Richard Rohr

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Richard Rohr (2004)

Richard Rohr OFM (* 20. März 1943[1] in Topeka, Kansas) ist ein US-amerikanischer Franziskanerpater, Prediger und Autor spiritueller Bücher, die in viele Sprachen übersetzt und eine weltweite Verbreitung gefunden haben. Seine bekanntesten Bücher sind Der wilde Mann, das 1986 ins Deutsche übersetzt wurde, und Das Enneagramm, das er 1989 mit dem deutschen lutherischen Pfarrer Andreas Ebert schrieb und das bis 2019 über 500.000 mal verkauft wurde.[2]

Rohr war in den 1970er Jahren als junger US-amerikanischer Franziskaner-Pater eine der führenden Persönlichkeiten der charismatischen Bewegung in den USA, in der er sich für eine Erneuerung und Belebung des Christentums einsetzte. Freundschaft und religiöser Austausch verbindet ihn mit dem evangelischen Prediger und politischen Aktivisten Jim Wallis. Geistig beeinflusst hat ihn vor allem der 1968 verstorbene Trappistenmönch Thomas Merton. Quellen seiner Inspiration sind außerdem Jesus Christus, Franz von Assisi, Meister Eckhart, Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, Carl Gustav Jung, Ken Wilber sowie Sufi- und Zen-Traditionen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richard Rohr wuchs in einer deutschstämmigen Familie mit zutiefst konservativen bäuerlichen Wurzeln auf[1] und diente in seiner Grundschulzeit als Ministrant. Durch dabei immer wiederkehrende tiefe Empfindungen von Gottes Gegenwart entstand in ihm bereits früh der Wunsch, Priester zu werden. Ungefähr 1955 begeisterte ihn Felix Timmermans Buch Franziskus über Franz von Assisi, der für ihn den „freien Mann, der sich von den Systemen der Welt nicht vereinnahmen ließ“ darstellte. Als zwei Franziskaner seine Heimatpfarrei besuchten, war es für Richard klar, dass er auch Franziskaner werden wollte. Deshalb zog er schon mit 14 Jahren, nach der achten Klasse, nach Cincinnati, um später in den Franziskanerorden eintreten zu können.

Seine Aufnahme in den Orden erfolgte 1961. 1970 wurde er in der „Pfarrei zum unbefleckten Herzens Mariens“, im Wohnort seiner Eltern in West-Topeka, zum Priester geweiht. Im selben Jahr wurde er von einem Jesuiten in die Persönlichkeitstheorie Enneagramm eingeführt[3] und beendete auch sein Theologiestudium am St. Leonhard Seminar in Dayton mit dem Master-Grad. Während seines Studiums war er vor allem als „Brother Happy“ bekannt, weil die Erkenntnisse aus dem regelmäßigen Bibelstudium und sein persönliches Empfinden ihn mit Enthusiasmus erfüllten.

Als junger Religionslehrer erhielt Pater Rohr von der Erzdiözese als erstes den Auftrag, die Jugend-Exerzitien zu leiten. Im November 1971, bereits während der ersten Wochenend-Rüstzeiten, begeisterte er mit seinen Predigten die Jugendlichen und weckte in ihnen die Sehnsucht nach einem religiösen Leben, das immer weitere und auch ältere Interessenten fand. 1974, als die Bewegung auf 1000 Teilnehmer wuchs und die Predigten in Turnhallen abgehalten wurden, gab sie sich den Namen „New Jerusalem Community“ und gründete bald darauf die charismatische Familien- und Laien-Kommune New Jerusalem in Cincinnati.

Nach langjährigem Engagement in der Friedensbewegung, seelsorgerischer Arbeit und Leitung von New Jerusalem wurde er in die Leitung seines Ordens gewählt und legte ein Sabbatjahr in der Einsiedelei des Thomas Merton ein. Seit 1987 lebt er in der Franziskanergemeinschaft in Albuquerque, New Mexico, wo er im Auftrag der Ordensleitung ein christliches Zentrum für Aktion und Kontemplation aufgebaut hat. Nebenher hält er aber auch Predigten und Vorträge auf der ganzen Welt. Von 1988 bis 2012 war er fast jedes Jahr als Referent in Deutschland unterwegs.[4]

1994 erhielt er den Thomas Merton Award für Frieden und soziale Gerechtigkeit.

Richard Rohr begründete auch die Männerbewegung M.A.L.Es (Men as Learners and Elders). Neben zahlreichen Männer-Seminaren setzte er sich auch für die Durchführung von Männer-Initiationsriten ein. Diese Riten haben nicht nur in den USA, sondern auch in zahlreichen weiteren Ländern eine spirituelle Bewegung von Männern ausgelöst (u. a. in Deutschland, Österreich, Tschechien, England, Irland, Schottland, Australien).

Während eines Vortrages, August 2012

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rohr ist ein gegen den innerkirchlichen „Mainstream“ orientierter Denker, Kritiker und Reformer in der römisch-katholischen Amtskirche mit ihren festgelegten Hierarchien. Er vertritt auch nicht durchwegs die offizielle römisch-katholische Lehre, so in Fragen der Empfängnisregelung, Frauenordination und Homosexualität. Er hat Rituale aus verschiedenen religiösen Hintergründen übernommen und in seine Veranstaltungen integriert.[5] Eher konservative römisch-katholische und evangelische Theologen kritisieren sein Gottesverständnis und sein Menschenbild als unbiblisch und häretisch, weil es zunehmend auch wesentliche gnostische Elemente enthalte.[6][7] Jesus, seine Kreuzigung und seine Auferstehung würden zum Symbol für eine kosmische Transformation reduziert, die Menschen und das All dagegen überhöht und vergöttlicht.[8]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Buch: Pure Präsenz, S. 13, 9
  2. Andreas Ebert, Richard Rohr: Das Enneagramm - Die 9 Gesichter der Seele, Claudius, München 2019, ISBN 978-3-532-62395-4.
  3. Das Enneagramm: die 9 Gesichter der Seele; Claudius München 2007, ISBN 978-3-532-62390-9, Einleitung
  4. Andreas Ebert: Franziskanerpater Richard Rohr: Letzte Vortragsreise nach Deutschland, Sonntagsblatt, 3. Juni 2012
  5. Aufregung um Franziskanerpater Richard Rohr, Website kath.net, 28 Januar 2010
  6. Fred Sanders: Why I Don’t Flow with Richard Rohr, Website thegospelcoalition, 2. Dezember 2016
  7. Ian Paul: Is Richard Rohr a heretic? Website Psephizo, 20. Februar 2018
  8. Johannes Hartl: Abschied von einem Lehrer, Website/Blog 21. April 2020