Zottiger Klappertopf

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Zottiger Klappertopf
Zottiger Klappertopf (links) und Kleiner Klappertopf (rechts)

Zottiger Klappertopf (links) und Kleiner Klappertopf (rechts)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae)
Gattung: Klappertöpfe (Rhinanthus)
Art: Zottiger Klappertopf
Wissenschaftlicher Name
Rhinanthus alectorolophus
(Scop.) Pollich

Der Zottige Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus)[1] ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae) gehört.

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie alle Vertreter der Gattung Rhinanthus ist auch der Zottige Klappertopf ein einjähriger Halbparasit. Im Gegensatz zu Vollparasiten ist er zu einer eingeschränkten Photosynthese in der Lage und bezieht ergänzend Wasser und Nährstoffe aus den Wurzeln verschiedener Süßgräser und krautiger Pflanzen.

Der Zottige Klappertopf wächst als einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 80 Zentimetern. Seine Hauptwurzel ist dünn und locker verzweigt. Die aufrechten Stängel wachsen je nach Blütezeit einfach oder verzweigt. Im Frühsommer blühende Rassen besitzen oft unverzweigte Stängel, während für Herbstrassen eine starke Verzweigung des Stängels typisch ist. Botanisch bezeichnet man dies Phänomen als Saisondimorphismus.[2] Die Stängel sind im oberen Bereich dicht abstehend behaart, aber nicht schwarz gestrichelt.

Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind sitzend. Die einfache Blattspreite ist eilanzettlich bis eiförmig und der Blattrand ist flach scharf gesägt.

Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alactorolophus)
Ausschnitt eines Blütenstandes mit zygomorphen Blüten im Detail
Rhinanthus alectorolophus subsp. buccalis
Deckblatt mit untereinander ungefähr gleich großen Zähnen.
Blüte, rechts Krone abgenommen. Die Kronröhre ist nach oben gekrümmt.
Der Kelch ist außen dicht drüsenlos behaart.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Mai und September. Die Blüten stehen in einer endständigen Traube über dreieckigen, gleichmäßig gezähnten und zottig behaarten Tragblättern. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Der etwa 1 Zentimeter lange Kelch ist gelblichweiß und seine Außenseite ist dicht zottig behaart. Auffällig sind die vier großen Kelchzipfel, die den Kelch etwa in der Mitte der Blütenkrone abschließen. Die zitronengelbe Krone ist bis zu 2 Zentimeter lang. Sie bildet eine helmförmig gebogene Oberlippe und eine dreizipfelige Unterlippe aus. Die Oberlippe besitzt charakteristische Saftmale, zwei kleine violette Zähnchen, die den langrüsseligen Bestäubern den Weg zum Nektar am Blütengrund weisen. Oberlippe und Unterlippe liegen sehr eng aneinander an und gehen in die etwa 10 mm lange, schwach gekrümmte Kronröhre über. Der oberständige, ovale Fruchtknoten ist in zwei Fächer unterteilt. Dank des langen Griffels übergipfelt die Narbe die Kronröhre. Die vier Staubblätter mit nicht bespitzten Staubbeuteln sitzen der Kronröhre an. Sie sind von außen nicht sichtbar, sondern verbergen sich unterhalb der Oberlippe im Inneren des Schlunds. Da Ober- und Unterlippe so eng aneinanderliegen, bleibt der Schlundeingang geschlossen. Nur langrüsselige Insekten, wie Hummeln, Bienen oder Falter können über den Blüteneingang den süßen Nektar erreichen und die Bestäubung durchführen. Kurzrüsselige Bienen und Hummeln treten bisweilen als Nektarräuber in Erscheinung. Sie beißen sich von außen über Kelch und Kronröhre zur Nektarquelle durch. Eine Bestäubung findet hier nicht statt. Ob neben der Insektenbestäubung auch Selbstbestäubung zum Fruchtansatz führt, ist in der Diskussion.[3]

Es werden wenigsamige Kapselfrüchte gebildet. Die Samen sind breit geflügelt. Die Ausbreitung der Samen kann über Stoßausbreitung, Windausbreitung und den Menschen, zum Beispiel durch Ackerbau, erfolgen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[4]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiese mit Zottigem Klappertopf im Schwäbisch-Fränkischen Wald

Der Zottige Klappertopf ist fast in ganz Europa verbreitet. Er hat eine submeridional-montane bis subtemperate Verbreitung im ozeanisch geprägten Eurasien.[5] Er ist in Deutschland verbreitet, fehlt jedoch im Norden Deutschlands. Die Grenze verläuft ungefähr auf der Linie südliche NiederlandeDüsseldorfGöttingenLeipzigGörlitz.

