Rieden (Eifel)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Rieden
Rieden (Eifel)
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Rieden hervorgehoben
Koordinaten: 50° 24′ N, 7° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mayen-Koblenz
Verbandsgemeinde: Mendig
Höhe: 380 m ü. NHN
Fläche: 9,1 km2
Einwohner: 1226 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 135 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56745
Vorwahl: 02655
Kfz-Kennzeichen: MYK, MY
Gemeindeschlüssel: 07 1 37 093
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Marktplatz 3
56743 Mendig
Webpräsenz: www.rieden-eifel.de
Ortsbürgermeister: Andreas Doll
Lage der Ortsgemeinde Rieden im Landkreis Mayen-Koblenz
Karte

Rieden ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Mendig an. Der in einem alten Vulkankessel (Caldera) gelegene Ort wird auch als Steinmetzdorf bezeichnet. Rund um den Ort wird der sog. Riedener Tuff, ein vulkanischer Tuff abgebaut.

Der Luftkurort Riedener Mühlen ist ein Ortsteil von Rieden.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Rieden liegt ca. 40 km nordwestlich der Stadt Koblenz und ca. 13 km nördlich der Stadt Mayen.

Die Landschaft der vulkanischen Osteifel ist geprägt durch die Schlackenkegel der ehemaligen Vulkane und tief eingeschnitte Täler, die in der letzten Eiszeit entstanden sind. Die Ortschaft liegt in einer Höhe zwischen 337 m ü. NHN (Riedener Mühlen) und annähernd 556 m ü. NHN (Anhöhe Eselsmorgen). Der Ortskern im Verlauf der Kirchstraße liegt bei einer Höhe von 380 m.

Der Ort selbst liegt in einem Talkessel (ehemaliger Vulkankessel, sog. Caldera), der durch Vulkanismus entstanden ist. So befinden sich auf der Fläche der Gemeinde neun Schlackenkegel, wobei der Burgberg (522,6 m ü. NHN) der größte von ihnen ist. Die Entstehung des Riedener Kessels ist vergleichbar mit der des Laacher Sees. Ähnlich wie beim Vulkan des Laacher Sees hat im Kessel lange Zeit zwischen den Eruptionen ein See existiert.

Die durch die vulkanische Tätigkeit Vulkaneifel genannte Region ist aufgrund der Auswürfe der Vulkane reich an vulkanischem Gestein, das sowohl in der Vergangenheit als auch heute noch abgebaut wird, industriell und handwerklich verarbeitet wird und weit über die heimische Region hinaus Verbreitung findet.

Der Ort breitet sich überwiegend auf der Talsohle des Talkessels mit teilweiser Hangbebauung in West-Ost-Richtung aus.

Die Gemeinde hat eine Fläche von 9,1 km2. Mit einer Einwohnerzahl von 1222 (Stand 31. Dezember 2011) entspricht dies einer Bevölkerungsdichte von 134 Einwohner pro km2.

Die Gemeinde wird vom Rehbach durchflossen, der das Tal entwässert. Nach etwa 1 km mündet er zunächst in den Waldsee Rieden. Nach seinem Auslauf aus dem See verläuft der Bach einen weiteren Kilometer durch das Riedener Tal, um im Ortsteil Riedener Mühlen in die Nette zu münden.

