Richard Woltereck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Richard Woltereck (* 6. April 1877 in Hannover; † 23. Februar 1944 in Seeon (Seeon-Seebruck)) war ein deutscher Zoologe und Hydrologe. Als einer der ersten wies er auf das biologische Gleichgewicht und die Ökologie bzw. das Ökosystem hin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er studierte 1895 bis 1898 Naturwissenschaften und Medizin in Leipzig und Freiburg/Br. und nahm 1898 an einer Tiefsee-Expedition bei Kamerun teil. Die Promotion erfolgte 1898 zum Dr. phil. in Zoologie an der Universität Freiburg Zur Bildung und Entwicklung des Ostrakoden-Eies. 1901 erfolgte die Habilitation für vergleichender Anatomie und Zoologie an der Universität Leipzig über den feineren Bau der Polygordius-Larve der Nordsee und die Entstehung des Annelids in derselben. 1901 bis 1905 war er Privatdozent für Zoologie und Vergleichende Anatomie an der Universität Leipzig, 1905 bis 1909 ao. Professor für Zoologie und 1909 bis 1944 o. Professor für Zoologie an der Universität Leipzig. Er begründete die Internationale Revue der gesamten Hydrobiologie und Hydrographie. Er war seit 1933 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Wisconsin Academy of Sciences, Arts and Letters. 1933 unterzeichnete er das Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler.

Woltereck war nach 1915 von der Schweiz aus mit Hermann Hesse in der Kriegsgefangenenfürsorge, speziell der Versorgung mit Lektüre, tätig. Woltereck verhinderte Hesses Einberufung 1917. Er gab 1919 mit ihm und Franz Carl Endres eine pazifistische und lebensreformerische Zeitschrift Vivos voco. Zeitschrift für neues Deutschtum heraus und arbeitete im Internationalen Versöhnungsbund um Arthur Pfeifer mit. Im Dienste der Zeitschrift, die nach Hesses Ausscheiden den Titel Werkland erhielt, gründete er das Deutsche Fürsorgebüro in Leipzig und einen Jugendhof in Holzhausen (Leipzig), der kriegsgeschädigten Kindern Unterkunft, Arbeit und Bildung bot. In Seeon am Chiemsee leitete er 1926 ein Biologisches Laboratorium und richtete einen Werklandhof ein. 1919 begründete er zahlreiche Volkshochschulen in Sachsen und Thüringen mit.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht allgemeinverständlich formuliert. Die Mängel sind unter Diskussion:Richard Woltereck beschrieben. Wenn du diesen Baustein entfernst, begründe dies bitte auf der Artikeldiskussionsseite und ergänze den automatisch erstellten Projektseitenabschnitt Wikipedia:Unverständliche Artikel#Richard Woltereck um {{Erledigt|1=~~~~}}.

Woltereck beobachtete über viele Jahre das Verhalten von Kleinkrebsen unter den verschiedensten Lebensbedingungen und stellte fest, dass diesen jeweils ganz spezifische vererbliche Gestalt- und Verhaltensnormen zu eigen waren. Mit einer rein kausal-materialistischen Erklärung schien ihm dieses Verhalten nicht vereinbar zu sein

Wie Driesch für die Gestaltung der Lebewesen nichtmaterielle Entelechien postulierte, war auch Woltereck der Meinung, dass unräumliche leitende Faktoren im lebendigen Geschehen unabdingbar seien. Er schrieb den Lebewesen, die er als "subjektische Zentren" sah, ein "Innen" zu, das vor allem die Determinanten (Normen, Imagoide, Ideen) für deren Werden und Sein enthält. Der Schwierigkeit, wie immaterielle Faktoren auf materielle Prozesse einwirken können, begegnete er mit Berufung auf Lotze mit dem "Gelten" dieser Determinanten, gleich wie im anorganischen Bereich die "Konstanten" das Wesen der Dinge mitbestimmen. Diese Ideen baute Woltereck in seinem Hauptwerk "Die Ontologie des Lebendigen" (1940) philosophisch weiter aus zu einem "Monismus des Einen, Ganzen, Progressiven Geschehens". Ein Hauptgesichtspunkt in seinen Überlegungen ist die Anamorphose, die Tatsache, dass das Lebendige im Lauf seiner Geschichte sich immer reicher differenziert und "höher" entwickelt, es ist eine Richtung zur Sublimierung vorgezeichnet. Das Lebendige besteht aus Prozessen. Diese verlaufen durchwegs kausal-mechanisch. Sie bilden den "Apparat", der in seinem Wesen aber von Innen, von den geltenden Determinanten bestimmt wird. Alles Lebensgeschehen komme aus einer Vielheit innerer vitaler Faktoren und Tendenzen zustande. Diese seien es, die den physiologischen Energie- und Stoffwechsel dirigieren und benutzen und aus physikalisch-chemischen Vorgängen Leben machen - Lebendigkeit sei ein zutiefst unräumlicher Vorgang.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Variation und Artbildung. Analytische und experimentelle Untersuchungen an pelagischen Daphnidne und anderen Cladoceren, Bern 1919.
  • Grundzüge der allgemeinen Biologie. Die Organismen als Gefüge, Getriebe und Normen, Stuttgart 1932.
  • Philosophie der lebendigen Wirklichkeit, 2 Bde., Stuttgart 1932–1940
    • Grundzüge einer allgemeinen Biologie, 1932
    • Ontologie des Lebendigen, 1940 (Hermann Keyserling, Das Erbe der Schule der Weisheit, 1942 bezieht sich darauf.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jonathan Harwood: Weimar Culture and Biological Theory: A Study of Richard Woltereck (1877-1944), 1996

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]