Riethüsli

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Riethüsli
Staat: Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: St. Gallen
Politische Gemeinde: St. Galleni2w1
Postleitzahl: 9012
Koordinaten: 745497 / 252965Koordinaten: 47° 24′ 41″ N, 9° 22′ 0″ O; CH1903: 745497 / 252965
Karte
Karte von Riethüsli
www
Nestweier (2015)
Panoramaaufnahme des in einer Hügellandschaft liegenden Quartiers Riethüsli in der Stadt St. Gallen. Ein Tal und der gegenüber liegende Hügelhang wird von einem Hügel aus überblickt. Der gegenüber liegende Hang und das Tal sind dicht bebaut und klar abgegrenzt von den dahinter liegenden bewaldeten und von Wiesen dominierten Hügelketten.
Panorama des Riethüsliquartiers, 17. März 2017

Riethüsli ist ein Quartier der Schweizer Stadt St. Gallen. Es liegt im Süden der Stadt am Tal des Wattbachs, der die Quartier-, Gemeinde- und Kantonsgrenze zum Kanton Appenzell Ausserrhoden bildet.

Das Wahrzeichen des Quartiers ist der Nestweier.[1] Der Weiher erscheint zum ersten Mal auf dem Stadtplan von 1830, der hier auch abgerufen werden kann. Wann und zu welchem Zweck der Weier angelegt wurde, sei nicht bekannt. [2]

Laut der statistischen Erhebung des Kantons St. Gallen vom Jahr 2014 wohnten zu jener Zeit im Riethüsli 4423 Personen, wobei der Anteil der Schweizer Bürger mit 74 % etwas höher als der städtische Durchschnitt von 70 % lag.[3]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Station Riethüsli der Appenzellerbahnen beim Portal des Ruckhaldetunnels.

Das Quartier ist mit der Trolley-Buslinie 5, der Autobuslinie 10 und durch die Appenzeller Bahnen mit der Innenstadt verbunden. Das Quartier wird durch die Hauptverkehrsachse von St. Gallen ins Appenzellerland, die Teufenerstrasse durchschnitten wobei 2016 die Verkehrsbelastung an Werktagen Durchschnittlich 13764 Fahrzeuge Betrug[4]. Um die Folgen des Pendlerverkehrs einzudämmen, wurde eine Petition für die Untertunnelung des Quartiers gemacht, die allerdings keine Resultate zeitigte.[5] Auf beiden Seiten der Teufenerstrasse steigt das Gelände stark an, wobei vor allem auf der westlichen Seite Wohnquartiere am Hang angesiedelt sind. Das bisher sowohl durch die Strasse als auch die Geleise der Appenzeller Bahnen durchschnittene Quartierzentrum soll nach der Inbetriebnahme der im Oktober 2018 fertig gestellten Durchmesserlinie und des Ruckhaldetunnels neu und attraktiver gestaltet werden.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Quartier wird stark von einem Standort des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen (GBS)[6] an der Demutstrasse geprägt. Der betreffende Standort beherbergt die Schule für Gestaltung St. Gallen, von der hier sowohl die Grund- als auch die Weiterbildungsabteilung einquartiert ist. Ausserdem befindet sich hier die Abteilung für technische Berufe aus den Bereichen Elektrotechnik und Informatik. Die Schule wurde 1975 eröffnet. 1976 wurde der Vorplatz mit einer Plastik des Künstlers Rudolf Schawalder aus Widnau geschmückt.[7] 2009 stürzte das Dach der neuen Turnhalle Tal der Demut kurz vor Unterrichtsbeginn aufgrund eines Baufehlers an der Dachkonstruktion unter einer frisch gefallenen Schneelast ein.[8][9] Das Unglück forderte keine Opfer oder Verletzte. Auch nach einem längeren Prozess konnte nicht ermittelt werden, wer genau am Fehler schuldig war. Das Verfahren wurde eingestellt, auch um den blockierten Wiederaufbau der Turnhalle zu ermöglichen.[10]

Aus Beton erbautes Schulhaus, bestehend aus zwei Gebäudelementen mit Vorplatz.
Gewerbliches Berufs- und Weiterbildungszentrum St.Gallen, Standort Riethüsli

