Richard Gutjahr

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 Richard Gutjahr, 2015
Richard Gutjahr, 2015

Richard Gutjahr (* 1973 in Bonn) ist ein deutscher Moderator, Journalist und Blogger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutjahr war zwischen 1993 und 1998 Schüler der Deutschen Journalistenschule in München. In dieser Zeitspanne studierte er zudem Politik und Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München.[1] Er schloss das Studium mit einem Diplom in Journalistik ab.[2] Er nahm an einem Austausch des Centre de formation des journalistes de Paris und zwischen 1998 und 1999 an einem Semesterprogramm der American University in Washington D.C. teil.[3]

Ab 1992 bis 1996 arbeitete er als Nachrichtenredakteur, Live-Reporter und Moderator für Radio Gong, worauf ab 1996 bis 1999 eine Stelle bei Bayern 3 folgte.[4] Für die Süddeutsche Zeitung arbeitete Gutjahr als freier Mitarbeiter und Karikaturist. Ab Januar 1999 arbeitete er fünf Monate als Trainee für das CNN im Büro in Washington. In der Folge arbeitete er für die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Das Erste und Bayerischer Rundfunk, etwa für Programme wie Live aus dem Alabama.

Richard Gutjahr ist aktuell Mitarbeiter der Chefredaktion des Bayerischen Fernsehens und Moderator der Rundschau-Nacht.[5][6] Vom 14. Mai bis zum 7. Juni 2012 moderierte Gutjahr ein von ihm entwickeltes SocialTV-Projekt Rundshow mit wechselnden Co-Moderatoren, darunter Daniel Fiene, Sascha Lobo und Sandra Riess.[7][8] Zudem schreibt er seit Mitte 2010 eine wöchentliche Kolumne in der Münchner Abendzeitung.[9] Daneben schreibt er auch für andere Tageszeitungen, wie z.B. den Berliner Tagesspiegel[10] oder für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.[11]

Mit seinem Blog gutjahr.biz machte er erstmals stärker auf sich aufmerksam, als er dort im April 2010 sein 23-stündiges Schlangestehen um ein iPad vor dem Apple Store in der Fifth Avenue in New York dokumentierte.[9][12] Gleichzeitig wurde er im Rahmen dessen als weltweit erster Käufer eines iPads bekannt.[13][14]

Einer größeren Öffentlichkeit wurde er durch seine Reportage aus Kairo während der Revolution in Ägypten 2011 bekannt.[15] Hierbei entschloss sich Gutjahr spontan und ohne Auftrag beim Aufenthalt in Israel zur Reise nach Kairo.[16]

Gutjahr war Mitinitiator von LobbyPlag, einer Web-Plattform, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, die direkte Einflussnahme von Lobbyisten auf Politiker im Zusammenhang mit der geplanten EU-Datenschutzverordnung nachzuweisen.[17] Die Rechercheergebnisse, die unter anderem belegen konnten, dass Parlamentarier weite Teile ihrer Gesetzesvorlagen aus Lobbypapieren abgeschrieben haben, sorgten weltweit für Schlagzeilen.[18]

Am 14. Juli 2016 war Gutjahr in seinem Urlaub[19] zufällig während des Anschlags in Nizza anwesend.[20] Er berichtete über Twitter sowie im ARD-Nachtmagazin und im Bayerischen Rundfunk. Ein Video, das offenbar den Beginn des Anschlags zeigt, stellte er dem WDR zur Verfügung; er entschied sich ausdrücklich gegen eine Veröffentlichung des Materials in den sozialen Netzwerken, weil er es den Sendern überlassen wollte, welche Bilder gezeigt werden sollten.[21][22][23][24]

