Richard Mayr

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Gedenktafel an Mayrs Geburtshaus

Richard Mayr (* 18. Oktober 1877 in Salzburg; † 1. Dezember 1935 in Wien) war ein österreichischer Sänger (Bassist) der Klassischen Musik.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Besuch des Akademischen Gymnasiums in Salzburg begann Richard Mayr 1897 zunächst ein Studium der Medizin. Durch rege Teilnahme am geselligen Studentenleben und nachdem er 1897 Mitglied in der Wiener Akademischen Burschenschaft Libertas geworden war[1], zeigte er aber bereits während des Studiums ein reges Interesse für künstlerische Veranstaltungen und klassischen Gesang. Bereits ein Jahr später, nach einem gefeierten ersten öffentlichen Auftritt in der „Bieroper“ „Dalibor und der Boehme“ von Franz Pawlikowski, entschloss sich Mayr, sein Medizinstudium aufzugeben und sich dem Gesang zu widmen. Er begann sein Gesangsstudium bei Johannes Ress in Wien und übernahm rasch die Bass-Partie in Beethovens Missa solemnis beim Bozener Männergesangsverein.[2] Der Geiger und Konzertmeister Karl Prill, selbst seit 1897 bei den Bayreuther Festspielen engagiert,[3] hörte ihn in Wien in Antonín Dvořáks Requiem und empfahl ihn Cosima Wagner, die ihn sogleich engagierte.[2] Im Winter 1901/02 setzte er sein Studium bei Julius Kniese in dessen Stimmbildungsschule in Bayreuth fort. Am 28. Juli 1902 hatte er seinen ersten Opernauftritt als „Hagen“ in Wagners Oper Götterdämmerung bei den Bayreuther Festspielen.

Richard Mayr als "Ochs auf Lerchenau"

In den folgenden Jahren nahm seine Karriere nun einen steilen Verlauf. Noch im Jahr 1902 wurde er ans „k.k. Hof-Operntheater“, die heutige Wiener Staatsoper, verpflichtet, debütierte dort am 2. Oktober 1902 als Don Silva in Verdis Ernani und belegte bereits in seiner ersten Spielzeit 16 Opernrollen. Im Jahr 1905 ernannte man ihm zum Kammersänger. Mit der Rolle des Barons „Ochs auf Lerchenau“ in der Oper Der Rosenkavalier von Richard Strauss glänzte er an der Wiener Staatsoper (Wiener Erstaufführung am 8. April 1911) sowie später im Jahr 1924 an der Covent Garden Opera in London, welche zum Auftakt für seine internationale Karriere wurde. Zwischen 1906 und 1934 übernahm er mit nur wenigen Ausnahmen regelmäßige Engagements bei den Bayreuther und Salzburger Festspielen sowie zahlreiche Gastauftritte an verschiedenen renommierten europäischen Opernhäusern. Mit seinem Debüt in der Rolle des Goldschmieds „Veit Pogner“ aus Wagners Oper Die Meistersinger von Nürnberg begann Mayr am 2. November 1927 an der Metropolitan Opera in New York eine Serie von erfolgreichen Gastauftritten in den USA.

Am 23. September 1934 absolvierte er im Rahmen einer Teileröffnung[4] der Großglockner Hochalpenstraße bis zum Fuscher Törl sowie der Edelweißstraße auf die Edelweißspitze einen sängerischen Außeneinsatz. Doch nur ein Jahr später trat er krankheitsbedingt in den Ruhestand; er verstarb mit nur 58 Jahren am 1. Dezember 1935.

Richard Mayr war ein überaus engagierter Sänger. Von insgesamt 95 verschiedenen Opernrollen waren die Figuren des „Ochs auf Lerchenau“ mit 149, des Pogners mit 138, des „Landgrafen Hermann“ aus Wagners Tannhäuser mit 123 sowie des „König Marke“ aus Wagners Tristan und Isolde mit 101 Auftritten die von ihm am häufigsten verkörperten Rollen. Dabei stellte er seine Figuren mit einer ihm eigenen und neuartigen Charakteristik und einer psychologischen Tiefe dar, insbesondere dort, wo das Komödiantische mit dem Tragischen zu verknüpfen war.

Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kostümschneider Carl Mayr, pflegte er regen Kontakt zu dem Henndorfer Kreis, einem literarischen Künstlerkreis um Carl Zuckmayer in seinem Wohnort Henndorf am Wallersee bei Salzburg. Seine Nichte Maria Mayr heiratete den Brau- und Bauindustriellen Gustav Kapsreiter und machte sich als Kunstmäzenin einen Namen. Richard Mayr war verheiratet mit der Schauspielerin Berthe Marie Denk.

Richard Mayr wurde in der Familiengruft auf dem Salzburger Petersfriedhof beigesetzt. Sein umfangreicher Nachlass wurde je zur Hälfte an die Internationale Stiftung Mozarteum und an das Salzburger Museum Carolino-Augusteum übertragen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familiengruft auf dem Petersfriedhof Salzburg mit Inschrift für Kammersänger Richard Mayr

Für seine Verdienste wurde Richard Mayr zum Ehrenmitglied der Staatsoper Wien (1926), der Internationalen Stiftung Mozarteum und des Wiener Akademischen Gesangvereins ernannt. Darüber hinaus erhielt er:

Diskographie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Requiem, KV 626 Requiem; Mozart, Wolfgang Amadeus. - Aufnahme 1931; Neueinspielung bei Hamburg: Line Music, (Tonträger) [2008]
  • Der Rosenkavalier; Strauss, Richard. - Gesamtaufnahme 1933; Neueinspielung Hamburg: Line Music, [2002]
  • Kirchensonate KV 67; Mozart, Wolfgang Amadeus. Aufnahme 1931; Neueinspielung München: Orfeo, [1995]
  • Lebendige Vergangenheit; Wien: Preiser; Aufnahme 1921–1924; Neueinspielung Laer: Fono-Schallplattengesellschaft, Vertrieb, [1995]
  • Sinfonien, op. 125 Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125; Beethoven, Ludwig van. - Aufnahme 1935–1936, Wien: Preiser; Neueinspielung Laer: Fono-Schallplattengesellschaft, Vertrieb, [1995]
  • Edition Wiener Staatsoper live 1933–1941 / Vol. 16. [1994]
  • Edition Wiener Staatsoper live 1933–1941 / Vol. 15. [1994]
  • Edition Wiener Staatsoper live 1933–1936 / Vol. 14. Clemens Krauss dirigiert Richard Wagner [1994]
  • Edition Wiener Staatsoper live 1933–1936 / Vol. 1. [1994]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Richard Mayr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Elsheimer (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Burschenschafter nach dem Stande vom Wintersemester 1927/28. Frankfurt am Main 1928, S. 327.
  2. a b Jürgen Kesting: Die großen Sänger. Band 1, Hamburg: Hofmann und Campe 2008, S. 267
  3. Ch. Harten: Prill, Karl (1864-1931), Violinist, ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 38, 1981), S. 280, abgerufen am 21. Juni 2016.
  4. die Großglockner Hochalpenstraße wurde erst am 3. August 1935 für den Durchzugsverkehr eröffnet, Quelle Salzburgwiki - Baugeschichte der Großglockner Hochalpenstraßen und dortige Quelle Wallack, Franz: Die Großglockner Hochalpenstraße - die Geschichte ihres Baues, zweite Ausgabe, anlässlich der 25-Jahr-Feier der Großglockner Hochalpenstraße, 1960, Springer Verlag, Wien