Richard Jewell

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Richard Allensworth Jewell (* 17. Dezember 1962 in Danville; † 29. August 2007 in Woodbury[1]) war ein US-amerikanischer Wachmann und eine zentrale Figur beim Bombenanschlag bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jewell arbeitete für eine private Wachfirma und entdeckte am 27. Juli 1996 eine Rohrbombe im Centennial Olympic Park in Atlanta. Er alarmierte die Polizei und half bei der Evakuierung mit. Damit verhinderte er zahlreiche Verletzte und möglicherweise Tote. Zuerst wurde er von den Medien als Held gefeiert, später wurde er aber selbst zum Verdächtigen. Obwohl er nie angeklagt wurde, war er durch eine gewaltige Medienhetze bereits in der breiten Öffentlichkeit für schuldig befunden worden, was sein Leben stark beeinträchtigte. So litt er nach den Verleumdungen an chronischer Fettsucht und Diabetes, dann Nierenversagen. Der wahre Täter, Eric Robert Rudolph, wurde später gefasst. Jewell führte mehrere Prozesse, um seinen Ruf wiederherzustellen und erlittenes Unrecht zu sühnen.[2]

Jewell klagte gegen hochrangige Mitarbeiter seines ehemaligen Arbeitgebers Piedmont College, Raymond Cleere (Präsident) und Scott Rawles (Pressesprecher).[2] Diese hätten mit Journalisten und dem FBI gesprochen und dort falsche Informationen gestreut. Cleere habe ihn als „Zeloten mit Dienstmarke“ bezeichnet, der „epische Berichte über Nichtigkeiten“ schreibe. Piedmont College zahlte eine ungenannte Summe.[3] Die NBC zahlte Jewell 500.000 Dollar.[2]

Die New York Post hatte über Jewell geschrieben, dass er in das Schema des „einsamen Bombers“ passe. Er sei ein „fetter, gescheiterter ehemaliger Hilfssheriff, der die meiste Zeit als Schülerlotse gearbeitet hatte und daran gescheitert war, es zu mehr zu bringen“. Ein anderer Artikel sprach von einem „Gescheiterten und einer Schande für alle wirklichen Gesetzeshüter“. „Alle sollten froh sein, diesen Kerl geschnappt zu haben.“ Es wurden Fotos und Karikaturen von Jewell veröffentlicht. Die New York Post bezahlte eine nicht genannte Summe an Jewell.

Jewell verklagte die Zeitung Atlanta Journal-Constitution, die behauptet hatte, Jewell sei ein „Individuum mit einer bizarren Karriere und einer gespaltenen Persönlichkeit“. Weiterhin habe Jewell „in das Schema des einsamen Bombers gepasst“.[4] Das Atlanta Journal verglich Jewell mit dem Serienmörder Wayne Williams.[5] Die Zeitung war die einzige, die sich nicht mit Jewell einigen wollte. Vier Monate nach dem Tode Jewells wurde die Klage von Richter John R. Mather im Dezember 2007 abgewiesen.[6]

Auch wenn CNN sich auf eine Zahlung einer ungenannten Summe mit Jewell einigte, behauptete CNN weiterhin, fair und angemessen berichtet zu haben.[7] Richard Jewell arbeitete in seinen letzten Lebensjahren in einer Polizeidienststelle.[8] Er starb im Alter von 44 Jahren an den Folgen seiner zahlreichen gesundheitlichen Probleme.

Die Geschichte um Jewells Rolle beim Bombenanschlag bei den Olympischen Spielen 1996 erschien 2019 als Filmdrama (Der Fall Richard Jewell).[9] Außerdem dreht sich die 2020 erschienene zweite Staffel der Serie Manhunt um diesen Fall.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kevin Sack: Richard Jewell, 44, Hero of Atlanta Attack, Dies. In: The New York Times. 30. August 2007, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 9. April 2020]).
  2. a b c Jewell sues newspapers, former employer for libel. CNN, 28. Januar 1997, abgerufen am 9. April 2020.
  3. Jewell settles with college. In: Lakeland Ledger, 27. August 1997. Abgerufen am 5. Mai 2010. 
  4. CBS, 60 Minutes II: Falsely Accused. CBS. 26. Juni 2002
  5. The wheels of justice: After five years, Richard Jewell v. AJC a long way from over, 1. August 2001 (Memento des Originals vom 12. November 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/atlanta.creativeloafing.com
  6. Judge dismisses Olympic bombing libel suit. In: United Press International, 13. Dezember 2007. Archiviert vom Original am 5. September 2010. Abgerufen am 6. Juli 2010. 
  7. Commentary: Don't name 'person of interest'. In: CNN.com, 17. September 2009. Abgerufen am 22. Mai 2010. 
  8. Fritz Göttler: "Der Fall Richard Jewell": Fremd und vertraut zugleich. Abgerufen am 18. Juli 2020.
  9. Der neue Film von Clint Eastwood: Trailer zum Post-Terror-Drama „Richard Jewell“. In: filmstarts.de. 6. Oktober 2019, abgerufen am 6. Oktober 2019.