Am 22. Juli 2016 berichtete Gutjahr u.a. für die ARD-Tagesschau live von dem Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum. Ursprünglich auf dem Weg zum Bayerischen Rundfunk wurde er von einem Freund über den Vorfall informiert[19] und traf als einer der ersten Reporter am Tatort ein.[25] Gutjahr ist seit 2007 mit der ehemaligen israelischen Knesset-Abgeordneten Einat Wilf verheiratet.[26] Gutjahr hat einen Sohn (* 2010)[27] und eine Tochter (* 1994).[28]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2006 erhielt er zusammen mit BR-Rundschau-Redaktionsleiter Peter Marder für die Reportagereihe Der Hartz Check den Ernst-Schneider-Preis für Wirtschaftsjournalismus.[29] Die Zeit bezeichnete ihn Anfang 2012 als „Netzjournalisten des Jahres“ 2011.[30] Das Medium Magazin nannte ihn 2011 „Newcomer des Jahres“.[31] 2013 hat das Grimme-Institut mit der Nominierung von Richard Gutjahr zum ersten Mal in der Geschichte des Grimme Online Awards die persönliche Leistung einer Einzelperson gewürdigt.[32]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayrische Landeszentrale für neue Medien: Kurz-Vita Richard Gutjahr (PDF; 33 kB), abgerufen am 10. Mai 2012
  2. Christian Berg: Piraten im Bayerischen Rundfunk: Das Rundshow-Alphabet, 10. April 2012, abgerufen am 10. Mai 2012
  3. Richard Gutjahr: Xing-Profil, abgerufen am 10. Mai 2012
  4. Richard Gutjahr: Radio, abgerufen am 10. Mai 2012
  5. Richard Gutjahr, DJV-Fachtagung, abgerufen am 10. Mai 2012
  6. Wer präsentiert die Rundschau-Sendungen?, Bayrisches Fernsehen, 18. Juli 2011, abgerufen am 10. Mai 2012
  7. Bayrisches Fernsehen: BR startet neues Social-TV-Projekt, 10. April 2012, abgerufen am 10. Mai 2012
  8. "Social-TV-Experiment "Rundshow" im BR: Wir twittern im Bademantel", Spiegel Online, abgerufen am 4. August 2013
  9. a b Richard Gutjahr: Von einem, der auszog, das Bloggen zu lernen In: t3n, 21. Februar 2012. Abgerufen am 10. Mai 2012.
  10. Lobbyismus: Mein persönliches Wurst-Erwachen, Tagesspiegel vom 26. Februar 2013, abgerufen am 26. Juli 2013.
  11. Israelische Piratenpartei: Schmuggler von Ideen, FAZ vom 13. September 2012, abgerufen am 26. Juli 2013.
  12. 7:15 PM – Nr. 1 (!). In: gutjahrs blog. 3. April 2010, abgerufen am 20. Juni 2012.
  13. Erstes iPad geht nach München. In: Süddeutsche Zeitung. 5. April 2010, abgerufen am 20. Juni 2012.
  14. "First iPad sold goes to Bavaria". In: Spiegel Online. 3. April 2010, abgerufen am 20. Juni 2012.
  15. Ulrike Langer: Ein Lanze für den Unternehmerjournalismus: Richard Gutjahr in Kairo, 4. Februar 2011, abgerufen am 10. Mai 2012
  16. Richard Gutjahr: Unterwegs nach Kairo, 30. Januar 2011, abgerufen am 10. Mai 2012
  17. Blogpost, abgerufen am 26. Juli 2013.
  18. Blogpost, abgerufen am 26. Juli 2013.
  19. a b Caroline Scott: How one reporter covered the attacks in Nice and Munich with a mobile phone. Mousetrap Media Ltd, 25. Juli 2016, abgerufen am 25. Juli 2016.
  20. „Wir sahen, wie Leute getroffen wurden“. Hannoversche Allgemeine, 15. Juli 2016, abgerufen am 15. Juli 2016.
  21. Richard Guthahr, ARD Reporter, mit einem Augenzeugenbericht. ARD, 15. Juli 2016, abgerufen am 15. Juli 2016 (Video).
  22. Die Momente der Tragödie. ARD, 15. Juli 2016, abgerufen am 15. Juli 2016 (Video).
  23. Augenzeuge Gutjahr: „Der Lastwagen passte nicht ins Bild“. In: Spiegel online. 15. Juli 2016, abgerufen am 15. Juli 2016.
  24. Kurt Sagatz und Jochim Huber: Filmen oder helfen? In: tagesspiegel.de. 15. Juli 2016, abgerufen am 16. Juli 2016.
  25. tagesschau.de: Polizei: Verletzte und möglicherweise Tote bei Schüssen in München. In: tagesschau.de. Abgerufen am 25. Juli 2016 (de-de).
  26. 14 COUPLES SAY "I DO" OR "I DO AGAIN" ATOP EMPIRE STATE BUILDING ON VALENTINE'S DAY (Memento vom 10. Juli 2011 im Internet Archive)
  27. Labor MK Einat Wilf gives birth to baby boy. In: The Jerusalem Post - JPost.com.
  28. candid communications GmbH: So will Gutjahr den Journalismus retten. In: candid communications GmbH. 28. Januar 2016, abgerufen am 26. April 2016 (de-de).
  29. Ernst-Schneider-Preis: Preisträger (PDF; 53 kB), abgerufen am 10. Mai 2012
  30. Franziska Bulban, Alexandra Rojkov, Ulrich Stock, Heinrich Wefing, Falk Lüke, Jutta Schein, Evelyn Finger, Stefan Schmitt, Karsten Polke-Majewski, Khue Pham: Unsere Internet-Top-Ten, zeit.de, 3. Januar 2012, abgerufen am 10. Mai 2012
  31. Die Journalisten des Jahres 2011, medium online, abgerufen am 10. Mai 2012
  32. "Grimme", abgerufen am 26. Juli 2013.