Rheinbrücke Karls des Großen

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Koordinaten: 50° 0′ 22″ N, 8° 16′ 39″ O

karolingische Rheinbrücke
Überführt Verbindung MainzMainz-Kastel
Querung von Rhein
Ort Mainz (Deutschland)
Konstruktion Hölzerne Brücke mit Steinpfeilern
Gesamtlänge ~750 m
Baubeginn 803
Fertigstellung 813
Bauzeit 10 Jahre
Zustand Zerstört
Schließung 813
Lage
Rheinbrücke Karls des Großen (Rheinland-Pfalz)
Rheinbrücke Karls des Großen
Mainz in römischer und fränkischer Zeit
Karte roemisch-fraenkisches mainz.png
Die Brücke verband das am linken Rheinufer liegende Mainz mit Kastel und der Elisabethenstraße Richtung Wetterau
p1

Die Rheinbrücke Karls des Großen war eine hölzerne Brücke über den Rhein zwischen Mainz und Kastel, die in der Regierungszeit Karls des Großen auf den Fundamenten der ehemaligen Römerbrücke errichtet wurde. Diese einzige größere Rheinbrücke des Frühmittelalters brannte schon kurz nach ihrer Fertigstellung ab. Der Bau ist schriftlich überliefert, es sind aber keine eindeutigen archäologischen Befunde vorhanden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im 1. Jh. n. Chr. errichteten die Römer bei Mainz eine feste Rheinbrücke, die sogenannte Römerbrücke. Diese Holzbrücke auf Steinpfeilern bestand bis ins 5. Jh. Die Pfeilerreste im Fluss blieben teilweise bis in das 19. Jh. erhalten und dienten als Ankerpunkte für die Schiffsmühlen im Rhein. Vom Rheinübergang führte die Elisabethenstraße als schnurgerade geplante Römerstraße Richtung Nida, dem späteren Heddernheim und von dort weiter Richtung Wetterau. Außerdem hatte sie Anschluss an die Antsanvia, eine Altstraße nach Thüringen. Das Bistum Mainz erstreckte sich ostwärts bis nach Thüringen, außerdem war Mainz seit Bonifatius und dessen Nachfolger Lullus Metropolitansitz einer Kirchenprovinz, die zu Karls Zeiten u. a. die Bistümer Halberstadt, Würzburg und Eichstätt umfasste. Eine Verkehrsanbindung nach Osten war für Mainz von großer Bedeutung und ein Brückenschlag aufgrund der vorhandenen römischen Reste einfacher durchzuführen.

Karolingischer Brückenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da große Brückenbauten im frühen Mittelalter sonst nicht unternommen wurden, wird die Besonderheit des Baus der Rheinbrücke schon bei Karls Zeitgenossen besonders herausgestellt und in verschiedenen Quellen erwähnt, darunter den Reichsannalen sowie den Annalis qui Einhardi dicuntur.[1]

Zudem weist Johann Friedrich Böhmer in seiner Zusammenstellung der Regesta Imperii auch auf Nennungen der Brücke in Einhards Vita Karoli Magni sowie in den Annales de gestis Caroli Magni imperatoris des Poeta Saxo und in den Gesta Karoli Magni Notkers hin.[2]

Einhard listet den Bau der Rheinbrücke bei Mainz neben dem Bau der Aachener Pfalzkapelle und der Ingelheimer Kaiserpfalz; er beschreibt sie als fünfhundert Doppelschritt lange hölzerne Brücke, deren Errichtung zehn Jahre schwerster Arbeit in Anspruch genommen habe und die sehr geschickt gebaut worden wäre.[3] Als Aufseher über die königlichen Bauten leitete Einhard wohl selbst den Aufbau der Brücke.[4] Wegen seiner Fähigkeiten als Baumeister erhielt Einhard am Hof Karls den Beinamen Beseleel.[1][5]

Die Brücke brannte 813, noch zu Karls Lebzeiten, ab.[6] Bezugnehmend auf die Schilderungen Notkers hatten angeblich Fährleute in Sorge um ihre Existenz die Brücke in Brand gesetzt.[7] Karl habe in Erwägung gezogen, die Brücke statt in Holz in Stein neu zu errichten.[2] Karl starb bereits 814, im Jahr nach der Zerstörung der Brücke.

