Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen des RKDB

Der Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften (RKDB) ist ein Korporationsverband katholischer farbentragender und nichtschlagender Studentenverbindungen in Deutschland.

Die Verbindungen führen die Bezeichnung Katholische Deutsche Burschenschaft im RKDB. Sein Wahlspruch lautet Deo patriae amico sacer, als Grundsätze gelten virtus, scientia, amicitia.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der RKDB wurde am 9. Oktober 1924 in Düsseldorf von fünf Verbindungen gegründet, die sich vom Unitas-Verband (Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas) abgespalten haben: Sigfridia Bonn, Normannia Freiburg, Franco-Borussia Würzburg, Ripuaria Aachen und Gothia Berlin. Der zunächst gewählte Name Ring wissenschaftlicher katholischer deutscher Studentenverbindungen (RV) wurde am 19. April 1926 durch Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften RKDB ersetzt.

Der Verband erlebte in den Folgejahren unter seinem Bekenntnis zur Lehre der katholischen Kirche und zum großdeutschen Gedanken einen rasanten Zuwachs, umfasste 1933 21 deutsche und österreichische Verbindungen mit 700 Studenten und 500 Alten Herrn.

Auf Druck der Nationalsozialisten erfolgte in der sog. „Frankfurter Vereinbarung“ am 3. September 1933 ein Zusammenschluss des RKDB mit dem Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV) zur Katholischen Deutschen Burschenschaft (KB). Zum 31. Januar 1934 musste das katholische Prinzip aufgegeben werden. Daher benannte sich der Verband entsprechend in Kartellverband Deutscher Burschenschaftlicher Verbindungen um.

Am 20. November 1935 löste sich der zwangsfusionierte und von Beginn an instabile Verband in Hannover wieder auf, nachdem einige ehemalige Ringburschenschaften den RKDB zuvor bereits am 31. März 1935 unter dem Namen Ring-Kartell Deutscher Burschenschaften rekonstituiert hatten. Das endgültige Aus kam für den Verband nach dem sogenannten "Himmler-Erlass vom 20. Juni 1938" mit der staatspolizeilichen Auflösung am 6. Juli 1938.

Nachkriegszeit und Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wiederbegründung des Verbandes in Düsseldorf am 6. November 1948 wurde der großdeutsche Gedanke verworfen und in der Satzung festgelegt, sich für ein Wirken für die Einheit und Freiheit der Deutschen einzusetzen. Nach der Deutschen Einheit umfasst der RKDB sein gesellschaftliches Engagement und seinen Status im Gemeinwesen damit, weiter verstärkt für ein innerlich vereintes Deutschland in einem geeinten Europa einzutreten, einem Ziel, dem insbesondere die von 1990 bis 2009 unter prominenter Teilnahme aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft durchgeführten Wartburggespräche auf der Wartburg in Eisenach Rechnung trugen.

Der RKDB in heutiger Zeit ist eine Bildungs-, Lebens- und Aktionsgemeinschaft, die sich als katholischer Verband allumfassend mit der Zielsetzung zur christlichen Ökumene versteht und sich einsetzt, die konfessionelle Spaltung der Christen zu überwinden. Seit dem Jahr 1970 wird unter Beibehaltung des katholischen Prinzips den Korporationen die Aufnahme evangelischer Kommilitonen als Vollmitglieder freigestellt.

2011 wurde mit CStV Unitas Hildburghausen zu Wuppertal ein Freundschaftsabkommen geschlossen.

Unabhängig von den Standorten der Ringburschenschaften gibt es bundesweit 14 Ringstammtische und Ringzirkel, die von Mitgliedern aller Ringburschenschaften, in der Umgebung ansässig, getragen und besucht werden.

2002 wurde das Ringhilfswerk im RKDB e. V. mit der Aufgabe gegründet, Studentenhilfe (z. Zt. in Bosnien) zu betreiben; seit 2007 in Partnerschaft mit dem kirchlichen Hilfswerk Renovabis.

Der Verband gehört der Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände (AGV), der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands (AGKOD) sowie der Katholischen Akademikerarbeit Deutschlands (KAD) an und ist Gründungsmitglied des Europäischen Kartellverbands (EKV).

Der Verband trifft sich jährlich zu seinem Ringtag (häufig in Bonn), sowie nach Möglichkeit über das Jahr verteilt zu einem Ringfreundschaftstreffen bei einer Kartellburschenschaft und einem Ringwerktag mit Arbeitssitzungen zu den Prinzipien des Verbandes.

Nach wechselhaften Perioden des Aufblühens und der Stagnation gehören dem RKDB zurzeit (2015) 600 Alte Herren und 80 Aktive an.

