Richard Grenell

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Richard Grenell (2018)

Richard Allen Grenell (* 18. September 1966 in Jenison[1], Michigan) ist ein US-amerikanischer politischer Kommentator und Diplomat. Seit dem 8. Mai 2018 ist er der Botschafter der USA in Deutschland. Am 4. Oktober 2019 ernannte ihn US-Präsident Donald Trump zusätzlich zum Sondergesandten für die Friedensverhandlungen zwischen Serbien und dem Kosovo.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richard Grenell gehört der Republikanischen Partei an.[3] Nach seinem Bachelorabschluss in Government and Public Administration an der Evangel University, einer Einrichtung der Pfingstbewegung, erwarb Grenell einen Master in Public Administration an der Harvard Kennedy School.[4] Er war bei Fox News als Kommentator tätig.[5]

2001 wurde Grenell von Präsident George W. Bush zum Sprecher des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen ernannt. Er hatte dieses Amt unter vier Botschaftern bis September 2008 inne und war damit der am längsten amtierende US-Pressesprecher bei den Vereinten Nationen.[6] Anschließend war er freiberuflich publizistisch tätig, u. a. für Breitbart News Network.

Als er 2012 zur Romney-Präsidentschaftskampagne stieß, bereinigte Grenell massiv seine Twitter-Historie.[7] Im Mai 2012 musste Grenell Romneys Wahlkampfteam verlassen.[8]

Im März 2017 meldete Breitbart verfrüht, Grenell solle US-Botschafter bei der NATO werden; tatsächlich ging der Posten an Senatorin Kay Bailey Hutchison. Zuvor war Grenell als Kandidat für eine Botschafterstelle mit internationaler Bedeutung gehandelt worden, doch auch den Posten des UN-Botschafters erhielt er nicht.[9]

Nach Nikki Haleys Rücktritt als UN-Botschafterin wurde Grenell erneut als möglicher Nachfolger gehandelt,[10] ebenso wie nach dem Rauswurf des Nationalen Sicherheitsberaters John R. Bolton.[11]

Botschafter in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2017 wurde bekannt, Grenell sei als Botschafter der USA in Deutschland vorgesehen.[12] Nach dem Agrément gab das Weiße Haus am 1. September 2017 die Nominierungsabsicht bekannt.[13][14] Die offizielle Nominierung durch Präsident Trump erfolgte am 5. September.

Während seine Bestätigung durch den Senat ungewöhnlich lange aufgehalten wurde (fast 15 Monate war der Posten unbesetzt[15]) äußerte Grenell sich auf Twitter zur Bundestagswahl 2017, indem er Jens Spahn gratulierte, noch bevor dieser zum Minister ernannt worden war.[16]Am 26. April 2018 erteilte der Senat schließlich seine Zustimmung und bestätigte ihn als US-Botschafter für Deutschland.[17][18] Mit Überreichung seines Akkreditierungsschreibens an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trat er sein Amt am 8. Mai 2018 offiziell an.[19]

Noch am gleichen Tag verlangte er per Twitter von der deutschen Wirtschaft den Rückzug aus Geschäften mit dem Iran.[20] Inhalt und Form des Tweets wurden von deutschen Politikern und Vertretern der deutschen Wirtschaft scharf kritisiert. Der Diplomat Wolfgang Ischinger gab Botschafter Grenell den Rat, seinem Gastland keine Instruktionen zu erteilen.[21][22]

Allgemein ist Grenell in Deutschland umstritten; ihm wird der wiederholte Verstoß gegen die diplomatische Etikette vorgeworfen, weil er im Gastland direkte Handlungsanweisungen formulierte.[23] Er lobte auch wiederholt den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz,[24][25] verbreitete mehrere Tweets von Bild-Chefredakteur Julian Reichelt und kritisierte den deutschen Botschafter im Iran, Michael Klor-Berchtold.[26] Nach dem Luftangriff auf Damaskus und Homs der USA und ihrer Verbündeten kritisierte Grenell Deutschland via Twitter dafür, sich nicht an dem Militärschlag beteiligt zu haben.[27]

Am 3. Juni 2018 veröffentlichte Breitbart News Network ein Interview, in dem Grenell erklärte, sich zur Stärkung „konservativer Kräfte“ aktiv in Europa einmischen zu wollen. Dies wie auch seine Einladung an den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz[28] führte in der Bundesregierung zu Irritationen.[29]

2019 erneuerte Grenell gegenüber der Welt am Sonntag seine Forderung, die Iran-Sanktionen der USA nicht über den INSTEX-Mechanismus auszuhebeln: „Amerikanische Sanktionen zu umgehen ist nicht ratsam.“ Er drohte außerdem Unternehmen mit Sanktionen, die sich an Nordstream 2 beteiligen.[23]

