Richard Egenter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Richard Egenter (* 3. Mai 1902 in Ulm; † 11. Februar 1981 in München[1]) war ein deutscher römisch-katholischer Moralphilosoph, Moraltheologe und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Egenter studierte Philosophie und Theologie, und promovierte 1925 mit einer Arbeit über Die Erkenntnispsychologie des Aegidius Romanus zum Dr. Phil., es folgte 1929 die theologische Promotion mit einer Arbeit über die Gottesfreundschaft. Die Lehre von der Gottesfreundschaft in der Scholastik und Mystik des 12. und 13. Jahrhunderts.

Egenter wurde am 29. Juni 1929 durch Michael Faulhaber in Freising zum Priester geweiht. Zunächst war er als Aushilfspriester am damaligen sogenannten Klerikalseminar in Freising tätig, dann als Präfekt und Dozent. Er engagierte sich in der Jugendorganisation Bund Neudeutschland. Wegen dieser Aktivitäten wurden bei ihm mehrfach Hausdurchsuchungen (u. a. am 25. Januar 1938 durch die Gestapo) sowie Beschlagnahme von Unterlagen durchgeführt. Außerdem unterlag er der Postüberwachung. Am 27. März 1944 wurde gegen ihn ein Unterrichtsverbot als ehrenamtlicher Religionslehrer an der Städtischen Oberschule für Mädchen in Passau erlassen.[2]

Er wurde 1932 als außerordentlicher Universitätsprofessor für Moraltheologie in Passau berufen und unterzeichnete 1933 das Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler.

Ab 1945 lehrte er als Universitätsprofessor in München bis zu seiner Emeritierung 1968.

Zu seinen Schülern zählen u. a. sein Nachfolger an der Universität München Johannes Gründel und Robert Simon; auch Franz Böckle und Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., hörten Vorlesungen bei Egenter.

Er lebte in Stockdorf bei München, wo er auch bis in seine letzten Lebensjahre hinein in der Seelsorge mithalf. Er starb 1981.

