Rhoden (Diemelstadt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Rhoden
Koordinaten: 51° 28′ 31″ N, 9° 0′ 36″ O
Höhe: 296 m ü. NHN
Fläche: 28,03 km²
Einwohner: 1946 (30. Jun. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. November 1970
Postleitzahl: 34474
Vorwahl: 05694
Luftaufnahme

Rhoden ist ein Ortsteil und der Verwaltungssitz der Stadt Diemelstadt im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Er hat rund 1900 Einwohner, davon etwa 30 im kleinen Weiler Laubach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine Alt-Rhoden

Die frühere Siedlung Alt-Rhoden entstand wohl um 850 als karolingischer/ fränkischer Hof. Um 1000 wurde dort eine Pfarrkirche erbaut, deren Ruine noch besteht.[2] Zwischen 1015 und 1036 wurde die Siedlung bekanntermaßen erstmals urkundlich erwähnt.[3]

1228 bis 1230 wurde auf dem Hagenberg eine Burg errichtet. Am Burgberg entstand die befestigte Stadt Rhoden. 1237 wurde sie erstmals urkundlich von Graf Adolf I. von Waldeck als Rothem in Castro benannt. 1244 bezeichnete der Graf Rhoden als oppidum meum (= meine Stadt). Die Siedlung Alt-Rhoden fiel bis 1330 wüst. Die Bewohner siedelten um in die heutige Stadt.

Im 13. Jahrhundert wurde die erste Rhoder Stadtkirche erbaut, die 1540 dem großen Stadtbrand zum Opfer fiel. Zwischen 1560 und 1566 wurde sie neu aufgebaut.

Nach 1648 war Rhoden zeitweise Residenz des Grafen und späteren Fürsten Georg Friedrich, der zwischen 1647 und 1654 auf den Grundmauern der Burg das heutige Schloss errichten ließ. Um 1650 ließ er die Neustadt anlegen. 1664, als er die Grafschaft Waldeck-Eisenberg erbte, verlegte er seine Residenz nach Arolsen.

Bei den Stadtbränden 1735, 1753 und 1873 wurden 149, 10 bzw. 98 Häuser vernichtet.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 1. November 1970 die Stadt Rhoden und die Gemeinde Wrexen freiwillig zur neuen Stadt Diemelstadt.[4][5] Verwaltungssitz wurde der Stadtteil Rhoden. Für Rhoden, wie für alle durch die Gebietsreform nach Diemelstadt eingegliederten Gemeinden, wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[6]

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Rhoden lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[7][8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rhoden 1905 Einwohner. Darunter waren 75 (3,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 288 Einwohner unter 18 Jahren, 765 waren zwischen 18 und 49, 396 zwischen 50 und 64 und 459 Einwohner waren älter.[9] Die Einwohner lebten in 765 Haushalten. Davon waren 207 Singlehaushalte, 195 Paare ohne Kinder und 261 Paare mit Kindern, sowie 81 Alleinerziehende und 24 Wohngemeinschaften. In 117 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 525 Haushaltungen leben keine Senioren.[9]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

  • 1738: 217 Häuser
  • 1770: 212 Häuser, 1095 Einwohner
Rhoden: Einwohnerzahlen von 1770 bis 2020
Jahr  Einwohner
1770
  
1.095
1800
  
?
1834
  
1.766
1840
  
1.839
1846
  
1.896
1852
  
1.932
1858
  
1.787
1864
  
1.891
1871
  
1.566
1875
  
1.475
1885
  
1.455
1895
  
1.384
1905
  
1.349
1910
  
1.319
1925
  
1.291
1939
  
1.272
1946
  
1.910
1950
  
1.940
1956
  
1.747
1961
  
1.690
1967
  
1.636
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.905
2020
  
1.946
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[7]; Zensus 2011[9]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1885: 1317 evangelische (= 95,16 %), 20 katholische (= 1,54 %), 47 jüdische (= 3,40 %) Einwohner[7]
• 1961: 1535 evangelische (= 90,83 %), 136 katholische (= 8,05 %) Einwohner[7]

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Friedhof hat eine Fläche von 33,50 ar, auf der noch 88 Mazewot (Grabsteine) unter Bäumen vorhanden sind (Stand 2017). Das Areal auf dem „Heithübel“ (heute: „Heidhügel“) wurde in den 1760er-Jahren der Judenschaft als Begräbnisstätte überlassen. Der Friedhof wurde bis 1942 und letztmals 1966 belegt. Während der Zeit des Nationalsozialismus kam es nur zu relativ geringen Beschädigungen. 15 Grabsteine mussten 1946/1947 wieder aufgestellt werden. Nach einem Bericht der Verwaltung der Stadt Rhoden aus dem Jahre 1946 sollen nur zwei gewaltsam umgeworfen worden sein. Der Rhodener Bürgermeister A. F. Runte veranlasste 1961 die Aufstellung eines Gedenksteines mit der Aufschrift „Den Opfern des Faschismus 1933–1945“. Dieser enthält die Namen der 28 aus Rhoden und Wrexen umgekommenen jüdischen Einwohner (in der linken Spalte die aus Rhoden, rechts die aus Wrexen).

