Rhea (Mythologie)

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Abbildung der Rhea aus Meyers Konversations-Lexikon von 1888

Rhea (griechisch Ῥέα) oder Rheia Ῥεία) ist eine Gestalt aus der griechischen Mythologie und eine der Titaninnen. Ihr Name bedeutet vermutlich „fließen“ oder „erleichtern“. So war sie auch Göttin der Behaglichkeit, der Fruchtbarkeit, der Mutterschaft und Grund der Empfängnis. Von der Bedeutung ihres Namens abgeleitet sind die Begriffe Menstruation und Muttermilch.

Vorfahren und Nachkommen[Bearbeiten]

Rhea ist die Tochter der Gaia und des Uranos sowie die Gemahlin ihres Bruders Kronos, mit dem sie gemeinsam den ewigen Fluss der Zeit und der Generationen bestimmt. Nach einer Prophezeiung wurde vorhergesagt, dass Kronos dereinst durch eines seiner Kinder abgesetzt werde. Aus diesem Grunde verschlang er alle Kinder, die Rhea ihm gebar. Als Rhea wiederum schwanger war, versuchte sie Zeus, ihren neugeborenen Sohn vor Kronos zu verbergen. Sie versteckte ihn in einer Höhle auf Kreta und ließ ihn von den Kureten bewachen. Da Kronos von der Geburt wusste, präsentierte sie ihm statt des Kindes einen in Windeln gewickelten Stein, den dieser sofort gierig verschlang.[1]

Gemeinsam mit Kronos zeugte sie zuvor die Gottheiten Hestia, Demeter, Hera, Hades und Poseidon, die alle von ihrem Vater verschlungen wurden. Als Zeus herangewachsen war, stürzte er seinen Vater Kronos und wurde selbst zum Herrscher des nächsten Göttergeschlechtes.

Gaia stellt in der Mythologie die Große Erdmutter, die Urmutter aller Götter, dar. Sowohl Gaia als auch Rhea sowie deren Tochter Hera schenken Söhnen das Leben, die ihre Väter entmachten oder zumindest einen Versuch unternehmen, sie zu stürzen.[2]. Bei den Römern wurde die Gottheit als Kybele bezeichnet. Rhea wird daher manchmal mit dieser oder mit Demeter gleichgesetzt, quasi wie eine Reinkarnation der personifizierten Muttergöttin oder der Erde, da Rhea wiederum als Mutter der Götter und Menschen gilt.[3]

Rhea-Mythen[Bearbeiten]

Es spricht einiges dafür, dass es sich um immer dieselbe Göttin in anderer Gestalt handelt oder dasselbe Ritual mit Personen in gleichen Funktionen. Insofern können Gaia, Rhea und Demeter/Hera als Vertreterinnen und Verkörperungen der Großen Göttin angesehen werden und die scheinbaren Inzeste und Bluttaten als Andeutungen matriarchalischer Rituale. Für diese These spricht auch, dass Rhea – wie die Große Göttin/Erdmutter in anderen Mythologien auch – in einer dreifachen Gestalt auftritt, bzw. vertreten wird: als Amaltheia, der Amme des Zeus, als Io, seiner Geliebten, und als der Rachegöttin Adrasteia, auch Nemesis genannt.[4]

Den Orphikern zufolge soll Rhea mit ihrem Gatten Kronos auf der Insel der Seligen herrschen, wo das Goldene Zeitalter anhält.

Der Analytischen Psychologie in der Tradition Carl Gustav Jungs gilt Rheia als besonders deutliche Ausprägung des sog. Mutterarchetyps.

Nach der Göttin sind der Mond Rhea des Saturn und der paläozoische Rhea-Ozean benannt.[5]

Rhea in den bildenden Künsten[Bearbeiten]

Rhea reitet auf dem Löwen (Pergamonaltar).

Rhea wird meist mit anderen Göttern kombiniert, wie mit Demeter. Oft ist sie als Göttermutter dargestellt, dann meist sitzend auf einem Omphalos. Einige Darstellungen beschäftigen sich auch mit der Gigantomachie; hier findet man Rhea auf Seiten der Götter.

Stammbaum der Titanen[Bearbeiten]

Chaos ------> Gaia ------> Uranos
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Göttergeschlecht der Titanen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Okeanos
 
 
Kreios
 
 
Hyperion
 
 
Theia
 
 
Themis
 
 
Phoibe
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kronos
 
Koios
 
Iapetos
 
Rhea
 
Mnemosyne
 
Tethys
 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
Rhea
 
 
 
Kronos
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hestia
 
Hades
 
Poseidon
 
Demeter
 
 
Zeus
 
Hera
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Athena
 
Apollon
 
Artemis
 
Hermes
 
Dionysos
 
Hephaistos
 
Ares
 
Aphrodite


Literatur[Bearbeiten]

  • F.A. Brockhaus Verlag Leipzig. (Hrsg.): Conversations-Lexicon, oder, Encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. F.A. Brockhaus, Leipzig 1814–1819, OCLC 39355456, S. 102. (online)
  • David Adams Leeming, Jake Page: Goddess. Myths of the female divine. Oxford University Press, New York 1994, ISBN 0-1950-8639-2. (englisch)
  • Heide Göttner-Abendroth: Inanna, Gilgamesch, Isis, Rhea : die großen Göttinnenmythen Sumers, Ägyptens und Griechenlands. Helmer, Königstein/Ts 2004, ISBN 3-897-41158-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rhea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rhea auf theoi.com, abgerufen am 27. Februar 2014.
  2. Göttermutter Rhea auf mauler.info, abgerufen am 27. Februar 2014
  3. Parentage of Rhea oder Hymns of Rhea auf theoi.com, abgerufen am 27. Februar 2014.
  4. Rhea & the birth of her children auf theoi.com, abgerufen am 27. Februar 2014.
  5. Ein Ozean zwischen Hamburg und München auf mineralogisches-museum.uni-wuerzburg.de, abgerufen am 27. Februar 2014. (PDF)