Rieseberg (Königslutter)

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Koordinaten: 52° 17′ 49″ N, 10° 47′ 20″ O

Rieseberg
Ortswappen von Rieseberg
Einwohner: 391 (1. Apr. 2014)[1]
Eingemeindung: 1. März 1974
Eingemeindet nach: Königslutter am Elm
Postleitzahl: 38154
Vorwahl: 05353
Rieseberg (Niedersachsen)
Rieseberg

Lage von Rieseberg in Niedersachsen

Kirche und Maibaum
Kirche und Maibaum

Rieseberg ist ein Stadtteil von Königslutter im Landkreis Helmstedt im Bundesland Niedersachsen, an der eine gleichnamige Erhebung liegt. Traurige Berühmtheit erlangte der Ort durch die Rieseberg-Morde, bei dem 1933 SS-Angehörige elf politische Gegner ermordeten.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rieseberg liegt rund 5 km südöstlich des Autobahnkreuzes Wolfsburg/Königslutter (A 39 und A 2) und rund 6 km nord-nordwestlich der Stadtmitte von Königslutter am Rande der Schunterniederung. Der alte Ortskern hat die Form eines langgestreckten Hufeisens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche im Ort entstand 1585, sie gehört zur Propstei Königslutter der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig.

Am 1. März 1974 wurde Rieseberg in die Stadt Königslutter am Elm eingegliedert.[2]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick hinauf zur Erhebung Rieseberg

Rieseberg wurde 1344 urkundlich erstmals als Risberghe erwähnt. Weitere Bezeichnungen waren 1353 Ryseberge, 1359 Riseberch und 1530 Rißenberg. Allen Schreibweisen ist gemein, das ein riesiger Berg namensgebend war. Das ursprüngliche Ris wandelte sich später zu Rise. Das bedeutete so viel wie Abhang und findet sich noch im Englischen als to rise (sich erheben). Es gab aber auch die Theorie, dass der Dorfname mit dem Wort Reisig für Reisigzweig in Verbindung steht.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Rieseberg.png

Im Wappen von Rieseberg ein grüner Hügel im silbernen Schild zu erkennen. Darauf entwachsend ist grün-brauner Baum zu erkennen. So wird der Ortsname redend wiedergegeben. Der silberne Wellenbalken fließt stellvertretend für die Scheppau und den Mühlenbach und verweist generell auf das Naturschutzgebiet des Rieseberger Moors. Am 19. März 1964 genehmigte der Präsident des Verwaltungsbezirks Braunschweig das Wappen.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südwestlich von Rieseberg liegt der gleichnamige Berg Rieseberg mit einer Höhe von 158 m ü. NHN.[3]

Er ist aus Muschelkalk aufgebaut und trägt einen Laubmischwald. Wegen des kalkhaltigen Bodens gedeihen hier viele kalkliebende Pflanzen, darunter auch Orchideen. Der Berg steht seit 1983 unter Naturschutz. Der Verein „Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen (FEMO)“ richtete einen „Erlebnispfad Rieseberg“ ein, dessen Ausgangspunkt der Parkplatz am Sportplatz ist.

Südöstlich von Rieseberg liegt das Rieseberger Moor, das seit 1955 ein Naturschutzgebiet ist. Es ist ein gut erhaltendes Niedermoor mit Ansätzen zum Hochmoor, auf dem großflächig Grauweiden, Birken und Erlen stehen. Die Torfschichten haben eine Mächtigkeit von 1 bis 2 m. Sie bildeten sich in einer etwa 1 × 1 km großen Bodensenke seit etwa dem 7. Jahrtausend v. Chr. Wirtschaftlich genutzt wurde es seit 1744 für den Torfstich und bis in die 1950er Jahre zur Gewinnung von Moorsole.

Tatort politischer Morde 1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein vor dem Pappelhof zur Erinnerung an die Rieseberg-Morde

Der abseits des Ortes in Richtung des Rieseberger Moores gelegene „Pappelhof“ wurde am 4. Juli 1933 zum Tatort für elf politische Morde der SS, die später als die Rieseberg-Morde bekannt wurden. Die SS hatte die politischen Gegner (SPD- und KPD-Angehörige) am gleichen Tage nach Folterungen und Verhören aus Braunschweig hergebracht. An ihnen sollte ein Exempel statuiert werden als Vergeltung für den Tod eines SS-Mitglieds am 29. Juni 1933 in Braunschweig. Die Leichen wurden auf dem Friedhof im Ort verscharrt und 1953 exhumiert. Der Hof war Gewerkschaftseigentum und diente als Ferienheim für Arbeiterkinder, heute steht er im Privateigentum.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website der Stadt Königslutter am Elm
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 272.
  3. Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen: Top 50 - Topographische Karte 1:50.000 Niedersachsen/Bremen, Stand 2000.