Das Riethüsli verfügt über ein aus mehreren Gebäuden bestehendes Primarschulhaus. Das Ensemble wurde zwischen den Jahren 1966 und 1974 erbaut und gilt seit den frühen 2000er Jahren als Renovierungsbedürftig. Im Jahr 2008 wurde ein Wettbewerb für die Sanierung ausgeschrieben. Das Siegerprojekt war allerdings so teuer, dass entschieden wurde, ein ganz neues Schulhaus zu bauen. 2011 wurde ein entsprechender Wettbewerb ausgeschrieben und 2012 ein Siegerprojekt gekürt.[11] Wegen Budgetproblemen wurde das Projekt in der Folge aber aus der Budgetplanung gekippt und lediglich unaufschiebbare Reparaturarbeiten durchgeführt. [12] Nach dem letzten Stand sollen die Erneuerungsarbeiten nun im Jahr 2021 aufgenommen werden. [13]

Turnhalle Gewerbliches Berufs- und Weiterbildungszentrum St.Gallen, Standort Riethüsli

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Liebeggweiher zwischen 1900 und 1910.

Das Riethüsli verfügte von 1929 bis 1962 über eine 40-m-Skisprungschanze am Hang westlich der Teufenerstrasse auf der Höhe der Haltestelle der Appenzeller Bahnen. Die Schanze wurde vom Skiclub Riethüsli betrieben, der auch Nachtspringen auf der Schanze veranstaltete. Der Schanzenrekord wurde 1954 mit 42,5 m vom Schweizer Springer Andreas Däscher aufgestellt. Die Schanze wurde 1962 abgerissen, als auf dem Gebiet des Auslaufes eine Wohnüberbauung und eine Tankstelle errichtet wurden. [14][15][16]

Etwas südlich der ehemaligen Skischanze wurde 1968 der Liebeggweiher, der 1860 direkt neben dem Wattbach angelegt worden war, abgelassen und aufgeschüttet,[17] da Verschlammung und Geruchsemissionen ein Dauerthema waren. Auf dem Areal wurde Baugrund für ein Wohnhaus geschaffen. In dem 'Liebegg' genannten Gebiet hatten sich wegen der leicht nutzbaren Wasserkraft seit den 1820er-Jahren einige Kleinindustriebetriebe angesiedelt. 1860 wurde sowohl der Liebeggweiher angelegt als auch eine Kartonfabrik errichtet, die 1871 zu einer Bauholzsägerei umgebaut wurde, die 1980 stillgelegt wurde. Der Strom der Sägerei wurde lange Zeit durch eine Turbine erzeugt, die mit dem Wasser des Liebeggweihers angetrieben wurde, bis dieser aus den oben genannten Gründen abgelassen wurde. Die Säge wurde 2013 in das Inventar der Schweizerischen Gesellschaft für Technikgeschichte und Industriekultur aufgenommen.[18]

Das Restaurant 'Scheffelstein' auf einer Postkarte aus der Zeit kurz nach seiner Errichtung 1904.

Eines der wenigen markanten Gebäude des Riethüsli war lange Zeit das Restaurant 'Scheffelstein'. Das nordöstlich vom Nestweiher auf dem Ruhberg gelegene Gebäude war 1904 gebaut und nach dem 1887 weiter oben am Hang errichteten Gedenkstein für den Schriftsteller Joseph Victor von Scheffel benannt worden.[19] Durch seine prominente Lage und die prächtige Architektur wurde das Restaurant zu einem markanten St. Galler Wahrzeichen und einem Teil des städtischen Naherholungsgebietes. Einer der Speisesäle war mit Szenen aus Scheffels Roman 'Ekkehard' geschmückt. Am 19. August 1943 brannte das Scheffelstein und der Dachstock stürzte ein. Beim Wiederaufbau wurde auf die 'Monumentalität' verzichtet und das Gebäude bekam einen herkömmlichen Dachaufbau, der bis heute besteht. Der Restaurationsbetrieb in dem nun unauffäligeren Gebäude wurde bald aufgegeben. Heute sind Wohnungen und Gewerberäume in dem Gebäude untergebracht. [20]