Er war Mitglied der katholischen Studentenverbindung Rheno-Franconia München.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Erkenntnispsychologie des Aegidius Romanus, Regensburg 1926 (zugleich Hochschulschrift München, Phil. Diss., 1925)
  • Gottesfreundschaft. Die Lehre von der Gottesfreundschaft in der Scholastik und Mystik des 12. und 13. Jahrhunderts. Augsburg 1928 (und 1931) (zugleich Hochschulschrift München, Theol. Diss.).
  • Das Edle und der Christ, München 1935, 2., neubearb. Aufl. Westheim b. Augsburg 1949,
  • Wagnis in Christo. Maria Ward und die Idee der christlichen Selbständigkeit Regensburg 1936.
  • Von christlicher Ehrenhaftigkeit München 1937.
  • Von der Freiheit der Kinder Gottes, Freiburg 1941, .2., unveränd. Aufl. Freiburg 1949,
  • Gelassenheit. Briefe an einen Freund, Kolmar im Elsass 1943
  • Warum tun wir das Gute? (= Görres Bibliothek, Band 3), Nürnberg 1946
  • (Hrsg.), Aus der Theologie der Zeit, Regensburg, 1948.
  • Von der Einfachheit (= Kleine Schriftenreihe Band 1), Regensburg 1947
  • Kitsch und Christenleben, Ettal 1950, 2., neubearb. Aufl. Ettal 1958, Lizenzausgabe (= Arena-Taschenbuch Band 59/60) Würzburg 1962, engl. Übersetzung Nicolete Gray (Hrsg.), übersetzt von Edward Quinn, The Desecration of Christ (= Compass Books Band 18), London 1967.
  • Frauenjugend. Natur und Gnade, Ettal 1951.
  • mit Wilhelm Indago, Liebe in Gewissensnot. Arzt und Priester sprechen zu Braut- und Eheleuten, Würzburg 1955, 4. Aufl. 1960, 5., durchges. u. erw. Aufl. Würzburg 1962, 6., überarb. Aufl. Würzburg 1964 niederländische Übersetzung von Hans Wagemans, Liefde in gewetensnood. Arts en priester spreken met verloofden en gehuwden, Bussum, 1957.
  • Die Aszese des Christen in der Welt : Überlegungen zum rechten Ansatz unserer Aszese, Ettal 1956, 3. Aufl. 1957, niederländische Übersetzung von Hans Wagemans, De ascese van de Christen in de wereld. De weg naar een vruchtbare ascese, Hilversum 1959.
  • Kunst und Kitsch in der Literatur, München 1958.
  • (Hrsg.), mit Otto Pirner (Hrsg.) und Hubert Hofbauer (Hrsg.), Statio orbis. Eucharistischer Weltkongress 1960 in München, Band 1, München 1961.
  • (Hrsg.), mit Otto Pirner (Hrsg.) und Hubert Hofbauer (Hrsg.), Statio orbis. 37. Eucharistischer Weltkongress 1960 in München, Band 2, Dokumente, München 1961.
  • Christus und die Heiligen im künstlerischen Ausdruck der Gegenwart (= Studien und Berichte der Katholischen Akademie in Bayern, Heft 22), Würzburg 1963.
  • mit Paul Matussek, Ideologie, Glaube und Gewissen : Diskussion an der Grenze zwischen Moraltheologie und Psychotherapie München, Zürich 1965, Vollständige Ausgabe (= Knaur-Taschenbücher Band 184), München, Zürich 1968.
  • Wir Alten, heute, S(ank)t Ottilien 1972, 2. Aufl. S[ank]t Ottilien 1974, 4. Aufl. S(ank)t Ottilien 1988, ISBN 3-920289-01-3.
  • Altern und Alter S(ank)t Ottilien 1974, 2. Aufl. S(ank)t Ottilien 1988, ISBN 3-920289-55-2, italienische Ausgabe übersetzt von Armido Rizzi, Sulla vecchiaia, Brescia 1976.
  • Erfahrung ist Leben. Über die Rolle die Erfahrung für das sittliche und religiöse Leben des Christen, (Rudolf Hofmann zum 70. Geburtstag) (= Pfeiffer-Werkbücher Nr. 124, Abt. geistliches Leben), München 1974, ISBN 3-7904-0147-1.
  • Der Kranke und sein Nächster S(ank)t Ottilien 1977, ISBN 3-88096-027-5.
  • Miteinander umgehen. Pluralismus in der Kirche, Auftrag und Chance 1. Aufl. München 1978, ISBN 3-7698-0330-2.
  • Heiligenverehrung, Ballast oder Bedürfnis heutiger Spiritualität, S(ank)t Ottilien 1979, ISBN 3-88096-044-5.
  • (Hrsg.), Michaela Pilters (Hrsg.) und Knut Walf (Hrsg.). Menschenrechte in der Kirche mit Beiträgen von Richard Egenter, (Diesem Bd. liegt eine Sendereihe des Hessischen Rundfunks mit demselben Titel zugrunde) Düsseldorf 1980, ISBN 3-491-77832-8

Beitrag in Sammelwerken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Idee der Gottesfreundschaft im 14.Jahrhundert, in: Albert Lang, Josef Lechner, Michael Schmaus, Aus der Geisteswelt des Mittelalters. Studien und Texte, Martin Grabmann zur Vollendung seines 60. Geburtstags von Freunden und Schülern gewidmet (= Beiträge zur Philosophie un Theologie des Mittelalters, Supplementband III), Verlag Aschendorff, Münster 1935, S. 1021–1036.

Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeinschuld oder Strafhaftung, in: ders.: Aus der Theologie der Zeit. Regensburg, 1948, 114–136.
  • Organtransplantation im Lichte der biblischen Ethik, 1964, 142–153

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur über Richard Egenter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil Janik, Klerus und Klöster des Bistums Passau im Dritten Reich, Passau 1980, 15f.
  • Herbert W. Wurster, Zur Geschichte des Bistums Passau im Dritten Reich, in: Ostbayrische Grenzmarken, Jahrgang 28, 1986, 279f.
  • Johannes Gründel (Hrsg.), Humanum. Festschrift für Richard Egenter, Düsseldorf 1972, .
  • Georgine Lerch, Richard Egenter. Leben und Werk, Regensburg 2000, (= Studien zur Geschichte der Katholischen Moraltheologie, Band 36) (Hochschulschrift Zugl.: München, Univ., Diss., 1999), ISBN 3-7917-1701-4.
  • Karl Rahner, Rezension zu R. Egenter und P. Matussek: Ideologie, Glaube und Gewissen, Erstdruck in: Medizinische Klinik, Jahrgang 61, 1966, Seite 282f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Gründel: Egenter, Richard. In: LThK33,463
  2. @1@2Vorlage:Toter Link/www.wikinger-escience.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Über die Aktivitäten Egenters beim Bund Neudeutschland)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]