Riemsloh

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Riemsloh
Stadt Melle
Koordinaten: 52° 10′ 53″ N, 8° 25′ 16″ O
Höhe: 112 m ü. NHN
Fläche: 28,7 km²
Einwohner: 3546 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte: 124 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 49328
Vorwahl: 05422, 05226
Karte
Lage von Riemsloh in Melle
Pfarrkirche St. Johannis zu Riemsloh
Der Turm von St. Johannis

Riemsloh ist ein Stadtteil von Melle in Niedersachsen. Zu Riemsloh gehören die Ortsteile Krukum, Westendorf, Westhoyel, Hoyel, Groß-Aschen und Döhren. Der Ort liegt an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche nach der Renovierung von 2013

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Riemsloh lässt sich ableiten von rimi-loh, einem den Göttern geheiligten Hain. Andere Deutungen wie rima, was so viel wie Rand oder Grenze bedeutet, sind aber auch nicht ausgeschlossen.

Frühe Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riemsloh ist aus einem Königshof entstanden, der während der Sachsenkriege Karls des Großen zur Sicherung der Straße OsnabrückHerford eingerichtet wurde. Im Jahr 1090 soll Riemsloh zur Pfarre erhoben worden sein. Ein belegmäßiger Nachweis dafür fehlt allerdings. Erstmals urkundlich erwähnt wird Riemsloh im Jahr 1160.

Noch heute befinden sich in Riemsloh die Überreste der zum Königshof gehörigen Burg, deren Überreste als „Hünenburg“ bekannt sind. Sie lassen deutlich die Gliederung der Burg in Vor- und Hauptburg erkennen.

Die Franken legten im Zuge der Christianisierung an der „via-regia“ (Königsstraße zwischen Herford und Osnabrück) im 9. Jahrhundert den Meierhof in Riemsloh an, um u. a. die teilweise im Verbund (Drubbel) angelegten Siedlungen zu schützen. Die zum Meierhof gehörige Eigenkirche wurde 1090 zur Pfarrkirche erhoben. Die heutige katholische Johanniskirche besteht aus einem einschiffigen gotischen Bau mit vier rechteckigen Langhausjochen, der vermutlich vom Ende des 15. Jahrhunderts stammt. Belege für eine frühere Existenz liegen nicht vor. Auf dem Meierhof (Redemeier) versammelten sich alljährlich am Dienstag nach Dionysius (9. Oktober) die Bauern, die einem Grundherren unterstanden (Domkapitel zu Osnabrück), zur sogenannten Riemsloher Hausgenossenschaft.

Um 1222 wurde auf der Höhe von Hagil, dem heutigen Hoyel, eine Eigenkirche des Meierhofs zu Hoyel errichtet. Die Sankt-Antonius-Kirche wurde nach dem heiligen Antonius benannt.

Ab 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1853 entstand aus der Vogtei die Samtgemeinde Riemsloh-Hoyel, bestehend aus den Ortschaften Bennien, Döhren, Groß Aschen, Hoyel, Krukum, Westendorf und Westhoyel.

1925 wurde der TSV Riemsloh gegründet.
Durch die erste Gebietsreform von 1970 wurden die sieben Gemeinden der Samtgemeinde zur neuen Gemeinde Riemsloh zusammengeschlossen, die wiederum am 1. Juli 1972 (ohne Bennien) ein Stadtteil von Melle wurde.[1]

Eine größere räumliche Ausdehnung des Dorfes erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Ansiedlung einiger Betriebe für die Holzverarbeitung und durch die Ausweisung neuer Wohngebiete, z. B. Eickrott, Krähenkamp, Auf dem Brinke, Zuckerkamp, Mühlenheide, Kamerun und Vicariuskamp.

Der 1972 nach der Gebietsreform entstandene Stadtteil versorgt als Unterzentrum durch Schule, Kindergarten, Freibad, Ärzte, Apotheke, Einzelhandel, Kirche und Bürgerbüro die Einwohner.

