Rigaudon

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André Campra: Rigaudon aus L’Europe galante (1697), Akt 2,3

Der Rigaudon (seltener auch: Rigodon; in Deutschland auch: Rigadon oder Riguadon; engl.: Rigadoon oder Riggadoon) ist ein altfranzösischer Hof- und Gesellschaftstanz, der Ende des 17. Jahrhunderts aus Volkstänzen der Provence und des Languedoc hervorging, und auch Eingang in Ballett, Oper und instrumentale Suite fand.

Die Herkunft des Wortes ist nicht genau geklärt, aber es könnte einen Zusammenhang geben mit franz. "rigoler" - scherzen, Spaß machen, sich amüsieren;[1] auch eine Herkunft von lat. "gaudium" - Freude, Vergnügen ist möglich (man denke auch ans bayrische Wort "eine Gaudi" !). Diese Herleitungen hängen einerseits miteinander zusammen, und entsprechen auch dem fröhlichen, lebhaften Charakter des Tanzes. Rousseau berichtet (vom Hörensagen) in seinem Dictionnaire de la Musique 1768, der Tanz sei möglicherweise nach seinem Erfinder benannt, einem Herrn namens Rigaud.[2]

Der Rigaudon ist ein Reihen- und Paartanz im sehr lebhaften 2/2- oder Alla-breve-Takt (auch 2/4 oder 4/4) mit einer vorherrschenden regelmäßigen und hüpfenden Viertel- und Achtelbewegung, und mit einem Auftakt von einer Viertel. Enge Beziehungen bestehen (wie schon Johann Mattheson 1739[3] feststellte) vor allem zur Bourrée, und auch zur allerdings viel edleren Gavotte.

Im Vergleich zur Bourrée folgen dem Viertel-Auftakt bei vielen Rigaudons typischerweise zwei oder drei "Schläge" von Halbe-Noten, erst danach beginnt die eigentliche Bewegung, z. B. beim Rigaudon aus André Campras L'Europe galante (1697). Ähnliche zwei bis drei Halbenoten-"Schläge" können auch im weiteren Verlauf eines Stückes auftreten, auch gegen Ende, oft im vorletzten Takt einer Phrase (z. B. bei Johann Caspar Ferdinand Fischer).[4] In manchen Fällen finden sie überhaupt an anderen und unauffälligeren Stellen statt, z. B. erscheinen sie in einem berühmten "Riggadoon" in C von Henry Purcell anfangs nur im Bass, im zweiten Teil dann zweimal gegen Phrasenende.[5] Händel "verschiebt" die Halben im Rigaudon I seiner Wassermusik auf den zweiten Takt, aber der dazugehörige Rigaudon II hat sie an der üblichen Stelle am Beginn, im ersten Takt. Im 18. Jahrhundert schrieben französische Komponisten wie François Couperin oder Jean-Philippe Rameau auch Rigaudons, bei denen die typischen Merkmale der Halben-Schläge völlig wegfallen (z.B. in Rameaus Dardanus 1739); solche Stücke scheinen eher von französischer Volksmusik inspiriert, sie sind musikalisch oft sehr einfach gebaut, und basieren fast ausschließlich auf regelmäßer Viertel- (oder Achtel-) Bewegung.[6]

Die Koppelung von Rigaudon I und II ist recht häufig; dabei sind die typischen Merkmale beim Rigaudon II manchmal weniger ausgeprägt, und er fungiert eher als kontrastierendes Trio, z.B. in J. C. F. Fischers Cembalo-Suiten "Terpsichore" und "Uranie" (Musicalischer Parnassus 1738).[7]

Nach dem Rigaudon ist auch ein hüpfender Tanzschritt benannt, der sogenannte pas de rigaudon.

Der Rigaudon als kultivierter Hoftanz kam in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach und nach aus der Mode, war aber im Süden Frankreichs als fröhlicher Volkstanz noch vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg höchst beliebt. Er galt während dieser Zeit als typischer Tanz der Dauphiné.[8] Nach einer Phase des Niedergangs findet seit ca. 1968 eine Wiederbelebung statt, und heute werden volkstümliche Rigaudons wieder gepflegt, die nicht selten anspruchsvoll und "sportlich" für die Tänzer sind. Außerhalb Frankreichs hat sich der volkstümliche französische Rigaudon nach Kanada verbreitet, in der Region von Québec. Auf den Philippinen gibt es einen populären Gesellschaftstanz namens "Rigodon de Honor", der jedoch langsamer ist als die französchen Tänze.