Nachdem das Außenministerium im August 2019 Matthew Palmer zum Sondergesandten für den West-Balkan benannt hatte, machte das Weiße Haus Grenell zum präsidiellen Sondergesandten für Serbien und Kosovo.[30] Bereits im April hatte er Vertreter beider Staaten in Berlin empfangen.[31]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2013 gab Grenell bekannt, bei ihm sei ein Non-Hodgkin-Lymphom diagnostiziert worden; die Chemotherapie habe begonnen.[32] Im September 2013 erklärte Grenell, dass er in Remission sei.[33]

In den Vereinigten Staaten war Grenells Ernennung zum Botschafter in Deutschland von besonderem öffentlichem Interesse, weil er dadurch der höchstrangige offen schwule Politiker in Trumps Regierungsapparat wurde.[22] Grenells Lebensgefährte ist Matt Lashey.[34]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. “We have to work hard every single day to maintain this transatlantic foundation“, Rede von Friedrich Merz beim Atlantik-Brücke-Tag 2018.
  2. tagesschau.de: US-Botschafter Grenell soll auf dem Balkan vermitteln. Abgerufen am 4. Oktober 2019.
  3. Gay Bush Appointee Loses Appeal for Fair Treatment. In: The Advocate, 27. September 2008. 
  4. About. richardgrenell.com. Archiviert vom Original am 10. Januar 2016. Abgerufen am 29. Dezember 2015.
  5. Richard Grenell. In: foxnews.com. Abgerufen am 5. Juni 2018 (englisch).
  6. Gay Bush Appointee Loses Appeal for Fair Treatment. (27. September 2008).
  7. Romney Adviser Richard Grenell Deletes More Than 800 Tweets - Update: Wrote for Breitbart's Big Journalism.
  8. Michael Barbaro, Helene Cooper, Ashley Parker: Behind Richard Grenell’s Departure, a Right-Wing Storm. In: mobile.nytimes.com. 2. Mai 2012, abgerufen am 5. Juni 2018 (englisch).
  9. Konrad Ege: Porträt - Trumps und Gottes Diener. In: freitag.de. Abgerufen am 5. Juni 2018: „Ende 2016 waren freilich Gerüchte bei Fox im Umlauf, Grenell werde möglicherweise US-Botschafter bei den Vereinten Nationen.“
  10. https://m.youtube.com/watch?v=PUJ9o6fvdS4
  11. https://www.handelsblatt.com/politik/international/usa-botschafter-grenell-laut-trump-nicht-im-rennen-als-bolton-nachfolger/25026534.html
  12. Trump intends to nominate Richard Grenell to ambassador to Germany, Washington Examiner, 19. Juli 2017, abgerufen am 19. Juli 2017
  13. President Donald J. Trump Announces Intent to Nominate Personnel to Key Administration Posts.
  14. Trumps Mann in Berlin. FAZ.net, 1. September 2017.
  15. Neuer Chef-Diplomat in Berlin: Grenell wird amerikanischer Botschafter in Deutschland.
  16. Richard Grenell on Twitter.
  17. Forty-Six Nominations Sent to the Senate Today. Archiviert vom Original am 13. September 2017. Abgerufen am 17. September 2017.
  18. Tagesschau: Neuer US-Botschafter: Trump-Anhänger Grenell kommt nach Berlin vom 26. April 2018.
  19. Akkreditierungen. In: Internetseite des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. 8. Mai 2018, abgerufen am 8. Mai 2018.
  20. US-Forderung: Deutsche Firmen sollen sich "sofort" aus dem Iran zurückziehen. 8. Mai 2018.
  21. Iran-Anweisung an deutsche Firmen: Scharfe Kritik an neuem US-Botschafter in Berlin. 9. Mai 2018.
  22. a b Rick Noack: Hours into his new job, Trump’s ambassador to Germany offends his hosts. 9. Mai 2018.
  23. a b Grenell kritisiert EU-Iran-Handel: 'Das ist Missachtung der US-Politik'. In Tagesschau.de, 10. Februar 2019, abgerufen am 10. Februar 2019.
  24. Richard Grenell on Twitter.
  25. Richard Grenell on Twitter.
  26. Richard Grenell on Twitter.
  27. Karl Doemens: Wie Trump den Botschafter für Berlin durchboxt und weitere Dumont-Publikationen.
  28. US-Botschafter in Deutschland irritiert mit Essen für Kurz, welt.de, 5. Juni 2018, abgerufen am 6. Juni 2018.
  29. Frankfurter Rundschau: Breitbart: US-Botschafter will Konservative in Europa unterstützen.
  30. https://www.jungewelt.de/artikel/364585.serbien-und-kosovo-inspektion-auf-dem-balkan.html
  31. https://twitter.com/usbotschaft/status/1123204932881002496?s=21
  32. Joining the Fight. richardgrenell.com. 10. Juni 2013. Archiviert vom Original am 19. Januar 2016. Abgerufen am 28. Dezember 2015.
  33. Richard Grenell: I’m officially in remission. #CancerFree @cityofhope 30. September 2013 (twitter.com).
  34. dpa: Strittige Themen: US-Botschafter spricht mit Steinmeier. Süddeutsche Zeitung, 8. Mai 2018, abgerufen am 8. Mai 2018.