2010 verlegte die Rational Einbauküchen GmbH ihren Produktionsstandort. Die Firma Ruwac Industriesauger GmbH ist seitdem mit 140 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus war der Bauer Hugo Trebbe NSDAP-Ortsgruppenleiter und Vorsteher der Samtgemeinde Riemsloh-Hoyel. Trebbe und Wilhelm Dröge, NSDAP-Ortsgruppenleiter von Altenmelle, leiteten zusammen im März 1941 einen NS-Schauprozess in Döhren, in dem ein polnischer Zwangsarbeiter wegen „Rassenschande“ im Wald bei Riemsloh öffentlich erhängt wurde[2].
Der polnische Landarbeiter Józef Grześkowiak wurde 1942 in Riemsloh der „Rassenschande“ bezichtigt, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Seit 2013 erinnert in Melle-Riemsloh ein Gedenkstein.

Weiterhin stammt der in Berlin tätige Sozialbeamte Hermann Althaus (1899–1966), 1944 SS-Oberführer, aus Hoyel wie auch Ludwig Münchmeyer (1885–1947), evangelischer Pastor auf Borkum, der als Reichsredner der NSDAP tätig war.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnbevölkerung der Gemeinde Riemsloh mit Gebietsstand vom 27. Mai 1970[3]:

Datum Einwohner
17. Mai 1939 3448
13. September 1950 5260
6. Juni 1961 4590
27. Mai 1970 4708
22. August 2011 3506

[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windmuehle riemsloh-westhoyel.jpg

  • Windmühle Westhoyel: Die Westhoyeler Windmühle wurde 1870 erbaut. Bis ca. 1920 erfolgte der Antrieb mit Windkraft, danach mit verschiedenen Motoren. Im Jahre 1985 wurde der “Verein zur Restaurierung und Erhaltung der Westhoyeler Windmühle e.V.” gegründet, der in den folgenden Jahren die Mühle grundlegend restaurierte, so dass sie 1990 wieder in Betrieb genommen werden konnte. 1993 wurde die Renovierung des Müllerhauses abgeschlossen, 1995 die des Backhauses. Mehrmals jährlich finden Mahl- und Backtage statt.[5]

Sühnestein.gif

  • Sühnestein: Wenn man von Riemsloh über die Westhoyeler Straße zu “Buddenbergs Birken” kommt, führt ein gekennzeichneter Wanderweg zu dem Riemsloher Sühnestein, der am alten Riemsloher Kirchweg steht. Dieser Stein gehört zur Gruppe der Kreuzsteine mit rundem Oberteil auf einem rechteckigen oder trapezförmigen Unterbau. Er besteht aus Sandstein und ist ursprünglich aus einem Stück gearbeitet.[5]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bürgerbüro
  • Grundschule Riemsloh, Schulstraße 11
  • Freibad von 1982, Wellingstraße 21
  • Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg, Hünenburgweg 64
  • Ev. St. Johann Kirche von 1910, An St.Johann 4
  • Freiwillige Feuerwehr Melle/Riemsloh sowie zwei weitere Freiwillige Feuerwehren in Hoyel und Groß-Aschen.
  • Sanitätsgruppe des DRK Ortsverein Riemsloh für den erweiterten ehrenamtlichen Rettungsdienst mit einem Rettungswagen und einem Mannschaftswagen aus Melle.
  • Autobahnanschluss 25 Riemsloh der A 30

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 257.
  2. Grove, Thomas (2012): Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenenlager im Kreis Melle. Osnabrück: Der Grönegau, Meller Jahrbuch 2013, B. 31, S. 172; sowie Bäumer, Herbert F. (2012): Eine schicksalhafte Beziehung im Jahr 1941/42 und die schlimmen Folgen. Osnabrück: Der Grönegau, Meller Jahrbuch 2013, B. 31, S. 185
  3. Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindestatistik Niedersachsen 1970. Teil 2: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Heft 5: Regierungsbezirk Osnabrück, Hannover 1973, S. 96.
  4. Angaben: Stadt Melle
  5. a b riemsloh-melle.de