Er wächst in Tal- und Gebirgs-Wiesen, auf Magerrasen, in Getreidefeldern und mäßig frischen Fettwiesen. Er gedeiht am besten auf frischen, nährstoffreichen und eher kalkhaltigen Böden. Er kommt in Mitteleuropa in Gesellschaften der Ordnung Arrhenatheretalia vor.[4] Er kommt von der submontanen bis zur montanen Höhenstufe vor, kann aber auch höher, bis in Höhenlagen von 2300 Metern steigen. In den Allgäuer Alpen steigt er am Höfats-Gufel in Bayern bis zu einer Höhenlage von 2000 Metern auf.[6]

Weder in der Schweiz[7] noch in Österreich[8] gilt der Zottige Klappertopf als gefährdet.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1772 unter dem Namen (Basionym) Mimulus alectorolophus durch Giovanni Antonio Scopoli. Die Neukombination zu Rhinanthus alectorolophus wurde 1777 durch Johann Adam Pollich veröffentlicht. Bei manchen Autoren ist Rhinanthus alectorolophus (Scop.) Pollich ein Synonym von Rhinanthus major L.[9]

Bei der Art Rhinanthus alectorolophus werden bei manchen Autoren mehrere Unterarten unterschieden, bei anderen Autoren sind es eigene Arten:

  • Gewöhnlicher Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus (Scop.) Pollich subsp. alectorolophus), weit verbreitet.[8]
  • Südalpen-Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus subsp. freynii (von Sterneck) Hartl; Syn.: Rhinanthus freynii (von Sterneck) Fiori), in Kärnten, Salzburg, Südtirol[8]
  • Gähnender Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus subsp. facchinii (Chab.) Soó; Syn.: Rhinanthus facchinii Chabert): In Südtirol, taxonomischer Wert zweifelhaft.[8] Nach K. Marhold wird sie als Synonym zu Rhinanthus alectorolophus subsp. alectorolophus gestellt.[10]
  • Rhinanthus alectorolophus subsp. aschersonianus (M.Schulze) Hartl (Syn.: Rhinanthus aschersonianus (M. Schulze) Soó) : Sie kommt in Deutschland vor.[10]
  • Rhinanthus alectorolophus subsp. buccalis (Wallr.) Schinz & Thell. (Syn.: Rhinanthus buccalis Wallr.): Sie kommt in Polen, Tschechien und in der Slowakei vor.[10]
  • Rhinanthus alectorolophus subsp. ellipticus (Hausskn.) O.Schwarz (Syn.: Rhinanthus ellipticus (Hausskn.) Schinz & Thell.) Nach K. Marhold wird sie als Synonym zu Rhinanthus alectorolophus (Scop.) Pollich gestellt.[10]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.
  • Angelika Lüttig, Juliane Kasten: Hagebutte und Co. Blüten, Früchte und Ausbreitung europäischer Pflanzen. Fauna-Verlag, Nottuln 2003, ISBN 3-935980-90-6.
  • Gerhard Stinglwagner, Ilse Haseder, Reinhold Erlbeck: Das Kosmos Wald- und Forstlexikon. 3. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10375-7.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 403.
  • Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. Begründet von Werner Rothmaler. 20., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3, S. 705.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rhinanthus alectorolophus (Scop.) Pollich s. l., Zottiger Klappertopf. In: FloraWeb.de.
  2. Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 403.
  3. Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. Begründet von Werner Rothmaler. 20., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3, S. 705.
  4. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 855–856.
  5. Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 13. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen. Volk und Wissen, Berlin 1987, ISBN 3-06-012539-2.
  6. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, Seite 470. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. Seite 470. ISBN 3-930167-61-1
  7. Rhinathus alectorolophus. In: Info Flora (Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora).
  8. a b c d Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  9. Rhinanthus alectorolophus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  10. a b c d Karol Marhold, 2011: Scrophulariaceae: Datenblatt Rhinanthus In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien