Richtfunkanlage Berlin-Frohnau

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Richtfunkanlage Berlin-Frohnau
Sendeturm und -mast
Sendeturm und -mast
Basisdaten
Ort: Berlin-Frohnau
Land: Berlin
Staat: Deutschland
Verwendung: Fernmeldeanlage
Zugänglichkeit: Sendeanlage öffentlich nicht zugänglich
Besitzer: Deutsche Funkturm
Daten der Sendeanlage
Anzahl der Türme/Masten: 1
Höhe der Türme/Masten: 117,5 m
Bauzeit der Sendeanlage: 1971–1972
Betriebszeit der Sendeanlage: seit 1972
Wellenbereich: UKW-Sender
Sendetyp: Mobilfunk
Positionskarte
Richtfunkanlage Berlin-Frohnau (Berlin)
Richtfunkanlage Berlin-Frohnau
Richtfunkanlage Berlin-Frohnau
Koordinaten: 52° 39′ 10,8″ N, 13° 17′ 45,6″ OVorlage:Infobox Sendeanlage/Wartung/Formatierungsfehler Lagepunkt

Die Richtfunkanlage Berlin-Frohnau mit ihrem 117,5 Meter hohen Sendeturm befindet sich im Norden Berlins im Ortsteil Frohnau. Betreiber und Eigentümer der Richtfunkanlage war die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG), einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom mit Sitz in Münster. Die Anlage dient heute überwiegend dem Mobilfunk.[1] Weder vom großen noch vom kleinen Turm wurden jemals Fernseh- oder UKW-Hörfunkprogramme gesendet.

Sendeturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Richtfunkanlage Berlin-Frohnau bestand aus einem 117,5 Meter hohen freistehenden Stahlfachwerkturm, der von 1971 bis 1972 für 2,5 Millionen Mark erbaut wurde. Der Turm hatte ein Eigengewicht von 400 Tonnen und für sein Fundament wurden an den vier Stützen jeweils 100 m³ Beton verbaut.

Sendemast[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bauarbeiten für den 358,6 Meter hohen Richtfunkmast begannen am 16. März 1977. Am 30. Mai 1978 fand das Richtfest statt; in Betrieb genommen wurde der Mast am 16. Mai 1980. Seine Errichtung kostete 11,5 Millionen Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 13 Millionen Euro).[2] Er ermöglichte bis zur deutschen Wiedervereinigung eine Richtfunkverbindung zwischen West-Berlin und der alten Bundesrepublik Deutschland über das Gebiet der DDR hinweg, wobei die Gegenstelle der Richtfunkverbindung der Sendemast Gartow 2 nahe dem niedersächsischen Gartow auf dem Höhbeck war. Mit der Luftlinie zwischen Berlin-Frohnau und Gartow wurde die annähernd geringste Entfernung zwischen West-Berlin und Westdeutschland genutzt, sie beträgt rund 133 Kilometer. Die Höhe des Turms – und seines Gegenturms – resultierte aus der Notwendigkeit, die Erdkrümmung zu überwinden.

Die zehn Radiofrequenzpaare im Bereich zwischen 5 und 8 Gigahertz konnten gleichzeitig bis zu 11.700 Telefonate übertragen. Das Eigengewicht des Mastes betrug 920 Tonnen, das Gewicht der insgesamt 3,8 Kilometer langen Abspannseile betrug 250 Tonnen. In dem Mast gab es einen Aufzug, der bis in eine Höhe von 325 Metern fuhr. An der Basis hatte der Turm eine Abmessung von 4,3 Meter × 4,3 Meter. In den Fundamenten wurden insgesamt 2000 m³ Beton verbaut.

Der Sendemast war nach dem Fernsehturm das zweithöchste Bauwerk Berlins und das vierthöchste Deutschlands. Er verfügte nahe seiner Spitze über einen 4 Meter × 5 Meter großen Betriebsraum für die Richtfunkgeräte. Dieser Raum war zusammen mit dem Betriebsraum des weitestgehend baugleichen, kleineren Sendemastes Gartow 2 der am höchsten über dem Erdboden gelegene geschlossene Raum aller Bauwerke im EU-Raum. Er war mit einem Fahrstuhl zu erreichen, der für die Fahrt acht Minuten benötigte.

Die Abhörsicherheit, die von der Anlage erwartet wurde, erwies sich später als Illusion. Bis zur Inbetriebnahme dieser Anlage war eine Verbindung nur mit Hilfe der störungsanfälligen Technik des Überhorizont-Richtfunks möglich, wie sie beim niedrigeren Sendeturm eingesetzt wurde. Nach der Wiedervereinigung wurden die Richtfunkstrecken außer Betrieb genommen und die Parabolantennen abgebaut. Allerdings erfolgte in der ersten Hälfte der 1990er Jahre noch eine Nutzung des großen Mastes für den Richtfunk der Bundeswehr.

Da der Erhalt des Turmes hohe Unterhaltskosten verursachte und keine Nutzungsmöglichkeiten mehr bestanden, beantragte der Eigentümer im Jahr 2008 eine Abrissgenehmigung. Am 8. Februar 2009 wurde der Mast gesprengt.[3]

MW-Antenne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei „stacked total suspended matter (TSP) heads“

Während der IFA 2001 fanden in Frohnau Versuchssendungen im DRM-Modus auf der Mittelwellenfrequenz 1485 kHz statt. Da keiner der beiden Antennenträger in Frohnau für die Abstrahlung von Mittelwellen konzipiert wurde, wurde hierfür eine Langdrahtantenne an einem zehn Meter hohen Mast errichtet. Die Sendungen wurden in Gleichwelle mit Schäferberg und Rüdersdorf durchgeführt.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Funkanlage Berlin-Frohnau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Details zu den Mobilfunksendern
  2. Infoseite über den Richtfunkmast
  3. Video der Sprengung des Sendemastes