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Richard Newald

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Richard Ludwig Adalbero Newald (* 30. Juli 1894 in Lambach; † 28. April 1954 in West-Berlin[1]) war ein österreichischer Literaturhistoriker und Germanist.

Newald wurde in Lambach als Sohn des Rechtsanwalts Richard (Johann Josef) Newald (1858–1938)[2] und seiner Ehefrau Franciska (Josefa Antonia), geb. Edlbacher (1869–?), einer Tochter des liberalen Abgeordneten Max Edlbacher,[3] geboren. Die Malerin Fanny Newald (1893–1970) war seine Schwester. Er erwarb sein Abitur am Stiftsgymnasium Kremsmünster und begann 1913 ein Studium der Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Newalds Studium wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen. Newald kämpfte an der Ostfront und geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Nach der Rückkehr nach Deutschland setzte er an der LMU München sein Studium fort und promovierte im Jahre 1921. An der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg habilitierte sich Newald 1926 bei Friedrich Wilhelm und erhielt 1930 einen Ruf als Professor an die Universität Freiburg in der Schweiz, wo er 1933 ordentlicher Professor wurde und bis 1945 den Lehrstuhl innehatte. Am 24. Juli 1939 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Dezember desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 7.332.328).[4]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Richard Newald aufgrund seiner Mitgliedschaft in der NSDAP aus der Schweiz ausgewiesen,[5][6] ebenso wie seine Frau, die in Freiburg eine Gruppe von NS-Sympathisanten leitete.

Daraufhin erhielt Newald an der Universität in Freiburg im Breisgau eine Gastprofessur und wurde 1951 als außerordentlicher Professor an die Freie Universität Berlin in West-Berlin berufen. Kurz vor seinem Tode wurde seine Professur in eine ordentliche Professur umgewandelt.

Newald starb im Alter von 59 Jahren an einem Herzschlag und wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt. Er war katholischer Konfession und seit 1928 mit der Historikerin und Paläografin Helene, geb. Burger (1896–1972), Tochter des Privatdozenten für Innere Medizin Carl Burger (1844–1902), verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos.

Wissenschaft und Forschung

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Nach Ansicht des Germanisten Hans-Gert Roloff gehört Newald zu den bedeutendsten deutschen Philologen und Literarhistorikern in der Mitte des 20. Jahrhunderts[7]. Bereits in den 1920er begann Newald zusammen mit Friedrich Wilhelm den Aufbau eines Corpus der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahr 1300. Ein Schwerpunkt von Newalds Forschungsarbeit war der Humanismus, insbesondere Erasmus von Rotterdam.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begründete Newald zusammen mit Helmut de Boor in der deutschen Literaturgeschichtsschreibung die erste Buchreihe der Nachkriegszeit. Nach seinem Tode wurden weitere Werke aus seinem Nachlass herausgegeben.

Schriften (Auswahl)

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Eine Bibliographie der Arbeiten Richard Newalds ist 1963 im von Hans-Gert Roloff herausgegebenen Band Probleme und Gestalten des deutschen Humanismus im Verlag Walter de Gruyter erschienen.

  • Beiträge zur Soldatensprache, Dissertation, LMU München, 1921.
  • Beiträge zur Geschichte des Humanismus in Oberösterreich, Linz, 1926.
  • Poetische Fragmente des 12. und 13. Jahrhunderts, zus. mit Friedrich Wilhelm, Verlag Carl Winter, Heidelberg, 1928.
  • Althochdeutsches Lesebuch, zus. mit Friedrich Wilhelm, Verlag Carl Winter, Heidelberg, 1930.
  • Deutscher Horaz in 5 Jahrhunderten, Junker & Dünnhaupt, Berlin, 1933.
  • Eduard Duller. Ein deutsches Journalistenleben aus dem Vormärz (= Freiburger Forschungen zur Kunst- und Literaturgeschichte. Band 2). Hendrick, Berlin 1934.
  • Elsässische Charakterköpfe aus dem Zeitalter des Humanismus. Johann Geiler von Kaisersberg, Jakob Wimpfeling, Sebastian Brant, Thomas Murner, Matthias Ringmann. Alsatia-Verlag, Kolmar 1944.
  • Vier Gestalten aus dem Zeitalter des Humanismus. Entwicklung, Höhe und Krisen einer geistigen Bewegung. Zollikofer, St. Gallen 1946 (unter dem Pseudonym Harald Drewinc).
  • Erasmus Roterodamus. Biographie. Burda, Freiburg im Breisgau 1947.
  • Humanitas, Humanismus, Humanität. v. Chamier, Essen 1947.
  • Einführung in die deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft. Schauenburg, Lahr 1947 (2. Aufl. 1949).
  • Die deutsche Literatur vom Späthumanismus zur Empfindsamkeit 1570–1750 (= Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 5). Beck, München 1951 (6. Aufl. 1967).
  • mit Brigitte Ristow: Sachwörterbuch zur deutschen Philologie. Schauenburg, Lahr 1954.
  • Postum hrsg.: Von Klopstock bis zu Goethes Tod 1750–1832. Erster Teil: Ende der Aufklärung und Vorbereitung der Klassik (= Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 6). Beck, München 1957 (archive.org – 7. Aufl. 1985).
  • Postum hrsg. v. Helene Newald: Nachleben des antiken Geistes im Abendland bis zum Beginn des Humanismus. Eine Überschau. Niemeyer, Tübingen 1960.
  • Postum hrsg. v. Hans-Gert Roloff: Probleme und Gestalten des deutschen Humanismus. Studien. De Gruyter, Berlin 1963.

Einzelnachweise

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  1. Newald, Richard, in: Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden. Siebzehnte völlig neubearbeitete Auflage des großen Brockhaus. Dreizehnter Band MOT – OSS. F. A. Brockhaus, Wiesbaden, 1971. ISBN 3 765300004.
  2. Duplikat des Sterbe-Protokolles der Dompfarre Linz für das Jahr 1938. Diözesanarchiv Linz, Signatur 306/1938, lfd. Nr. 173 (matricula-online.eu [abgerufen am 28. August 2025]).
  3. Trauungen – Duplikate 1890. Kirchenbuch der Pfarre Puchenau, Diözesanarchiv Linz, Signatur 207/1890. In: Matricula Online. ICARUS, abgerufen am 28. August 2025.
  4. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/30481100
  5. Max Wehrli: Germanistik in der Schweiz, 1933–1945. In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft. Band 37, 1993, S. 409–422, hier: S. 412 (archive.org).
  6. Julian Schütt: Germanistik und Politik. Schweizer Literaturwissenschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Chronos, Zürich 1996, ISBN 3-905312-04-2, S. 205.
  7. Newald, Richard, in: Deutsche Biographie.