Ries (Graz)

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Ries
10. Stadtbezirk von Graz
AUT Graz COA.svg
Riesplatz (2009) mit LKH Graz und altem Mauthaus (links)
Riesplatz (2009) mit LKH Graz und altem Mauthaus (links)
Lage in Graz
Karte von Ries (Graz)
Koordinaten: 47° 5′ N, 15° 30′ OKoordinaten: 47° 5′ N, 15° 30′ O
Basisdaten[1]
Fläche: 10,16 km²
Einwohner: 6.033 (1. Jänner 2021)
Bevölkerungsdichte: 594 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 8010, 8036, 8044, 8047[2]
Bezirksamt: Stiftingtalstraße 3
8010 Graz
Politik
Bezirksvorsteher: Josef Schuster (ÖVP)[3]
1. Bezirksvorsteher-Stv.: Irmtraud Eberle-Härtl (Grüne)[3]
2. Bezirksvorsteher-Stv.: Marion Birnstingl (FPÖ)[3]
Bezirksrat[4]
(Wahljahr: 2017)
4
1
1
1
Insgesamt 7 Sitze
Verkehr
Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnlinie: 7
Buslinien: 41, 58, 61, 64, 64E, 82
Nachbuslinie: N7
Regionalbusse: 200, 201, 250, 300, 331, 350, 400, 420, 460, 470, 471, X20, X30, X40
LKH Bus
GUSTmobil

Ries ist der 10. Grazer Stadtbezirk.

Er grenzt im Westen an die Bezirke Mariatrost und Geidorf, im Süden an St. Leonhard und Waltendorf. Der Bezirk umfasst die beiden Katastralgemeinden Stifting und Ragnitz. Im Bezirk befindet sich die 1987 eingeweihte Bruder-Klaus-Kirche der Pfarre Graz-Ragnitz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ries wurde im Jahre 1850 eine selbstständige Gemeinde im damaligen Osten von Graz. Zwischen 1904 und 1948 fanden die so genannten Riesrennen mit bis zu 70.000 Zuschauern statt. Das 1969 eröffnete Teilstück der A2 zwischen Graz und Gleisdorf entlastete die gefährliche Riesstrecke, heutzutage wurde diese Entlastung durch den zunehmenden Verkehr allerdings wieder mehr oder weniger aufgehoben.[5]

Nachdem 1850 in der Steiermark Gemeinden entstanden waren, zählte Ries zur Gemeinde Kainbach bei Graz. 1938 wurde Ries, wie die übrigen heutigen Grazer Randbezirke, nach Graz eingemeindet. Ursprünglich war auch geplant das angrenzende Kainbach sowie Teile der Gemeinde Purgstall mitzunehmen, jedoch konnten sich dieser Gemeinden einer Eingemeindung entziehen. 1946 war angedacht Ries nach Kainbach umzubenennen, was die Gemeinde Kainbach jedoch erfolgreich verhindern konnte. So entschied man sich, den Bezirk nach dem Höhenrücken zwischen den beiden Tälern des Bezirks, Ragnitz- und Stiftingtal, zu benennen.[5]

Die zentrale Verkahrsander ist die Riesstraße, die über den Höhenrücken der Ries nach Gleisdorf führt. Sie ist die Nachfolgerin einer wichtigen Handelsstraße in die Oststeiermark und nach Ungarn, die „Ungarnstraße“. Ab 1907 wurden auf der steilen Schotterstraße die Riesrennen veranstaltet. 1948 wurden die ausschließlich bergan geführten Wettrennen wieder eingestellt. Über die Riesstraße gelangte auch die Rote Armee nach Graz. In der Nachkriegszeit gab es in diesem Bereich des Grazer Ostens viele Gaststätten, die mittlerweile großteils wieder verschwunden sind.[6]

Der Bezirk hat kein historisch gewachsenes Zentrum wie andere Grazer Außenbezirke. Am Riesplatz beim LKH Graz erinnert das alte Mauthaus an die ehemalige Grazer Abgabengrenze. Die Gegend war lange Zeit ein beliebtes Ziel von Ausflügen ins Grüne des Stiftingtals und der Ragnitz sowie Standort zahlreicher Gaststätten. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine rege Bautätigkeit ein. Ein prominentes Beispiel ist der Berliner Ring in der Ragnitz, der ab 1972 errichtet wurde. Bis 1963 die Bezirksgrenze korrigiert worden war, lag auch das LKH Graz im Bezirk Ries, seitdem steht es auf Geidorfer Boden.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Ries

Widerstandsdenkmal Riesstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Riesstraße steht ein Steinkreuz, das an sieben (oder acht) hingerichtete Wehrmacht-Deserteure erinnert, die kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 4. April 1945 erschossen wurden. Ob sie am Standort des Kreuzes oder in der Grazer Reiterkaserne starben und erst später zu Abschreckungszwecken auf die Ries verbracht wurden, ist nicht mehr genau nachzuvollziehen. Herkunft und Namen der Männer waren nicht mehr feststellbar, auch im Sterberegister der Pfarre St. Leonhard finden sich keine Einträge zu den Ereignissen. Erst nach Recherchen des ehemaligen Bezirksrats von Ries, Hans Fraeulin, und des Historikers Georg Fuchs konnten die Exekutionen bestätigt werden.[8]

Ab 1953 stand an der Stelle ein Holzkreuz. Der ehemalige Grazer Bürgermeister Alfred Stingl und der St. Leonharder Pfarrer Fink initiierten die Aufstellung des Steinkreuzes. Seit 1995 findet am Jahrestag der Ermordungen eine alljährliche Gedenkveranstaltung für die Opfer des Widerstandes statt.[8] Das Mahnmal besteht aus einem Natursteinsockel mit Inschrifttafel und einem schlichten Steinkreuz. Die Inschrift lautet:

Hier wurden
am 4. April 1945
7 junge Soldaten
wegen Widerstands
hingerichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ries, Graz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Ries auf heinzelmännchen.at

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zahlen + Fakten: Bevölkerung, Bezirke, Wirtschaft, Geografie auf graz.at.
  2. Statistik Austria: Ortschaften (ohne Wien) sortiert nach Gemeindekennziffer mit Postleitzahlen, (CSV ca. 900KB)
  3. a b c Bezirksvertretung Ries. Abgerufen am 8. Januar 2021.
  4. Bezirksratswahl 2017
  5. a b Kubinzky: Ries. In: Historisches aus Graz. 2010, S. 217.
  6. Kubinzky: Ries. In: Historisches aus Graz. 2010, S. 219 f.
  7. Kubinzky: Ries. In: Historisches aus Graz. 2010, S. 218.
  8. a b 4. April: Gedenken an junge Deserteure. Sieben junge Männer wurden am 4. April 1945 auf der Ries ermordet. In: kpoe-steiermark.at, 30. Mai 2009.