Die zeitgenössischen Quellen benennen Karl den Großen als Bauherren, dem die Brücke im Allgemeinen zugeschrieben wird. Auf die Beteiligung Einhards wird gelegentlich hingewiesen.[1]

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man nimmt an, dass für Karls Brückenbau die römischen Steinpfeiler wiederverwendet wurden.[8][9] Reste von Fundamenten am Westufer im Bereich des Sautanz fand man in den Jahren 1736 und 1740; diese lagen in Verlängerung der Reste der römischen Brücke und wurden als karolingisch interpretiert.[10] Die Bautechnik der karolingische Brücke war vermutlich ähnlich der ursprünglich vorhandenen römischen. Die eigentliche Brückenplattform wurde auf den vorhandenen Pfeilern mit Holzbalken ausgeführt.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der karolingische Brückenbau in Mainz ist nicht nur als einziger großer frühmittelalterlicher Brückenbau erwähnenswert, sondern insbesondere auch, weil zwischen Basel und den Niederlanden für mehrere Jahrhunderte kein Brückenbau über den Rhein mehr unternommen wurde. Im Jahr 1263 wurde die stehende Rheinbrücke Breisach erwähnt, eine feste Holzbrücke. Anscheinend war sie bereits 1212 vorhanden. Und ab 1388 stand bei Straßburg die Lange Bruck zur Verfügung, eine hölzerne Jochbrücke. Die erste „feste“ Brücke der Neuzeit am Rhein stromabwärts von Basel war die 1855 begonnene Kölner Dombrücke, eine Gitterträgerbrücke auf steinernen Pfeilern, die ab 1859 in Nutzung war.

In Mainz selbst gab es 1632 bis 1635 und ab 1661 eine Schiffsbrücke. Erst ab 1860 wurde in Mainz wieder eine feste Brücke errichtet: die Mainzer Südbrücke, eine Pauliträgerbrücke auf steinernen Pfeilern. Sie wurde ab 1862 genutzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Wilhelm Heim: Über die ehemalige stehende Rheinbrücke zwischen Mainz und Castel, Mainz, 1854. In: Verein zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Alterthümer [Hrsg.]: Abbildungen von Alterthümen des Mainzer Museums; Mainz, 1855.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Eric Schwarz: Naturkatastrophen und -erscheinungen im 8. und 9. Jahrhundert und ihre Wahrnehmung in der fränkischen Geschichtsschreibung [Elektronische Ressource]. GRIN Verlag GmbH, München 2011, ISBN 978-3-640-97045-2, S. 93.
  2. a b Regesta Imperii RI I n. 477a: „Die von Karl erbaute Rheinbrücke bei Mainz wird durch einen brand zerstört; der plan statt der hölzernen eine steinerne brücke zu erbauen kommt nicht mehr zur ausführung. Ann. r. Franc. (Einh.), V. Karoli c. 17, 32 vgl. Poeta Saxo V, 457, Mon. Sangall. I, 30, Simson Karl d. Gr. 2,510.“; Regest 477a. Regesta Imperii. Abgerufen am 28. Februar 2019.
  3. Vgl. Originaltext bei Einhard: Vita Caroli Magni: “Inter quae praecipua fere non inmerito videri possunt basilica sanctae Dei genitricis Aquisgrani opere mirabili constructa et pons apud Mogontiacum in Rheno quingentorum passuum longitudinis - nam tanta est ibi fluminis latitudo; qui tamen uno, antequam decederet, anno incendio conflagravit, nec refici potuit propter festinatum illius decessum, quamquam in ea meditatione esset, ut pro ligneo lapideum restitueret.”; Einhardi vita Karoli Magni (lateinisch) Bibliotheca Augustana. Abgerufen am 29. Dezember 2011.
  4. Heinz Löwe: Einhard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 396 f. (Digitalisat).
  5. Friedrich Wilhelm Bautz: Einhard. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1479–1480.
  6. Vgl. auch: Franz Dumont, Ferdinand Scherf, Friedrich Schütz: „Mainz – Die Geschichte einer Stadt“, S. 82
  7. Heinz Leitermann: Zweitausend Jahre Mainz. Bilder aus der Mainzer Geschichte. Hrsg.: Stadt Mainz. Dr. Hans Krach, Mainz 1962, DNB 452793068, S. 45.
  8. Ludwig Falck, Wilhelm Jung: Mainz. Geschichte und Stadtbauentwicklung. Neusser Druckerei u. Verl., Neuss 1986, ISBN 3-88094-564-0, S. 5.
  9. Bruno Funk, Wilhelm Jung: Das Mainzer Rathaus. Mit Beitr. von Helmut Neubach u. Otto Weitling. Stadtverwaltung Mainz, Mainz 1974, DNB 740854909, S. 20.
  10. Ernst Wilhelm Heim: Über die ehemalige stehende Rheinbrücke zwischen Mainz und Castel. In: Verein zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Altertümer (Hrsg.): Abbildungen von Mainzer Alterthümern, Heft VI. Mit Erklärungen. Mainz Dezember 1854.