Ried (Dollnstein)

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Ried
Koordinaten: 48° 50′ 41″ N, 11° 3′ 47″ O
Einwohner: 69 (25. Mai 1987)
Eingemeindung: 1. Januar 1971
Eingemeindet nach: Dollnstein (als Ortsteil von Haunsfeld)
Postleitzahl: 91795
Vorwahl: 08422

Ried ist ein Gemeindeteil des Marktes Dollnstein im oberbayerischen Landkreis Eichstätt im Naturpark Altmühltal.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt circa 3 km südlich von Dollnstein im Wellheimer Trockental an der Staatsstraße 2047.

Ortsnamensdeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsnamen steckt das althochdeutsche „Hriot“ für Ried, Sumpf, moorige Wiese.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Forst Beixenhart befindet sich auf einem Bergsporn eine hallstattzeitliche Abschnittsbefestigung, der „Hünenring“, ein etwa 150 m langer, hufeisenförmiger verfallener Steinwall. Aus der Altsteinzeit stammt die ebenfalls in der Nähe gelegene Höhlenruine Beixenstein.[2] In ihr fanden Archäologen neben anderem Artefakten auch Faustkeile aus der Zeit des Neandertalers. 1962 wurde in der Dorfflur ein „besonders gut gearbeitetes Silexgerät“ gefunden, eine Stielspitze aus Jurahornstein der Kultur des Spät-Périgordien.[3]

Die erste urkundliche Nachricht über Ried datiert vom 1. Juli 1351; in dem Testament einer „Mathilde die Wilbrand“ ist von einem Hofe zu Ried die Rede, der dem Augustiner-Chorherrenstift Rebdorf zinste.[4] Nachdem 1440 das Hochstift Eichstätt Dollnstein erworben hatte, gehörte auch Ried zu dem dort errichteten fürstbischöflichen Kastenamt. Am Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand Ried aus zwölf Anwesen, nämlich zwei Halbhöfen, einem Köblergut und neun Seldengüter, die sämtlich nach dem Pfleg- und Kastenamt Dollnstein zinsten, das auch die Dorf- und Gemeindeherrschaft und die Hohe Gerichtsbarkeit ausübte.[5] Die Gemeinde unterhielt einen Hirten.[6]

Nach der Säkularisation des Hochstifts Eichstätt gehörte Ried ab 1802 zum Kurfürstentum Bayern, ab 1803 zur Herrschaft des Erzherzogs Ferdinand III., Großherzog von Toskana und Kurfürst von Salzburg, und ab 1806 zum neuen Königreich Bayern und dort zur Gemeinde Haunsfeld des 1808 gebildeten Steuerdistrikts Dollnstein des dortigen Rentamtes. Zwar bestanden Pläne, Ried wieder die Eigenständigkeit zu geben - vermutlich geschah dies sogar 1809/10 -, aber mit dem Gemeindeedikt von 1818 findet sich das Dorf erneut bei der Gemeinde Haunsfeld.[7] In leuchtenbergischer Zeit (1817–1833) erfolgte 1824 eine Trennung der beiden Orte, die 1830 rückgängig gemacht wurde.[8] Die Volkszählung im Königreich Bayern am 1. Dezember 1875 erbrachte für Ried 68 Einwohner, 21 Gebäude, an Großvieh fünf Pferde und 90 Stück Rindvieh.[9]

Der 1906 begonnene Bau der Lokalbahn Dollnstein-Rennertshofen war bis Ende 1913 von Dollnstein aus bis Ried fortgeschritten; am 18. Mai 1916 wurde die gesamte Strecke dem Verkehr übergeben. Heute ist sie nach ihrer Stilllegung in den 1960er Jahren und dem Abbau der Schienen streckenweise zu einem Radweg umgestaltet - so auch die Trasse bei Ried, nachdem ab Mitte der 1980er Jahre bis 1993 noch Museumszüge eines „Vereins zur Erhaltung historischen Eisenbahnmaterials“ verkehrt waren. Der Bahnhof Ried existierte nur als eine Unterstellhütte bei einem Baum.[10] 1965 wurde eine zentrale Wasserversorgung mit einem Tiefbrunnen und einem Hochbehälter von einhundert Kubikmetern in Betrieb genommen. Der Tiefbrunnen wurde 1985 stillgelegt, die Wasserversorgung geschieht seitdem von Dollnstein aus.[11]

Die Gemeinde Haunsfeld wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern am 1. Januar 1971 aufgelöst; Haunsfeld kam zum Markt Mörnsheim, Ried dagegen wurde zusammen mit dem dritten Haunsfelder Gemeindeteil Groppenhof mit diesem Datum in den Markt Dollnstein eingemeindet.[12] In den 1970er Jahren wurde die Ortsflur von 153 Hektar Größe flurbereinigt; die Schlussfeststellung erfolgte 1982.[13]

Das noch heute weitgehend bäuerliche Dorf hatte um 1980 vier landwirtschaftliche Vollerwerbes- und zwei Nebenerwerbsbetriebe.[14] In der örtlichen Gaststätte war Bundeskanzler Gerhard Schröder mehrmals zu Gast.[15]

Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1987: 69 (17 Wohngebäude, 21 Wohnungen)[21]

Ortskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese wurde 1728 von der Gemeinde erbaut und 1977 gründlich renoviert.[22] Das Dorf gehört seit altersher zur Pfarrei St. Peter und Paul in Dollnstein im Bistum Eichstätt.

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Ried ranken sich mehrere Sagen, so „Der Teufel um Ried“ bzw. „Der betrogene Teufel“ und „Die Sage vom Kellerfelsen“.[23]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Eichstätter Raum in Geschichte und Gegenwart, Eichstätt: 2. Auflage 1984, S. 275.
  • Dollnstein. 600 Jahre Markt. Kipfenberg: Hercynia Verlag, 1987.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sammelblätter des Historischen Vereins Eichstätt 45 (1930), S. 83
  2. 1000 Jahre Dollnstein, abgerufen am 7. November 2012
  3. L. Zotz: Eine Stielspitze westeuropäischen Typs aus dem Altmühltal. In: Germania 42 (1964), S.1 ff.
  4. Historische Blätter für Stadt und Landkreis Eichstätt 2 (1953), Nr. 19, S. 36
  5. Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6. Eichstätt. Beilngries - Eichstätt - Greding, München 1959, S. 137
  6. Johann Kaspar Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. IV. Bd., Ulm, Stettinische Buchhandlung, 1801, Spalte 137
  7. Dollnstein. 600 Jahre Markt, S. 156 f.
  8. Hirschmann, S. 195
  9. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern... nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Decbr. 1875, München 1876, Spalte 1174
  10. Dollnstein. 600 Jahre Markt, S. 201 f.
  11. Dollnstein. 600 Jahre Markt, S. 178
  12. Dollnstein. 600 Jahre Markt, S. 162
  13. Dollnstein. 600 Jahre Markt, S. 172
  14. Eichstätter Raum, S. 275
  15. Eichstätter Kurier vom 19. November 2002
  16. Eichstätter Raum, S. 275
  17. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern... nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Decbr. 1875, München 1876, Spalte 1174
  18. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern... [nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dez. 1900], München 1904, Sp. 1172
  19. Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band, Eichstätt: Brönner & Däntler, 1937, S. 179
  20. Eichstätter Raum, S. 275
  21. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München 1991, S. 81
  22. Buchner I, S.177; Eichstätter Raum, S. 275
  23. Historische Blätter für Stadt und Landkreis Eichstätt 22 (1973), S. 18 f.; Heimgarten 26 (1955), Nr. 9