1981 setzten Rhoder Jugendliche den Friedhof instand. Der Friedhof befindet sich am Ortsrand (Zufahrt vom Warburger Weg). Der neue städtische Friedhof grenzt seit 1987 an. Vom neu angelegten Friedhofsparkplatz führt seit 1997 ein zusätzliches Eingangstor zum jüdischen Friedhof.[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold ein siebenstrahliger schwarzer Stern, überhöht von einem kesselrinkenförmigen schwarzen Wolfseisen.“

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Rhoden
Kirchplatz mit altem Rathaus (gelbes Gebäude)
  • Schloss Rhoden mit ehemaligem Schlossgarten: Das Schloss ist ein typischer Übergangsbau von einer Burganlage zum Schloss. Vor dem Tor wurde die niedere Gerichtsbarkeit ausgeübt. In den romanischen Kellergewölben befindet sich als architektonische Sehenswürdigkeit ein steinerner Kamin, über dem die Jagdbeute gebraten wurde. Zur Wasserversorgung diente ein rund 100 Meter tiefer Schlossbrunnen. Der Garten ist terrassenförmig angelegt. Ein Bestand von alten Walnussbäumen und einigen exotischen Baumarten ist nicht mehr vorhanden. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Garten agrarmäßig genutzt. Heute ist er wieder Ziergarten.
  • Stadtkirche Rhoden
  • Felsformation Geotop Flüburg
  • Quast, Aussichtsberg mit umschließendem FFH-Gebiet

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Autobahnabfahrt Diemelstadt der A 44 liegt am Nordrand von Rhoden. Die B 252 führt von dieser Abfahrt als Umgehungsstraße östlich an Rhoden vorbei nach Korbach.

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Limberg (um 1650–1714), Geistlicher und Verfasser von Reiseliteratur
  • Henrich Miller (1702–1782), Drucker und Zeitungsherausgeber in Philadelphia, erster Übersetzer der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung
  • Rudolf Steinmetz (1801–1854), lutherischer Theologe
  • Bernhard Martin (1889–1983), Volkskundler und Sprachforscher
  • Johannes Bach (1849–1909), Landtagsabgeordneter, Bäcker und Bürgermeister in Rhoden
  • Christian Pröpper (1810–1894), deutscher Kaufmann und Politiker, 1855 bis 1892 Bürgermeister von Rhoden

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Heinemann, Heinrich Friele: Der jüdische Friedhof Rhoden. Hrsg.: Waldeckischer Geschichtsverein. 2010 (Details – Erscheinung 13. August 2010).
  • Jüdischer Friedhof: Aus dem Schatten ins Licht. In: HNA. 12. August 2010 (hna.de [abgerufen am 17. Juli 2016]).
  • Hilmar G. Stoecker, Friedrich Hübel: Rhoden. Waldeckischer Geschichtsverein, Arolsen 1994 (= Waldeckische Ortssippenbücher 51); Bearbeiteter Zeitraum 1618–1993, 7115 Familien
  • Literatur über Rhoden nach Stichwort In: Hessische Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rhoden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Arolsen) und Verwaltung.

Einzelnachweise

  1. Statistik. In: Webauftritt. Stadt Diemelstadt, abgerufen im August 2020.
  2. Diemelstadt - Sehenswürdigkeiten. In: diemelstadt.de. Stadt Diemelstadt, abgerufen am 13. Juli 2018.
  3. Alt-Rhoden, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 15. Januar 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Zusammenschluss der Stadt Rhoden und der Gemeinde Wrexen im Landkreis Waldeck zur Stadt „Diemelstadt“ vom 27. Oktober 1970. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 46, S. 2179, Punkt 2188 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,0 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 407.
  6. Hauptsatzung. (PDF; 182 kB) §; 5. In: Webauftritt. Stadt Diemelstadt, abgerufen im Mai 2019.
  7. a b c d e Rhoden, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 5. August 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 46 und 102;.
  10. Rhoden (Stadt Diemelstadt, Kreis Waldeck-Frankenberg). Jüdischer Friedhof. Alemannia Judaica, abgerufen am 20. September 2017.