Rheniit

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Rheniit
Rheniite-34295.jpg
Rheniit vom Vulkan Kudrjawy, Russland (Größe 8,9 cm × 7,8 cm × 7,7 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
Chemische Formel ReS2
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
2.EB.35 (8. Auflage: II/D.25)
02.12.18.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1[1]
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2[2]
Gitterparameter a = 6,470(5) Å; b = 6,368(5) Å; c = 6,401(7) Å
α = 105,0(1)°; β = 91,59(9)°; γ = 118,90(6)°[2]
Formeleinheiten Z = 4[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1 bis 1,5[3]
Dichte (g/cm3) berechnet: 7,598[2]
Spaltbarkeit vollkommen
Bruch; Tenazität uneben
Farbe silberweiß bis grau
Strichfarbe schwarz
Transparenz undurchsichtig, in dünnen Schichten durchscheinend
Glanz Metallglanz
Radioaktivität schwach radioaktiv

Rheniit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung ReS2 und ist damit chemisch gesehen Rheniumdisulfid oder genauer Rhenium(IV)-sulfid. Durch Substitution kann Rheniit einen gewissen Anteil Molybdän anstelle von Rhenium enthalten (bis 6 Gew.%[4]).

Rheniit kristallisiert im triklinen Kristallsystem, entwickelt aber nur selten millimetergroße, plättchen- bis flockenförmige Kristalle von silberweißer bis grauer Farbe und schwarzer Strichfarbe, die in dünnen Schichten rötlich durchscheinen. Der überwiegende Anteil an Rheniitfunden besteht aus körnigen bis massigen Aggregaten.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheniit ist das einzige bislang bekannte Rheniummineral. Erstmals entdeckt wurde es 1992 an den Fumarolen des Vulkans Kudrjawy auf der Kurileninsel Iturup in Russland und beschrieben durch M. A. Korzhinsky, S. I. Tkachenko, K. I. Shmulovich, Y. A. Taran und G. S. Steinberg,[5] die das Mineral nach seinem Hauptbestandteil, dem Element Rhenium, benannten.

Seit 2004 ist Rheniit von der International Mineralogical Association (IMA) als eigenständiges Mineral anerkannt (IMA1999-004a).[6]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Rheniit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel, Selen, Tellur < 1 : 1“, wo er zusammen mit Castaingit (diskreditiert 1967), Drysdallit, Jordisit, Molybdänit und Tungstenit die unbenannte Gruppe II/D.25 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rheniit dagegen in die Abteilung der „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den vorwiegend in der Verbindung vorkommenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 2.EB.35 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Rheniit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 02.12.18 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 1 : 2“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheniit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 6,470(5) Å; b = 6,368(5) Å; c = 6,401(7) Å; α = 105,0(1)°; β = 91,59(9)° und γ = 118,90(6)° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da das in der Verbindung enthaltene Rheniumisotop 187Re schwach radioaktiv ist, ist teilweise auch Rheniit schwach radioaktiv mit einer spezifischen Aktivität von etwa 758,7 Bq/g[1] (zum Vergleich: natürliches Kalium 31,2 Bq/g).

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheniit bildet sich bei Temperaturen von 500 bis 570 °C in sauren vulkanischen Gasen an Fumarolen oder als Ausscheidung aus der Gasphase bei Temperaturen unter 400 °C in porphyrischen Kupfer- und Molybdänlagerstätten.[4]

Rheniit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen, das bisher nur in wenigen Proben aus weniger als 10 Fundorten bekannt ist (Stand 2017). Seine Typlokalität Kudrjawy auf Iturup ist dabei die bisher einzige bekannte Fundstelle in Russland.