Schwarzweisses Luftbild mit Blick auf eine dünn besiedelte Hügellandschaft. An den hängen stehen vereinzelte Wohnhäuser. Es ist auch ein Bereich mit Gartenbeten erkennbar.
Flugaufnahme des Riethüsli-Quartier vom Jahr 1924: Vorne rechts von der Bildmitte der Nestweiher, daran vorbeiführend die Teufenerstrasse, dahinter am Hang die ehemalige Grossgärtnerei Wartmann. Der Hang der einstigen (erst später erstellten) Skisprungschanze ist oberhalb der Teufenerstrasse am linken Bildrand zu erkennen. Zuvorderst im Bild das sehr markante Restaurant Scheffelstein.

Der westliche Teil des Quartiers gehörte bis 1918 zur dannzumals an St. Gallen angeschlossenen Gemeinde Straubenzell, so zum Beispiel der Quartierteil Hofstetten mit dem Solitüdenhang.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Riethüsli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. nest@seedesign.ch: Quartierverein Riethüsli – Quartier. In: xn--riethsli-b6a.ch. Abgerufen am 31. Januar 2016.
  2. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Quartiergeschichte im Flugbild. In: St.Galler Tagblatt Online. (tagblatt.ch [abgerufen am 9. März 2017]).
  3. Stadt St. Gallen: Quartierportraits St. Gallen. 21. Mai 2015, S. 38–41, abgerufen am 1. März 2017 (PDF).
  4. SIS-Traffic: Automatische Verkehrszählung des Kanton St. Gallen. Abgerufen am 9. Oktober 2018 (englisch).
  5. Strassentunnel von St. Gallen ins Appenzellerland. In: St. Galler Tagblatt. 9. August 2011, abgerufen am 27. Februar 2017.
  6. [1]
  7. bearbeitet von Maria Hufenus unter Mitwirkung von Monika Rüegger und Ernst Ziegler: Daten zur Baugeschichte der Stadt St. Gallen. 2004, S. 64-65, abgerufen am 28. März 2017 (PDF).
  8. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: St. Gallen: Schulturnhalle stürzt unter Schneemassen ein. Abgerufen am 7. März 2017.
  9. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Vom Einsturz und Aufbau. In: St. Galler Tagblatt Online. (tagblatt.ch [abgerufen am 7. März 2017]).
  10. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Turnhallen-Einsturz bleibt ohne juristische Folgen. In: St. Galler Tagblatt Online. (tagblatt.ch [abgerufen am 7. März 2017]).
  11. Hochparterre AG: Schule im und über dem Hang. Abgerufen am 28. März 2017.
  12. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Sofortmassnahmen fürs Schulhaus Riethüsli. In: St.Galler Tagblatt Online. (tagblatt.ch [abgerufen am 28. März 2017]).
  13. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Schulsanierungen sind aufgegleist. In: St.Galler Tagblatt Online. (tagblatt.ch [abgerufen am 28. März 2017]).
  14. Skisprungschanzen-Archiv: St. Gallen. Abgerufen am 7. März 2017.
  15. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Die drei Ski springenden Brüder. In: St.Galler Tagblatt Online. (tagblatt.ch [abgerufen am 7. März 2017]).
  16. nest@seedesign.ch: Quartierverein Riethüsli – Artikel Anzeige. Abgerufen am 7. März 2017.
  17. Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen. Abgerufen am 13. März 2017.
  18. Fredi Hächler: Riethüsli - Magazin fürs Nest. Quartierverein Riethüsli, März 2015, S. 24-25, abgerufen am 13. März 2017.
  19. Maria Hufenus unter Mithilfe von Monika Rüegger und Ernst Ziegler: DATEN ZUR BAUGESCHICHTE DER STADT ST.GALLEN VON DEN ANFÄNGEN BIS 2000. Stadtarchiv (Vadiana) St.Gallen, 2004, S. 23, 45, abgerufen am 5. April 2017.
  20. Ernst Ziegler, Erich Gmünder: Der Scheffelstein. In: Riethüsli - das Magazin. Quartierverein Riethüsli, 25. September 2013, abgerufen am 5. April 2017.