Rieden verfügt über ein großes Grundwasservorkommen, was auf das Tuffgestein im Untergrund zurückzuführen ist, da dieses Gestein wie ein Schwamm wirkt und das Regenwasser speichert.[2] Neben der Eigenversorgung mit Trinkwasser stellen die Quellen auch die Versorgung der umliegenden Städte und Gemeinden (z. B. die Kreisstadt Mayen) sicher. Sichtbares Zeichen des hohen Grundwasservorkommens sind einige kleine offene Quellen an Hanglagen rund um den Talkessel sowie der Sauerbrunnen im westlichen Ortsteil. Dessen stark eisenhaltiges Wasser in Trinkwasserqualität tritt durch den Sohledruck ohne Hilfsmittel in einem befestigten Brunnenareal aus der Erde und ist ohne Auflagen genießbar.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der etwa 2 km südwestlich liegende Luftkurort Riedener Mühlen gehört zum Teil zu Rieden. Aufgrund der durch den Ort laufenden Gemeindegrenzen der Ortsgemeinden Kirchwald, Volkesfeld und Rieden ist Riedener Mühlen aus gemeindeverwaltungstechnischer Sicht faktisch dreigeteilt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Rieden geht auf die Bezeichnung „Ridenas“ zurück, die in den ältesten Dokumenten verzeichnet ist. Die Bezeichnung „Ridenas“ ist verwandt mit dem althochdeutschen „ruit, ruiten“, deren Bezeichnung „urbar machen oder urbar gemachtes Stück Land“ ist, so dass dieser Ort auf eine Rodung aus Karolingerzeit zurückzuführen ist. Darauf lassen auch mundartliche Wortformen wie reut, rod, ried oder rath schließen. Heute noch erinnern Riedener Flurnamen daran, so. z. B. die Fluren Rottheck, Finkenroth oder Brandeich. 895 wird Rieden erstmals in einer Urkunde erwähnt. In dieser Schenkungsurkunde einer adligen Witwe und späteren Nonne an die Abtei Echternach werden eine Siedlung und ein Herrenhof aus dem Mayengau in der Rodung „Ridenas“ übertragen. Später werden in einer Stiftungsurkunde der Abtei Laach eine Reihe Anwesen erwähnt, darunter „Rheide“. 1263 übereignet Friedrich von Virneburg den Hof Langenbahn bei Rieden der Abtei Rommersdorf. In der Taxa generalis 1330 und im Visitationsbericht von 1475 ist die Existenz der Kirche erstmals bezeugt. Aufgrund der Verpflichtung einer Steuer war demnach Rieden Pfarrei mit eigener Kirche. 1473 ging Rieden an die Herren zu Breitbach-Bürresheim, die Herrschaft Bürresheim blieb bis Ende des 18. Jahrhunderts und der Eroberung des Linken Rheinufers durch Frankreich im Ersten Koalitionskrieg erhalten.

Mit der Übernahme des Rheinlands durch das Königreich Preußen geriet Rieden 1815 unter deren Verwaltung und wurde der Bürgermeisterei St. Johann (später Niedermendig) zugeordnet. Seit 1970 gehört Rieden der Verbandsgemeinde Mendig im Landkreis Mayen-Koblenz an.[2]

Riedener Mühlen (Gemeinde Rieden, Volkesfeld und Kirchwald) wurde am 7. Juli 1973 zum ersten Luftkurort im Kreis Mayen-Koblenz anerkannt.

Aufgrund des Wasserreichtums waren im Bereich der Gemeinde zwei Mühlen in Betrieb. Die Trennhäuser Mühle im Bereich des Sauerbrunnens und die Hackenbruchsmühle in der Riedener Mühlen. Die Trennhäuser Mühle ist heute zurückgebaut und wird als Wohnhaus genutzt. Die Hackenbruchsmühle ist ebenfalls nicht in Betrieb und nur noch eine Ruine.

Der Riedener Waldsee.

Rieden wird als Pfarrei wie bereits erwähnt in der Taxa generalis 1330 erstmals erwähnt. Eine Kirche bestand nach Ausweis der Bauteile allerdings schon spätestens in romanischer Zeit. Ein Glöckner wird in dem 1225–1227 entstandenen „Dialogus miraculum“ des Caesarius von Heisterbach als „campanarius Reyde“ genannt. 1757 erfolgt ein Erweiterungsbau, bei dem das romanische Schiff ganz niedergerissen wird. Ein zweiter Ausbau erfolgte 1856. Aufgrund der wachsenden Bevölkerung wird um 1900 ein Neubau ins Auge gefasst und ein Bauverein gegründet. Der Neubau verzögert sich aufgrund des Ersten Weltkrieges und wird ab 1923 umgesetzt. Die Konsekration erfolgt am 16. Mai 1930 durch HH. Bischof Fr. Franz Bornewasser. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg konnte der Turm erst 1949 vollendet werden. Fertiggestellt wurden die Arbeiten nach der Neugestaltung des Altarraums und der Weihe des Altars durch den Hochwürdigen Abt von Maria Laach, Basilius Ebel am 4. September 1955. 1989 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt. Hierbei wurden die Außenwände neu verfügt, das Dach neu eingedeckt und der Innenraum renoviert. Der Vorplatz der Kirche wurde im Jahre 2008 neu gestaltet. Der Schutzpatron der Pfarrkirche ist stets der hl. Hubertus gewesen, was auf fränkischen Einfluss hinweist. Die Pfarrkirche ist seit vielen Jahren Aufführungsort der Riedener Passionsspiele.

