Richard Giese (Oberfinanzpräsident)

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Richard Ferdinand Giese (* 11. August 1876 in Prenzlau; † 15. Januar 1978 in Kiel) war ein deutscher Ministerialbeamter in der Finanzverwaltung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giese wurde als Sohn des Sanitätsrats Richard Giese und seiner Frau Marie Giese, geborene Gralow, am 11. August 1876 in der Prenzlauer Wohnung seiner Eltern in der Klosterstraße 77 geboren. Die Eltern waren evangelischer Konfession.[1] Er studierte an der Georg-August-Universität Göttingen Rechtswissenschaft. Am 23. Oktober 1897 wurde er Fuchs im Corps Bremensia.[2] Am 10. Juli 1898 recipiert und am 10. März 1899 inaktiviert, wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Dort bestand er 1901 das Referendarexamen und am 30. Mai 1907 am Kammergericht die Assessorprüfung.[3]

Anfangs war Giese tätig an Gerichten in Prenzlau und Wriezen, dann probeweise bei der Oberzolldirektion in Altona (1908). Anschließend war er Oberzollkontrolleur in Nordhorn (1909).[4] Am 6. April 1909 zum Kgl. Regierungsassessor ernannt, war er zunächst Hilfsarbeiter bei der Oberzolldirektion Berlin, dann Oberzollinspektor beim Hauptzollamt in Wesel (1911) und etatmäßiges Mitglied der Oberzolldirektion Altona (1913). Dort wurde er 1915 zum Regierungsrat ernannt. Er war seit 1914 Soldat im Deutschen Heer und nahm am Ersten Weltkrieg teil. 1916 geriet er vor Verdun in vierjährige Kriegsgefangenschaft. 1920 wurde er als Oberregierungsrat in die neu errichtete Reichsfinanzverwaltung übernommen. Kurzzeitig beim Landesfinanzamt Mecklenburg in Schwerin, wurde er 1921 als Ministerialrat in das Reichsfinanzministerium berufen. Hier wirkte er unter 14 Ministern als Personalchef für den Höheren Dienst der gesamten Reichsfinanzverwaltung. Ab 1. Juni 1923 war er in Leipzig zugleich ordentliches Mitglied des Reichsdisziplinarhofs, der zunehmend mit politischen Entscheidungen befasst war. Am 1. Oktober 1933 wurde Giese Präsident des Landesfinanzamts Hessen in Darmstadt. Drei Jahre später wurde er Oberfinanzpräsident Nordmark in Kiel. Diese Behörde war aus den Landesfinanzämtern Mecklenburg und Schleswig-Holstein hervorgegangen.[5] Bis zur Pensionierung im Mai 1943 leitete Giese die Abteilung I Personal und Verwaltung und zugleich die Finanz- und Zollschule in Mölln und die Zollschule Flensburg.[3]

Nachdem er zunächst eine Dienstwohnung in Berlin-Charlottenburg bezogen hatte, wurde Giese im Frühjahr 1944 mit seiner Familie nach Zinnowitz evakuiert. Als die Rote Armee Usedom besetzt hatte, verdiente er seinen Lebensunterhalt vorübergehend als Ernte- und Waldarbeiter und ab Oktober 1946 als Versicherungsagent der Sach- und Personen-Versicherungsnstalt Mecklenburg für Zinnowitz und Umgebung. Als er erfuhr, dass alle Beamten vom Regierungspräsidenten aufwärts als Kriegsverbrecher 1. Klasse verhaftet werden sollten, ging er Ende Oktober 1947 über die Grenze der Sowjetischen Besatzungszone zu seinem Sohn nach Kiel. Nachdem er im August 1948 die Zuzugsgenehmigung für seine Familie erhalten hatte, wurde er von seiner Tochter betreut. Beim großen Empfang zu Ehren seines 100. Geburtstages gratulierten Hans-Hellmuth Qualen, Gerd Lausen und Kiels Stadtpräsident Eckhard Sauerbaum.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geburtsurkunde Standesamt Prenzlau Nr. 327/1876, Digitalisat auf ancestry.de
  2. Kösener Corpslisten 1960, 39/995.
  3. a b c Nachruf, Corpszeitung der Bremensia, Nr. 57/1978
  4. Susanne Meinl, Jutta Zwilling: Richard Giese, in: Legalisierter Raub: die Ausplünderung der Juden im Nationalsozialismus durch die Reichsfinanzverwaltung in Hessen (2004)
  5. Landesfinanzamt/Oberfinanzpräsident/Oberfinanzdirektion (Landesarchiv Schleswig-Holstein)