Rieger Pelze
Rieger Pelze war eine Kürschnerei mit Pelzeinzelhandel am Isartor in München, gegründet von Hertz Rieger (geb. 1918, gest. 19. Oktober 2001). Über Jahre hinweg galt es als das weltweit größte Unternehmen mit nur einem Ladenlokal seiner Branche.[1]
Geschichte
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Hertz Rieger überlebte den Holocaust in Russland und ergriff als Kürschner den Beruf seinen Vaters.
Im Jahr 1948 gründete er, aus Lemberg in Galizien kommend,[2] zusammen mit seiner Frau ein kleines Atelier in der Nibelungenstraße 24/2 in Neuhausen-Nymphenburg, einem Stadtteil von München.[3] Das Startkapital waren laut seiner Aussage zwei Bund Persianerfelle.[2]
Das Fachadressbuch der Pelzbranche des Jahres 1953 verzeichnet „Rieger-Herz“ auf der Frauenstraße 44 sowie „Rieger-Pelze“ Am Isartorplatz.[4]
Der Anstieg der Nachfrage ermöglichte es Rieger, sein Geschäft ab dem Jahr 1951[5] am Isartor stufenweise auf bis zu 2500 Quadratmeter zu erweitern (Rieger City) und es mit 80 Mitarbeitern (davon 60 Kürschner) zu einem der größten Pelzgeschäfte auszubauen.

Seit etwa Ende des 20. Jahrhunderts ging der Pelzumsatz in Deutschland stetig zurück. Der Markt war durch Billigangebote weitgehend gesättigt, es folgten eine Reihe warme Winter und Pelzgegneraktionen. Am 1. Oktober 1993 eröffnete Rieger am Münchener Isartor ein neues Pelzgeschäft, „Isar-City“. Außer Pelzen wurden im neuen Geschäft jetzt auch Textilmode, Accessoires und Designerschmuck angeboten. Noch hieß es in einer Fachzeitschrift: „Rieger-Pelz ist seit vielen Jahren das größte einzelne Pelzdetailgeschäft Deutschlands und einer der größten Europas“.[6]
Insolvenz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch Riegers Fehlentscheidungen bei seinen Immobiliengeschäften musste er herbe Verluste hinnehmen, die letztendlich dazu führten, dass die Erben aufgrund des zu hohen Risikos die Erbschaft ausschlugen. Das Geschäft am Isartor wurde an einen US-amerikanischen Investor veräußert und sollte in eine Filiale von Globetrotter umgewandelt werden.[7][2]
Der Versuch Bernhard Riegers, eines Sohns von Hertz, die Geschäfte im Juli 2009 in der Residenzstraße mit seiner 1999 gegründeten Bernhard Rieger Pelzmoden GmbH[8] zur früheren Bedeutung zurückzuführen,[7] gelang nicht. Die Geschäftsräume dort entstanden durch die Übernahme und die Zusammenlegung von drei Geschäften: Der Antik-Schmuck-Laden Serapis, das Damenwäsche-Geschäft Roberta und der Strumpfladen Fogal. Der Umbau kostete das Unternehmen 350.000 Euro. Mit rund 700 Quadratmetern fiel die Verkaufsfläche um rund 1/3 kleiner aus als das Ladengeschäft am Isartorplatz.[8]
Im Jahr 2010 musste das Unternehmen letztendlich Insolvenz anmelden.[9] Als Insolvenzverwalter wurde Rolf G. Pohlmann eingesetzt, gemäß dessen Analyse die Ursache für die Insolvenz sei, dass „es Rieger zuletzt wohl nicht mehr im erforderlichen Maße gelungen war, sich auch einer jüngeren, modisch interessierten Kundschaft zu präsentieren.“[2]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Munich: Hertz Rieger died at 83. In: Winckelmann International Sales Report 678, Fur Bulletin 2549, 28. Oktober 2001, S. 2 (englisch).
- ↑ a b c d Der Niedergang des Münchner Pelz-Imperiums. In: tz. 15. Januar 2010, abgerufen am 31. August 2025.,
- ↑ In: Winckelmann, Fachadressbuch der Rauchwaren- u. Pelzwirtschaft für Deutschland, 59. Ausgabe, 1950/51, S. 188.
- ↑ In: Winckelmann, Fachadressbuch der Rauchwaren- u. Pelzwirtschaft für Deutschland, 61. Ausgabe, 1953, S. 178.
- ↑ Bitteres Ende einer Münchner Institution. In: Donaukurier. 6. April 2010, abgerufen am 31. August 2025.
- ↑ Neu-Eröffnung von Rieger City in München am 1. Oktober. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 1207, Frankfurt/Main, 24. Oktober 1993.
- ↑ a b Christian Rost: Ausverkauf beim König der Pelze. Insolvenz der Firma Rieger. In: Süddeutsche Zeitung. 23. März 2010, abgerufen am 31. August 2025.
- ↑ a b Rieger verlässt die Rieger-City. In: Münchner Merkur. 15. Juli 2009, abgerufen am 12. September 2025.
- ↑ Caroline Wörmann: Nach Insolvenz: Keine Rettung für Rieger-Pelze. In: Münchner Merkur. 19. März 2010, abgerufen am 31. August 2025.