Der etwa 1 km südwestlich von Rieden liegende Waldsee Rieden wurde nach zwei Jahren Bauzeit am 29. August 1982 eingeweiht. Erste Planungen gehen auf das Jahr 1968 zurück und sollten ein erster Schritt für die infrastrukturelle Erschließung des Raumes Rieden für den Fremdenverkehr sein. Der etwa 4 Hektar große künstliche See ist als Talsperre angelegt und wird im Südwesten durch einen Staudamm begrenzt. Dem See ist ein Filterbecken vorgesetzt. Der See erfüllt die europäische Norm als Badegewässer und wird als Badesee genutzt.

Dem See schließt sich ein Feriendorf [3] an, das 2005 errichtet wurde und seitdem kontinuierlich ausgebaut wird. Gemäß Bebauungsplan werden 100 Ferienhäuser entstehen. Ein Campingplatz und Stellplätze für Wohnmobile sind ebenfalls geplant.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Rieden besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[5]

Wahl SPD CDU FDP Gesamt
2014 4 9 3 16 Sitze
2009 5 9 2 16 Sitze
2004 6 10 16 Sitze

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zählte Rieden zur Herrschaft Bürresheim, die den Freiherren von Breidbach-Bürresheim gehörte. Die von Bürresheim führten in Rot sieben (4:3) zu zwei Balken gestellte goldene Rauten. Sie sind mit dem oberen Balken im Schildhaupt aufgenommen.

Kirchen- und Ortspatron von Rieden ist seit alters her der Heilige Hubertus. Sein Attribut ist ein Jagdhorn. Als Hinweis auf den Ortspatron ist es im unteren Schildteil aufgenommen.

Rieden verfügte früher über eine bedeutende Steinindustrie. Als Hinweis darauf ist im vorderen Schildteil in der Mitte das Zunftzeichen der Steinmetzen wiedergegeben.[4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten / Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Preis Hauptklasse und Auszeichnung im Sonderwettbewerb „Dorfverschönerung durch Verein“ im Jahre 2009

Die Gemeinde genießt die besonderen Fördermöglichkeiten des „Programms zur Dorferneuerung des Landes RLP“.

Der „Riedener Waldsee“ wurde 1982 angelegt und genießt heute die Auszeichnung „Europäisches Badegewässer“. Er lockt zahlreiche Tagesausflügler an, verfügt er nunmehr auch über einen Bootsverleih. Außerdem bildet der „Riedener Waldsee“ den Startpunkt für den „Traumpfad“-Wanderweg „Riedener Waldsee“ sowie für den Geopfad „Riedener Kessel“.

Zahlreiche Ferienunterkünfte (u. a. direkt am See) bieten einen erholsamen Urlaub in der Osteifel – unweit der Großstädte Koblenz und Bonn, sowie der zahlreichen Attraktionen des Vulkanparks.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Rieden führt die Kreisstraße 19 (K 19). Über diese und im weiteren Verlauf über die Bundesstraße 412 (B 412) ist die Anschlussstelle Wehr (AS Wehr, Nr. 33) der Bundesautobahn 61 (A 61) in einer Entfernung von ca. 7 km zu erreichen.

Der öffentliche Personennahverkehr verbindet Rieden mit den Städten Mayen und Bad Neuenahr-Ahrweiler mehrmals täglich.

Energieeinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windpark Weibern-Rieden mit 14 Windkrafträdern.[6] [7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rieden (Eifel) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. a b Quak-Harmes, Maria (Hrsg.): Rieden – Hier steckt unsere Heimat drin. 1. Auflage. Geiger, Horb am Neckar 1995, ISBN 3-89570-017-7.
  3. Feriendorf
  4. a b Internetseite der Ortsgemeinde Rieden
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  6. Rhein-Zeitung vom 30. August 2011
  7. AW-WIKI