Tanz-Choreographie eines Rigaudon von Mr. Isaac, in Feuillet-Notation. In: Orchesography or the Art of Dancing ... an Exact and Just Translation from the French of Monsieur Feuillet, by John Weaver, Dancing Master, 2. edition, London, c. 1721.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rigaudon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Videos auf YouTube:

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean-Michel Guilcher, "Le domaine du rigodon : une province originale de la danse", in: Le monde alpin et rhodanien, n° 1-2 (Chants et danses de tradition). Grenoble, Centre alpin et rhodanien d'Ethnologie, 1984.
  • Meredith Ellis Little: "Rigaudon", in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, second edition, ed. by Stanley Sadie & John Tyrrell, London: Macmillan Publishers 2001.
  • Konrad Ragossnig: Handbuch der Gitarre und Laute. Schott, Mainz 1978, ISBN 3-7957-2329-9.
  • Petit Robert 1 - Dictionnaire de la langue francaise, par Paul Robert, rédaction dirigée par A. Rey & J. Rey-Debove, Dictionnaires Le Robert, Paris 1987.

Noten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • François Couperin, Pièces de Clavecin, 4 Bde., hrg. von Jos. Gát, Mainz et al.: Schott, 1970–1971.
  • Johann Caspar Ferdinand Fischer, Musikalischer Parnassus (1738 ?), in: Sämtliche Werke für Tasteninstrument, hrg. v. Ernst von Werra, Wiesbaden: Breitkopf & Härtel, (urspr. 1901).
  • Henry Purcell, Piano Solo Complete Edition (Urtext), ed. by István Máriássy, Budapest: Könemann (o.J.).
  • Jean-Philippe Rameau, Pièces de Clavecin (Gesamtausgabe), hrg. von E. R. Jacobi, Kassel et al.: Bärenreiter, 1972.

Einspielungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Handel, Telemann - Watermusic, The King's Consort, Robert King, ersch. bei: Hyperion, CDA66967 (rec. 1997) (CD).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Laut dem französischen Sprachlexikon Petit Robert 1 erscheint das Wort "rigoler" zum ersten Mal 1650 in einem Text; "se rigoler" bereits im 13. Jhdt. Siehe: Petit Robert 1 - Dictionnaire de la langue francaise, par Paul Robert, rédaction dirigée par A. Rey & J. Rey-Debove, Dictionnaires Le Robert, Paris 1987, S. 1718.
  2. "...J'ai ouï dire à un maitre à Danser , que le nom de cette danse venoit de celui de l'inventeur , lequel s'appeloit Rigaud". Siehe: Jean-Jacques Rousseau, "Rigaudon", in: Dictionnaire de musique, Paris 1768, S. 426. Siehe auch auf IMSLP: http://imslp.org/wiki/Dictionnaire_de_musique_(Rousseau%2C_Jean-Jacques), Gesehen am 12. August 2017.
  3. Konrad Ragossnig: Handbuch der Gitarre und Laute. Schott, Mainz 1978, ISBN 3-7957-2329-9, S. 115 („Übrigens ist der Rigaudon ein rechter Zwitter, aus Gavot und Bourrée zusammengesetzt und mögte nicht unfüglich eine vierfache Bourrée heissen“).
  4. Johann Caspar Ferdinand Fischer, Musikalischer Parnassus (1738 ?), in: Sämtliche Werke für Tasteninstrument, ..., Wiesbaden: Breitkopf & Härtel (urspr. 1901), S. 58 (Terpsichore) und S. 68-69 (Uranie).
  5. Das Stück hat außerdem untypischerweise keinen Auftakt. Siehe: Henry Purcell, Piano Solo Complete Edition (Urtext), ed. by István Máriássy, Budapest: Könemann (o.J.), S. 42-43.
  6. François Couperin, Pièces de Clavecin, Bd. 1, ..., Mainz et al.: Schott, 1970–1971, Bd. 1, S. 51-52. Und: Jean-Philippe Rameau, Pièces de Clavecin (Gesamtausgabe), ..., Kassel et al.: Bärenreiter, 1972, S. 30-31.
  7. Johann Caspar Ferdinand Fischer, Musikalischer Parnassus (1738 ?), in: Sämtliche Werke für Tasteninstrument, ..., Wiesbaden: Breitkopf & Härtel (urspr. 1901), S. 58 (Terpsichore) und S. 68-69 (Uranie).
  8. Jean-Michel Guilcher, « Le domaine du rigodon : une province originale de la danse », Le monde alpin et rhodanien. Grenoble, Centre alpin et rhodanien d'Ethnologie, 1984, n° 1-2 consacré aux Chants et danses de tradition.