Richard von Schirach

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Richard von Schirach, 2017

Richard von Schirach (* 11. Februar 1942 in München) ist ein deutscher Autor und promovierter Sinologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richard von Schirach ist das vierte und letzte Kind des nationalsozialistischen Reichsjugendführers Baldur von Schirach mit Henriette von Schirach; er hat eine Schwester (Angelika) und zwei Brüder (Klaus und Robert). Nach Internat und Abitur an der damaligen Oberrealschule in Ansbach studierte er in München.

Richard von Schirach kannte seinen Vater nicht bewusst, bevor dieser verhaftet wurde. Er erhielt von ihm über tausend Briefe aus der Haft in Spandau, in denen jedoch aufgrund der strengen Zensur nicht über die Vergangenheit des Vaters oder sonstige politische oder zeitgeschichtliche Themen geschrieben werden durfte. Er durfte seinen Vater einige Male im Militärgefängnis Spandau unter strengen Auflagen besuchen (z. B. war keinerlei Körperkontakt erlaubt). Nach der Entlassung des Vaters im Jahr 1966 kam es jedoch nicht zu der vom Sohn ersehnten Aussprache. Seine Kindheit bis Studentenzeit im Schatten des Vaters, als Nazi-Kind in der Nachkriegszeit, beschrieb er 2005 in einem autobiografischen Bericht.

Ernst Piper schrieb über das Buch: „Schirach beschreibt seine Kindheits- und Jugendjahre, die Zeit, in der der Vater abwesend war und oft auch die Mutter, eine Zeit voller Veränderungen und nicht ohne Geldsorgen. Es ist dies ein Buch von bemerkenswerter Beobachtung und Lebensklugheit, glänzend geschrieben, eine Autobiografie von literarischem Rang.“[1]

2012 erschien Schirachs Sachbuch Die Nacht der Physiker.

Schirach war mit einer Schweizerin verheiratet und hat zwei Kinder: seine Tochter Ariadne von Schirach (* 1978) ist ebenso als Autorin erfolgreich wie sein Sohn (* 1984), der den Namen Benedict Wells angenommen hat.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pu Yi: Ich war Kaiser von China: Vom Himmelssohn zum neuen Menschen. Hrsg. und aus dem Chinesischen übersetzt von Richard von Schirach und Mulan Lehner. Hanser, München 1973.
  • Hsü Chih-mo und die Hsin-yüeh-Gesellschaft: Ein Beitrag zur Neuen Literatur Chinas. Dissertation, Universität München, 1974.
  • Der Schatten meines Vaters. Hanser, München, Wien 2005, ISBN 3-446-20669-8
  • Die Nacht der Physiker: Heisenberg, Hahn, Weizsäcker und die deutsche Bombe.[2] Berenberg, Berlin 2012, ISBN 978-3-937834-54-2; als Taschenbuch Rowohlt, Reinbek 2014, ISBN 978-3-499-61642-6.
  • Der Mann der die Erde wog, Bertelsmann, München 2017, ISBN 978-3-570-10258-9

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Piper: Die furchtbare Familie. (Memento vom 24. Mai 2006 im Internet Archive) In: Der Tagesspiegel. 7. November 2005.
  2. Uwe Stolzmann: Wie es fast zur Atombombe kam. Deutschlandradio Kultur, 29. November 2012; Rezension; abgerufen 11. März 2015