Richard Schöne

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Richard Schöne (Selbstporträt 1863)
Schöne, spätere Fotografie

Richard Schöne (* 5. Februar 1840 in Dresden; † 5. März 1922 in Berlin-Grunewald) war ein deutscher klassischer Archäologe und Direktor der Königlichen Museen zu Berlin (1880–1905).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richard Schöne begann 1858 sein Studium der Fächer Klassische Philologie und Philosophie an der Universität Leipzig, wo er 1861 bei Christian Hermann Weisse mit der Dissertation Über Platons Protagoras: Ein Beitrag zur Lösung der platonischen Frage promoviert wurde. Anschließend begann er eine Malerausbildung im Atelier von Friedrich Preller in Weimar, wandte sich jedoch bald wieder der wissenschaftlichen Laufbahn zu und unternahm 1864 eine Studienreise nach Italien, wo er in Rom mit Otto Benndorf und Reinhard Kekulé von Stradonitz bekannt wurde. Diese Begegnung brachte ihn zu seiner lebenslangen Beschäftigung mit der antiken Kunst, die Schöne schon damals mit zahlreichen Aufsätzen begann. Noch im Jahr seiner Rückkehr nach Deutschland (1868) habilitierte er sich in Berlin mit der Schrift Quaestionum Pompeianarum specimen für Archäologie und erhielt kurz darauf einen Ruf an die Universität Halle als außerordentlicher Professor, dem er 1869 folgte. Drei Jahre später verließ er die Universität, um in Berlin als Referent für Kunstangelegenheiten im Preußischen Kultusministerium zu arbeiten. Bereits ab 1878 vertrat er den beurlaubten Direktor der Königlichen Museen, Guido Graf von Usedom, dem er 1880 ins Amt folgte.

Während des Vierteljahrhunderts, in dem Schöne Direktor war, nahmen die Berliner Museen einen bemerkenswerten Aufschwung. Er sorgte für die systematische Vermehrung und Aktualisierung der älteren Bestände durch Einzelkäufe, Erwerbungen großer Sammlungen und Grabungen. Für die neuen Abteilungen der Museen initiierte er auch aufwändige Neubauprojekte. Dabei kam ihm nicht nur der wirtschaftliche Aufschwung der Gründerjahre zugute, sondern auch die Unterstützung des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Eine wichtige Neuerung Schönes war die Reorganisation der Museen, die er mit seinem Statut von 1878 auf den Weg brachte. Er räumte den Direktoren größere Selbständigkeit gegenüber dem Generaldirektor und eigene Finanzmittel ein. Seine Leistungen waren nicht allein lenkender, sondern vor allem vermittelnder Natur. Diese in der Tradition liberal-bürgerlicher Kulturpolitik garantierte weitgehende Abteilungsautonomie legte den Grundstein zum Aufstieg der Berliner Museen zu weltweiter Bedeutung. Adolf Bastian baute nicht zuletzt dank der durch das Intervenieren von Richard Schöne immer wieder neu organisierten Expeditions- und Erwerbungsmittel, das Berliner Museums für Völkerkunde zu einem weltweit einzigartig enzyklopädischen Institut auszubauen. Schöne überzeugte auch Bismarck, Schliemanns dem „deutschen Volk“ geschenkte trojanische Altertümer in den Bestand des Museums für Völkerkunde zu überführen. Schöne bereicherte die Berliner Antikensammlung um zahlreiche Funde der Pergamon-Nachfolgegrabungen in Magnesia am Mäander, Priene und Milet und gründete schließlich 1899 insbesondere für die Funde aus den Grabungen der Deutschen Orientgesellschaft das Vorderasiatische Museum.

Auch außerhalb Berlins zeigte sich Schönes Einfluss: Er brachte die Provinzialrömische Archäologie entscheidend voran, indem er die Gründung der Provinzialmuseen in Bonn (1876) und Trier (1877) anregte und sich für die Gründung der Römisch-Germanischen Kommission beim Deutschen Archäologischen Institut einsetzte (1902). Bereits in diesen Jahren erhielt er reiche Anerkennung, darunter die Ehrenmitgliedschaft der Preußischen Akademie der Wissenschaften (1900), die Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rat und die Verleihung des Kronenordens I. Klasse.

Mit Friedrich Althoffs Eintritt ins Kultusministerium stieß Schöne bei seinen Bemühungen auf immer stärkeren Widerstand. Nach zahlreichen Auseinandersetzungen über die moderne impressionistische Malerei entzog ihm Kaiser Wilhelm II. schrittweise das Vertrauen. Schließlich reichte Schöne 1905 seinen Abschied ein. Bis an sein Lebensende lebte er zurückgezogen in seiner von Alfred Messel entworfenen Villa in Grunewald, wo er sich besonders seinen philologischen Forschungen über Aeneas Tacticus widmete. Er starb am 5. März 1922 und ist auf dem Friedhof Grunewald beigesetzt. Sein Nachlass befindet sich im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Erinnerung an Schönes Leistung immer mehr in den Hintergrund gedrängt, nicht zuletzt durch die stark tendenziösen Memoiren seines Nachfolgers Wilhelm von Bode.

Die 1994 begründete, institutionell unabhängige Richard-Schöne-Gesellschaft für Museumsgeschichte e. V. trägt ihren Namen in Erinnerung an den ersten bürgerlichen, wissenschaftlich ausgebildeten Generaldirektor der heutigen Berliner Staatlichen Museen.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schöne heiratete am 6. Mai 1869 in der Leipziger Nikolaikirche Cäcilie Härtel (* 10. Mai 1842 in Leipzig; † 26. April 1870 in Halle/Saale), eine Tochter des Musikverlegers Hermann Härtel (1803–1875). Dieser Ehe entstammte der Philologe Hermann Schöne. Nach deren Tod ehelichte er am 15. April 1873, ebenfalls in der Leipziger Nikolaikirche, ihre Schwester, die geschiedene Helene Wigand geb. Härtel (* 1. Juni 1844 in Leipzig, † 26. Juni 1928 in Berlin). Sie war zuvor mit dem Buchhändler Albrecht Wigand verheiratet, einem Sohn des Buchhändlers Georg Wigand. Der zweiten Ehe entstammte der Landrat Friedrich Schöne.

Schönes Bruder war der Philologe und Literaturhistoriker Alfred Schöne.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Richard Schöne – Quellen und Volltexte