Weitere bisher bekannte Fundorte sind die antike Grube Gaiswand am Haidbachgraben bei Felben in der Gemeinde Mittersill (Felbertal) im österreichischen Bundesland Salzburg, der Ni-Cu-​PGE-Tagebau Phoenix bei Francistown in Botswana, die Ni-​Cu-​PGE-Sulfidlagerstätte O'Toole bei Fortaleza de Minas im brasilianischen Bundesland Minas Gerais, die Prospektion Pagoni Rachi bei Alexandroupoli (Regionalbezirk Evros) und die Lagerstätte Konos Hills im Gebiet um KassiteresSapes (Regionalbezirk Xanthi) in Griechenland, die Nickelgrube Garson nahe der gleichnamigen Ortschaft im Sudbury District in der kanadischen Provinz Ontario und der zum Usu-Vulkankomplex gehörende Vulkan Showa-Shinzan auf der japanischen Insel Hokkaidō.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. A. Korzhinsky, S. I. Tkachenko, K. I. Shmulovich, Y. A. Taran und G. S. Steinberg: Discovery of a pure rhenium mineral at Kudriavy volcano. In: Nature. Band 369, 5. Mai 1994, S. 51–52, doi:10.1038/369051a0.
  • S. P. Kelty, A. F. Ruppert, R. R. Chianelli, J. Ren, M.-H. Whangbo: Scanning Probe Microscopy Study of Layered Dichalcogenide ReS2. In: Journal of the American Chemical Society. Band 116, Nr. 17, August 1994, S. 7857–7863, doi:10.1021/ja00096a048.
  • Vladimir S. Znamenskii, Anton I. Ykushev: Vom Vulkan Kudriavy, Kurilen: Das erste Rhenium-Mineral. In: Lapis Mineralienmagazin. Jahrgang 25, Band 1. Weise, 2000, ISSN 0176-1285, S. 21–24.
  • V. S. Znamensky, M. A. Korzhinsky, G. S. Steinberg, S. I. Tkachenko, A. I. Yakushev, I. P. Laputina, I. A. Bryzgalov, N. D. Samotoin, L. O. Magazina, O. V. Kuzmina, N. I. Organova, V. A. Rassulov, I. V. Chaplygin: Rheniite, ReS2, the natural rhenium disulfide from fumaroles of Kudryavy volcano, lturup Isl., Kurily Islands. In: Zapiski Rossiiskogo Mineralogicheskogo Obshchetstva. Band 134, Nr. 5, 2005, S. 32–40 (rruff.info [PDF; 557 kB; abgerufen am 26. Dezember 2017] Russisch mit Kurzbeschreibung in Englisch).
  • I. V. Pekov: New minerals approved by the IMA Commission on new Minerals and Mineral Names. New minerals from former Soviet Union countries, 1998-2006. In: Mineralogical Almanac. Band 11, 2007, S. 9–51 (rruff.info [PDF; 3,9 MB; abgerufen am 26. Dezember 2017] S. 35 der PDF-Datei).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rheniite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Webmineral – Rheniite (englisch)
  2. a b c d V. S. Znamensky, M. A. Korzhinsky, G. S. Steinberg, S. I. Tkachenko, A. I. Yakushev, I. P. Laputina, I. A. Bryzgalov, N. D. Samotoin, L. O. Magazina, O. V. Kuzmina, N. I. Organova, V. A. Rassulov, I. V. Chaplygin: Rheniite, ReS2, the natural rhenium disulfide from fumaroles of Kudryavy volcano, lturup Isl., Kurily Islands. In: Zapiski Rossiiskogo Mineralogicheskogo Obshchetstva. Band 134, Nr. 5, 2005, S. 32–40 (rruff.info [PDF; 557 kB; abgerufen am 26. Dezember 2017] Russisch mit Kurzbeschreibung in Englisch).
  3. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
  4. a b P. C. Voudouris, V. Melfos, P. G. Spry, L. Bindi, T. Kartal, K. Arikas, R. Moritz und M. Ortelli: Rhenium-rich molybdenite and rheniite in the Pagoni Rachi Mo–Cu–Te–Ag–Au prospect, northern Greece: implications for the Re geochemistry pf porphyry-style Cu–Mo and Mo mineralization. In: Canadian Mineralogist. Band 47, Oktober 2009, S. 1013–1036, doi:10.3749/canmin.47.5.1013.
  5. M. A. Korzhinsky, S. I. Tkachenko, K. I. Shmulovich, Y. A. Taran und G. S. Steinberg: Discovery of a pure rhenium mineral at Kudriavy volcano. In: Nature. Band 369, 5. Mai 1994, S. 51–52, doi:10.1038/369051a0.
  6. Ernst A. J. Burke, Giovanni Ferraris: New Minerals and Nomenclature Modifications approved in 2004 by the Commission on new Minerals and Mineral Names, International Mineralogical Association. In: The Canadian Mineralogist. Band 43, Nr. 2, 2005, S. 829–835, doi:10.2113/gscanmin.43.2.829 (nrm.se [PDF; 145 kB; abgerufen am 26. Dezember 2017]).
  7. Fundortliste für Rheniit beim Mineralienatlas und bei Mindat