Riefensbeek-Kamschlacken

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Riefensbeek-Kamschlacken
Wappen von Riefensbeek-Kamschlacken
Koordinaten: 51° 45′ 11″ N, 10° 22′ 44″ O
Höhe: 360 m
Einwohner: 270 (1. Jul. 2012)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 37520
Vorwahl: 05522
Riefensbeek-Kamschlacken (Niedersachsen)
Riefensbeek-Kamschlacken

Lage von Riefensbeek-Kamschlacken in Niedersachsen

Blick auf Riefensbeek mit Sösetalsperre vom Aussichtspunkt Eleonorenblick
Blick auf Riefensbeek mit Sösetalsperre vom Aussichtspunkt Eleonorenblick

Riefensbeek-Kamschlacken ist der kleinste staatlich anerkannte Erholungsort im Harz sowie Ortsteil der ehemaligen Kreisstadt Osterode am Harz im Landkreis Göttingen in Südniedersachsen, Deutschland. Er liegt an der Söse oberhalb der Sösetalsperre und an der Bundesstraße 498. Haupteinnahmequelle der Bewohner ist der Fremdenverkehr, begünstigt durch die ruhige Lage in einer landschaftlich schönen Umgebung. Von hier aus führt auch der kürzeste Weg zur Hanskühnenburg (2,5 km). Der Harzer Försterstieg endet im Ort.

Die örtliche Nationalpark-Informationsstelle wird vom Harzklub betrieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Kamschlacken

Im 13. und 14. Jahrhundert wurden hier wegen des guten Holzvorrats für Holzkohle und ausreichender Wasserkraft Eisenhütten betrieben. Bergbauversuche scheiterten dagegen und wurden deswegen eingestellt. Später entwickelte sich auch die Forst-, Viehweide- und Milchwirtschaft.

Am 2. Juni 1849 ertappte der in Kamschlacken stationierte Königliche Feldjäger August Schmidt den Bergmann Carl Wagener bei der Wilderei. Wagener verwundete den Feldjäger mit zwei Axthieben am Kopf schwer, dass er lautlos zu Boden stürzte. Er konnte den Wilddieb noch wegen seiner eigentümlichen Hautfarbe erkennen. Aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, schleppte er sich zu seiner Mietwohnung in Kamschlacken, dem späteren Forst- und Wirtshaus, wo er eine Woche später seinen Verletzungen erlag. Der mutmaßliche Täter wurde bald darauf festgenommen, am 23. Mai 1850 in Göttingen zum Tode durch das Schwert verurteilt und am 9. August 1850 außerhalb von Zellerfeld öffentlich hingerichtet.[2]

1850 erfolgte der Zusammenschluss der Dörfer Riefensbeek (Lage) und Kamschlacken (Lage).

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Tourismus – wie überall im Harz – zu einer bedeutenden Einnahmequelle. Am 5. August 1898 erfolgte die Gründung des Harzklub-Zweigvereins. Nachdem der Verein seit 1933 inaktiv war, wurde er 1957 neu gegründet. Von 1958 bis 1974 gab es eine eigene Heimat- und Musikgruppe. Nach 1963 wurden durch ihn viele Wanderhütten, Pavillons und Wanderwege gebaut und betreut.

Am 1. Juli 1972 wurde die Gemeinde Riefensbeek-Kamschlacken, welche bis dahin dem Landkreis Zellerfeld angehörte, in die Kreisstadt Osterode am Harz eingegliedert.[3]

Das Grundwort des Ortsnamens Riefensbeek bedeutet Bach.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seiner geringen Einwohnerzahl ist Riefensbeek-Kamschlacken eine Ortschaft mit Ortsvorsteher und bildet daher keinen eigenen Ortsrat.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Riefensbeek-Kamschlacken
  2. Matthias Blazek: Mord und Sühne im Oberharz Anno 1850. In: UNSER HARZ August 2014, S. 149–153; siehe auch: Matthias Blazek: Im Jahre 1607 kam es im Zuge einer Hinrichtung zu Ausschreitungen der Zellerfelder Bevölkerung. In: myheimat.de. 27. Januar 2014; abgerufen am 16. Februar 2017.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 215.
  4. Hauptsatzung der Stadt Osterode am Harz - Seite 2. Abgerufen am 16. Februar 2017.