Riede (Bad Emstal)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Riede
Gemeinde Bad Emstal
Koordinaten: 51° 12′ 31″ N, 9° 15′ 16″ O
Höhe: 281 (259–301) m ü. NHN
Fläche: 5,62 km²[1]
Einwohner: 306 (31. Dez. 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 54 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 34308
Vorwahl: 05624
Blick vom Sportplatz auf Riede
Ortseingang Elbenberger Straße

Riede ist ein Dorf im Landkreis Kassel in Nordhessen und mit etwa 300 Einwohnern der kleinste Ortsteil der Gemeinde Bad Emstal. Riede liegt südlich des Hauptortes Sand im Naturpark Habichtswald. Östlich des Dorfes verläuft die Bundesstraße 450 von Fritzlar nach Wolfhagen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortskern von Riede, mit ehemaliger Synagoge
Schloss Riede (2017)

1074 wird der kleine Ort im Güterregister des Klosters Hasungen erstmals urkundlich als Riethun im Besitz des Klosters Merxhausen erwähnt.[1] 1261 erfuhr der Ort Erwähnung, als der Mainzer Erzbischof Werner den Zehnten zu Berningeshusen und zu Riede, bis zu diesem Zeitpunkt von dem Ritter Gerlach von Grifte als kurmainzisches Lehen gehalten, dem Augustinerinnenkloster Fritzlar schenkte. 1356 gab Landgraf Heinrich II. Riede den Herren von Wehren zu Lehen. 1443 kauften die von Meysenbug Riede und trugen es seitdem zu Lehen. Sie residierten von 1443 bis 1810 im Schloss Riede. Mit dem Tod von Heinrich von Meysenbug im Jahre 1810 fiel Riede an den damaligen Landesherren, Jérôme Bonaparte, König des napoleonischen Königreichs Westphalen, der es bereits sieben Wochen später seinem Großstallmeister, dem zum Grafen von Ried(e) ernannten General Philippe François Maurice d’Albignac schenkte. Der erfreute sich des Besitzes aber nicht lange, denn er fiel bald bei König Jérôme in Ungnade, kehrte nach Frankreich zurück und starb 1824 in Paris. Nach der Restitution des Kurfürstentums Hessen-Kassel im Jahre 1813 zog Kurfürst Wilhelm I. die Herrschaft Riede als erledigtes Lehen ein und bot sie dem Generalleutnant Wilhelm Engelhard an, dem Sohn des hessischen Historiographen Regnerus Engelhard, mit gleichzeitiger Verleihung des erloschenen Meysenbugschen Adelstitels. Engelhard lehnte jedoch ab. 1815 übertrug Wilhelm I. das Schloss seinem Sohn, dem Kurprinzen Wilhelm II., den er 1819 für vier Wochen mit seiner Mätresse Emilie Ortlöpp dorthin verbannte. Erbittert bot der Kurprinz Riede, das er bis dahin sorgsam gepflegt und in Stand gehalten hatte, dem Lombardassessor Reusch für 40.000 Taler an, der aber ablehnte. Das Schloss und Gut kamen dann für 34.000 Taler an den Kammerherrn von Buttlar zu Elberberg, der 1825 ein Familienfideikommiss daraus machte. Von 1825 bis 2007 waren Gut und Schloss im Besitz der Herren von Buttlar. Das Schloss ist heute in Privatbesitz, wurde von 2009 bis 2010 renoviert und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

1959 entstand das Dorfgemeinschaftshaus. Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen verlor Riede am 31. Dezember 1971 seine Eigenständigkeit und bildet seitdem zusammen mit Balhorn, Merxhausen und Sand die Gemeinde Bad Emstal.[3]

Burg und Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Riede, Parkseite (2005)
Evangelische Kirche Riede

Anstelle einer Burg entstand um 1563/1564 das Renaissanceschloss am westlichen Ortsrand unterhalb des Klauskopfes. Im Schloss sind noch Keller und Außenmauern aus dem 12/13. Jahrhundert erhalten. Es wird zudem angenommen, dass sich dort vorher Reste eines früheren Klosters befunden haben. 1678 und Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Schloss umgebaut und erweitert. Im 19. Jahrhundert, beim Umbau des Südflügels, wurde eine romanische Kapelle abgebrochen.[4]

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 18. Jahrhundert bestand eine jüdische Gemeinde im Ort. Etwa ab dem Jahre 1845 bestanden eine Synagoge und eine jüdische Schule in einem Anbau eines Hauses in der Elbenberger Straße 3 (ehemals Hauptstraße 16); das Gebäude wurde 1910 verkauft. Während des 19. Jahrhunderts lebten dreißig und mehr jüdische Personen im Ort. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts werden noch etwa 32 jüdische Einwohner erwähnt. Während der Zeit des Nationalsozialismus endet die Geschichte der jüdischen Gemeinde mit der Vertreibung bzw. Ermordung ihrer Mitglieder.[5]

Kirchengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1670er Jahren ließen Wolrad von Meysenbug und seine Gemahlin Elisabeth geb. Robinson die barocke Saalkirche errichten. Sie war Patronatskirche des Rieder Schlosses. Am 18. Mai 1674 wurde sie in Anwesenheit des Landgrafen Karl und seiner Mutter, der vormundschaftlichen Regentin Hedwig Sophie, geweiht. Auf einer Steintafel über der Eingangstür finden sich die Wappen der Familien von Meysenbug und Robinson. Der aufgesetzte Glockenturm enthält zwei Glocken. Die größere, eine Stahlglocke, ist vermutlich Mitte bis Ende der 1940er Jahre hergestellt worden. Die zweite, eine kleinere Bronzeglocke, stammt aus dem Jahr 1574 und befand sich vermutlich in einem Vorgängerbau im Bereich des Schlosses. Der Innenraum wurde Mitte der 1980er Jahre renoviert, Turmhaube und Wetterfahne wurden 1988 saniert.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I, 1. Aufl. Deutscher Kunstverlag 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 717.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 33.
  • Generalmajor z. D. Eisentraut: Vortrag am 19. Februar 1917 über „die Herren von Meysenbug“. In: Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Jahrgang 1916/17, Kassel, 1917, S. 36

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Riede – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Klauskopf – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Riede, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 6. April 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Einwohnerentwicklung im Internetauftritt der Gemeinde Bad Emstal (Memento des Originals vom 16. Januar 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bad-emstal.de, abgerufen im Juli 2016.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 411.
  4. Burg Riede, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Synagoge Riede - alemannia-judaica.de
  6. Kirche Riede, bei Kirchenkreis Fritzlar (Memento des Originals vom 12. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kirchenkreis-fritzlar.de
  7. Karten und Daten des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  8. Lucius Burckhardt: Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft. Martin Schmitz Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3-927795-42-6, S. 260.
  9.  Info: Bitte auf Vorlage:HessBib umstellen, um auch nach 2015 erfasste Literatur zu selektieren!