Server;
kompatibel zu Mac OS
Website http://www.rhapsodyos.org

Rhapsody [ˈɹæpsədɪ] war der Projekt- bzw. Codename von Apples damals neuer Betriebssystem­generation, die Mac OS („Classic“) nachfolgen sollte, auf Basis von OPENSTEP (NeXTSTEP ab Version 4) während der Entwicklungsphase zwischen der Übernahme der Firma NeXT Ende 1996 und der öffentlichen Ankündigung von Mac OS X im Jahre 1998, mittlerweile OS X, zu dem es letztlich wurde.

Nach Copland und Pink (später Taligent) war es bereits Apples dritter Versuch das Mac OS, das als technisch veraltet galt, zu ersetzen.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Nach der Rückkehr von Steve Jobs 1996 zu Apple, das er 1985 im Streit verlassen hatte, wurde das von NeXT stammende moderne Unix-Betriebssystem OPENSTEP 4.2 im Projekt Rhapsody in ein Nachfolgebetriebssystem für das veraltete System 7 weiterentwickelt. Die ursprünglichen Pläne sahen vor, die aus NeXTStep 3.3 und NEXTSTEP/OPENSTEP 4.2 stammende Programmierschnittstelle (API) als Yellow Box zu verwenden, die es auch für Windows und Solaris gab. Im Mai 1997 kündigte Apple auf der Worldwide Developers Conference in den USA an, dass sich Software, die unter Rhapsody programmiert werde, problemlos für Windows und weitere Betriebssysteme kompilieren lasse, wenn das zugrundeliegende OPENSTEP-kompatible Framework Yellow Box in der Windows-Version installiert sei. Diese Art der Kompatibilität wird als “source code”-kompatibel bezeichnet. Da NEXTSTEP 4 nur für die Intel-i486-Plattform verfügbar war, musste Rhapsody auf die von Apple verwendete PowerPC-Architektur portiert werden, auf der jedoch die Performance Schwierigkeiten bereitete, und blieb auch auf Intel-i486-PCs lauffähig. Die relativ leichte Portierbarkeit war dem Mikrokernel Mach zu verdanken, der bereits für die in früheren NeXTStep-Versionen genutzten Architekturen Motorola 680x0, Intel-x86 sowie Sun SPARC und HP PA-RISC verfügbar gewesen war. Von der Rhapsody Developer Release 1997 gab es daher drei Installationsmedien: für Power Macintosh, für den Intel-PC und das Yellow-Box-Framework für Microsoft Windows. Zusätzlich setzte das neue Betriebssystem voll auf Java.

Um Kompatibilität für das zu ersetzende Macintosh-Betriebssystem, das ab Version 7.6 in Mac OS umbenannt wurde, zu erreichen, wurde mit Blue Box eine virtuelle Maschine in Rhapsody eingebaut, sodass auf einem virtualisierten Mac OS 8 alte Macintosh-Software auf Rhapsody für Power Macintosh ausgeführt werden konnte. Auf der Intel-Version war die Blue Box nicht lauffähig. Für neue Programme sollten vor allem die NeXTStep-Bibliotheken, die Yellow Box, zum Einsatz kommen.

Das moderne Design von Rhapsody hing jedoch gänzlich vom Yellow-Box-Framework ab und Programme hätten dementsprechend mehr oder minder aufwändig portiert werden müssen. Software-Lieferanten wie Microsoft, Adobe und Macromedia, die mit ihren Anwendungen für das Macintosh-Ökosystem unverzichtbar waren, zeigten sich nach der WWDC 1997 jedoch nicht bereit diesen Aufwand auf sich zu nehmen. Parallel dazu wurde intern daran gearbeitet, die Blue Box noch besser in Rhapsody zu integrieren. Bald war jedoch klar, dass es nicht möglich war, die veraltete Programmierschnittstelle von Mac OS 7.6 in Rhapsody zu integrieren ohne dabei auf die Vorzüge eines modernen Designs mit präemptiven Multitasking und Speicherschutz, welches nur die Yellow Box bot, verzichten zu müssen. Auf der WacWorld am 8. Juli 1998 in New York wurde schließlich verkündet, dass Rhapsody als Mac OS X Server 1.0 1999 auf den Markt kommen werde – ohne Intel-Plattform und ohne Windows-Framework. Steve Jobs selbst bezeichnete das Rhapsody-Experiment als gescheitert.

Um doch noch einen sanften Übergang von Mac OS zu Mac OS X zu ermöglichen wurde daher notgedrungen ein neues Framework geschaffen: Carbon. Dieses bestand im Wesentlichen aus den Programmierschnittstellen von Mac OS 7 und 8, die historisch bereits mit dem ersten System des Macintosh von 1984 eingeführt wurden, abzüglich jener Funktionen, die modernem Design wie Speicherschutz und Multitasking im Weg standen. Das Carbon-Framework wurde dann sowohl unter Mac OS 8 und 9 als auch unter Mac OS X eingeführt. Die Software-Lieferanten mussten nun nur noch geringe Anpassungen an bestehenden Programmen vornehmen, damit diese sowohl auf Mac OS (mit CarbonLib) als auch auf Mac OS X nativ ausgeführt werden konnten.

Für neue Programme wurde jedoch weitgehend das von NeXTStep übernommene Framework Yellow Box genutzt, das in Cocoa umbenannt wurde.

