Richard Hamann (Kunsthistoriker)

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Richard Hamann (rechts) im Gespräch mit Akademiepräsident Otto Nagel, 1960

Heinrich Richard Hamann (* 29. Mai 1879 in Seehausen (Börde); † 9. Januar 1961 in Immenstadt, Allgäu) war ein deutscher Kunsthistoriker und Begründer des Bildarchivs Foto Marburg.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Schaffners studierte Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Berlin, wo er 1902 bei Wilhelm Dilthey zum Dr. phil. promoviert wurde. 1911 folgte die Habilitation bei Heinrich Wölfflin sowie die erste Professur für Kunstgeschichte an der Königlichen Akademie zu Posen. 1913 folgte er einem Ruf als Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Marburg, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1949 tätig war. Von 1947 bis 1957 war er als Gastprofessor für Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig.

1924 erschien im Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft seine wegweisende Arbeit über die deutsche Plastik des Mittelalters; in ihr brachte er erstmals das in der Chronik des Thietmar von Merseburg beschriebene Kreuz aus der Zeit des Kölner Erzbischofs Gero mit dem im Kölner Dom befindlichen Kreuz — heute als Gerokreuz bekannt — in Zusammenhang.

Hamann gab entscheidende Anregungen für das Konzept des "Jubiläumsbaus", der 1927 aus Anlass des 400-jährigen Bestehens der Universität als Gebäude für die Kunst- und Kulturwissenschaften nebst ihren zugehörigen Sammlungen fertiggestellt wurde; die vierflügelige Anlage wird seit 1950 nach dem damaligen Kurator Ernst-von-Hülsen-Haus genannt.

Hamann gründete auch das Bildarchiv Foto Marburg, die fotografische Abteilung des Kunstgeschichtlichen Seminars, für das er beständig Bildmaterial sammelte. Zu seinen zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen gehört auch das zweibändige Standardwerk Geschichte der Kunst, das in vielen Auflagen erschien (1933 - 1959). (Siehe unter "Werke".)

1949 wurde Hamann zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR gewählt. Außerdem wurde er mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Zu seinem - zumindest aus eigener Sicht - verbindenden Wirken als "Grenzgänger" zwischen West und Ost fand 2008 in Marburg eine Tagung statt, deren Beiträge in dem hier unter "Literatur" angeführten Sammelband nach einem ausführlichen Vorwort der Herausgeber wiedergegeben sind.

Zu Hamanns Schülern gehörte Hermann Deckert. Auch Hamanns Sohn Richard wurde Kunsthistoriker, nannte sich aber 1939 nach dem Geburtsnamen seiner Mutter in Hamann-Mac Lean um.[1] Auch der in den USA lehrende Germanist Jost Hermand war langjähriger Mitarbeiter und Schüler von Hamann.

Zu Hamanns Gedächtnis vergibt die Universität Marburg den nach ihm benannten Richard-Hamann-Preis. Anlässlich des am 26.-29. März 2009 in Marburg stattfindenden Deutschen Kunsthistorikertages wurde er erstmals für herausragende wissenschaftliche Leistungen verliehen.[2] Erster Preisträger war der Berliner Wissenschaftler Horst Bredekamp.[3]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Ästhetik. B. G. Teubner, Leipzig [Zweite Auflage 1919].
  • Geschichte der Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart. Knaur Berlin, 1935 [Ausg. 1934], 974 Seiten mit 1110 Abbildungen
  • Ägyptische Kunst. Wesen und Geschichte. Knaur Berlin, 1944
  • Geschichte der Kunst. 1. Band: Von der Vorgeschichte bis zur Spätantike. 2. Band: Von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart. Droemersche Verlagsanstalt München (u. Akademie-Verlag Berlin) 1959.
  • mit Jost Hermand: Deutsche Kunst und Kultur von der Gründerzeit bis zum Expressionismus, 5 Bände (Gründerzeit, Naturalismus, Impressionismus, Stilkunst um 1900, Expressionismus), Akademie-Verlag, Berlin, 1967ff.
    • auch in der Nymphenburger Verlagshandlung, München 1976 mit etwas geändertem Titel: Epochen der deutschen Kultur von 1870 bis zur Gegenwart; Band 5: Expressionismus ISBN 3-485-04057-6

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richard Hamann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nachruf auf R. Hamann-Mac Lean von P. C. Claussen, in: JSTOR Zeitschrift für Kunstgeschichte 3/2000 S. 443.
  2. Philipps-Universität vergibt erstmals Richard-Hamann-Preis
  3. Humboldt-Universität: Kunsthistoriker Horst Bredekamp erhält Richard Hamann-Preis