Aussehen[Bearbeiten]

Die grafische Oberfläche von OPENSTEP wurde bei Rhapsody an Mac OS 8 angepasst. Der „Programmleistenblock“ mit „Info“, „Datei“, „Bearbeiten“ etc. von OPENSTEP wurde dabei an den oberen Bildschirmrand in eine Leiste verschoben, wie eben schon bei Mac OS 8. Auch das Design-Thema wurde auf Mac OS getrimmt und eine Programmumschaltliste (oben rechts in der Systemleiste, wie bei Mac OS) hinzugefügt.

Technisches Design[Bearbeiten]

Basierend auf dem Systemkern Mach und dem Unix-Derivat 4.4BSD-lite entwickelte Apple Darwin. Weitere Bestandteile des Systems waren Yellow Box (aus der die Cocoa-API hervorging) mit den objektorientierten Frameworks von OPENSTEP, die Blue Box (später bekannt als Classic-Umgebung), um Anwendungen für Mac OS laufen zu lassen (nur in der PowerPC-Version) und eine Java-Umgebung. Carbon vom späteren Mac OS X zur einfachen Portierung von Mac OS-Anwendungen war dagegen noch nicht enthalten. Außerdem wurden viele Apple-eigene Technologien wie QuickTime portiert.

Versionsgeschichte[Bearbeiten]

Da es direkt aus OPENSTEP Version 4.2 entwickelt wurde, startet Rhapsody mit Versionsnummer 5.0. OPENSTEP, bis Version 3.3 noch unter dem Produktnamen NeXTStep, gab es ab Version 4.0, neben der ursprünglichen Motorola-68k-Architektur der NeXT-Hardware, deren Produktion jedoch bereits 1993 eingestellt werden musste, nur für die Intel-x86- und die SPARC-Architektur. Daher musste das Betriebssystem auf die von Apple verwendete PowerPC-Architektur portiert werden, wobei die Intel-Version zunächst weitergeführt wurde. Nach der Aufgabe von Rhapsody als gescheitertes Projekt entstand daraus schließlich Mac OS X, welches nur mehr auf PowerPC veröffentlicht wurde, da Apple nun kein weiteres Interesse daran hatte, das Betriebssystem auch für Nicht-Apple-Computer zu vermarkten. Während sich Mac OS X Server intern noch als Rhapsody ausweist, wurde jeder Hinweis darauf mit Erscheinen der Mac OS X Public Beta (und zuvor der an Entwickler abgegebenen Developer Previews) entfernt.

Produkt Rhapsody Erscheinungsdatum Architekturen,
Prozessoren
Kommentar
Name Version Version Codename[1]
Rhapsody Developer Release Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.0 Grail1Z4 1997 Intel i486[2][3]
PowerPC 603 (G2)[2]
nur an Entwickler abgegeben; es gibt einen Patch zur Unterstützung des PowerPC G3[2]
Developer Release 2 Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.1 Titan1U Mai 1998 Intel Pentium MMX[4]
PowerPC 603 (G2)[2]
nur an Entwickler abgegeben; es gibt einen Patch zur Unterstützung des PowerPC G3[2]; erste Version von Blue Box[5][6]
1.0 Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.2 Intel, PowerPC unveröffentlicht
Mac OS X Server 1.0 Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.3 Hera1O9 16. März 1999 PowerPC 603 (G2)
PowerPC 750 (G3)[2]
Intel-Version fallen gelassen, mit Unterstützung für den Power Macintosh G3 (Macs mit PowerPC-G3-Prozessoren)
1.0.1 Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.4 Loki1A2 15. April 1999 das Betriebssystem selbst gibt sich irrtümlich als “Hera1O9” (Codename) aus[1]
1.0.2 Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.5 Loki2G1 29. Juli 1999 das Betriebssystem gibt sich als “Hera1O9+Loki2G1” (Codename) aus[1]
1.2 Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.6 Pele1Q10 14. Januar 2000 PowerPC 603 (G2)
PowerPC 750 (G3)
PowerPC 7400 (G4)[2]
Unterstützung für Power Mac G4 (Macs mit PowerPC-G4-Prozessoren)
1.2 v3 Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.6 Medusa1E3 27. Oktober 2000
Legende:
Alte Version
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Shaw’s Rhapsody Resource Page, Rhapsody Media (englisch), abgerufen am 28. November 2015
  2. a b c d e f g Shaw’s Rhapsody Resource Page, System Requirements for Rhapsody (englisch), abgerufen am 10. Jänner 2016
  3. NEXTSTEP/OPENSTEP for Mach Release 4.x for Intel Processors, Hardware Compatibility Guide (englisch), 24. Juli 1998, abgerufen am 10. Jänner 2016
  4. Shaw’s Rhapsody Resource Page, Rhapsody 5.1 for PC Compatibles (englisch), abgerufen am 10. Jänner 2016
  5. NeXTeZine 01/2003: The Rhapsody FAQ (englisch; Seite 25ff, PDF-Seite 28ff), David R. Shaw (PDF, 989K); NeXTeZine von Markus Schmidt und Joacim Melin
  6. Aus NeXTeZine 01/2003, Seite 31 (PDF-Seite 34): Will existing 68K and PowerPC applications run on Rhapsody? In Rhapsody 5.0, no. This version didn’t come with Blue Box. Rhapsody 5.1 and later versions for PowerPC had Blue Box, but the Intel versions did not.