Entwicklung in Österreich nach 1965[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Passus in der Satzung des RKDB "sich für ein Wirken für die Einheit und Freiheit der Deutschen einzusetzen" stellte die in Österreich befindlichen RKDB-Verbindungen vor das Problem, sich bei einem Verbleib im Verband dem Vorwurf auszusetzen, weiterhin dem großdeutschen Gedanken anzuhängen; sie spalteten sich konsequenterweise vom bundesdeutschen Verband ab. 1965 gründeten Wiking Wien, Rheno-Danubia Wien, Vedunia Wien und Südgau Graz den Ring katholisch akademischer Burschenschaften (RKAB). Auch im Verbindungsnamen wurde das "deutsch" durch "akademisch" ersetzt, die Verbindungen führen daher die Bezeichnung Katholische Akademische Burschenschaft im RKAB.[1][2][3] Zunächst wird mit dem RKDB ein gemeinsamer Dachverband (Ring katholischer Burschenschaften (RKB)) gegründet, der jedoch 1980 aufgelöst und 1983 durch ein Freundschaftsabkommen ersetzt wird.

Weite Teile der Satzung, der Wahlspruch, die Grundsätze und das konfessionelle Leitbild wurden vom RKDB übernommen, analog zur Beschlussfassung im RKDB wird auch den österreichischen Korporationen die Aufnahme christlich getaufter Kommilitonen als Vollmitglieder offiziell freigestellt.[4]

Nachdem der RKAB seinen Betrieb vorübergehend einstellte, wurde er 1983 von Wiking Wien, Rheno-Danubia Wien und Langobardia Salzburg reaktiviert. Heute hat der Verband wieder zwei Verbindungen mit Aktivitas und besteht sonst aus Altherrenschaften.

Auch der RKAB ist Gründungsmitglied des Europäischen Kartellverbands (EKV).[5]

Verbandszeitschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitteilungsblatt seit 1924 ist „Der RING“, der seit 1965 gemeinsam mit dem österreichischen Schwesterverband RKAB herausgegeben wird.

Mitgliedsverbindungen des RKDB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuelle Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder mit Aktivitas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Burschenschaften haben eine Aktivitas und eine Altherrenschaft:

  • KDB Sigfridia Bonn (1924 Gründungsmitglied)
  • KDB Normannia Freiburg (1924 Gründungsmitglied)
  • KDB Alania Münster (1926 aufgenommen)
  • KDB Winfridia Bonn (1928 aufgenommen)
  • KDB Rheno-Guestphalia Bonn (1948 aufgenommen)

Mitglieder ohne Aktivitas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Burschenschaften haben nur noch eine Altherrenschaft und keine Aktivitas mehr:

  • KDB Franco-Borussia Würzburg (1924 Gründungsmitglied)
  • KDB Rheno-Isaria München (1926 aufgenommen)
  • KDB Nibelungen Münster (1926 aufgenommen)
  • KDB Saxonia Köln (1928 aufgenommen)
  • KDB Rheno-Silesia Düsseldorf (1950 aufgenommen)
  • KDB Rheno-Palatia Aachen (1951 aufgenommen; 1997 Austritt, 2002 Freundschaftsabkommen, 2010 wieder aufgenommen)
  • KDB Kurmainz Mainz (1957 aufgenommen)
  • KDB Hohenburg Saarbrücken (1957 aufgenommen)
  • KDB Falkenstein Coethen-Clausthal Bochum in Essen (1959 aufgenommen)
  • KDB Moselfranken Trier (1962 aufgenommen)

Ehemalige Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • KDB Ripuaria Aachen (1924 Gründungsmitglied, ab 1980 im CV)
  • KDB Gothia Berlin (1924 Gründungsmitglied, suspendiert)
  • KDB Novesia Köln (1924 aufgenommen, fusioniert mit KDB Rheno-Guestphalia Bonn)
  • KDB Rheno-Montania Köln (1926 aufgenommen, fusioniert mit KDB Saxonia Köln)
  • KDB Suevia auf dem Waldhof Graz (1926 aufgenommen, suspendiert)
  • KDB Hohenstaufen Köln (1926 aufgenommen, fusioniert mit KDB Saxonia Köln)
  • KDB Vindelicia Innsbruck (1927 aufgenommen, 1933 ausgeschlossen, anschl. im ÖCV)
  • KDB Rheinstein Bonn (1927 aufgenommen, unter Fusion mit KDB Novesia zu Köln 1948 wiederbegründet als KDB Rheno-Guestphalia Bonn)
  • KDB Ascania Marburg (1927 aufgenommen, suspendiert)
  • KDB Wiking Wien (1928 aufgenommen, ab 1965 im RKAB)
  • KDB Rheno-Danubia Wien (1928 aufgenommen, ab 1965 im RKAB)
  • KDB Rhenania Breslau (1928 aufgenommen, fusioniert mit KDB Rheno-Silesia Düsseldorf)
  • KDB Cimbria Graz (1930 aufgenommen, suspendiert)
  • KDB Falkenstein Prag (1933 aufgenommen, suspendiert)
  • KDB Lützow Innsbruck (1933 aufgenommen, suspendiert)
  • KDB Rheno-Saxonia (Coethen) Aachen (1935 aufgenommen, fusioniert mit KDB Ripuaria Aachen, wiederbegründet im CV)
  • KDB Vedunia Wien (1960 aufgenommen, ab 1965 im RKAB, suspendiert)
  • KDB Südgau zu Graz (1963 aufgenommen, ab 1965 im RKAB)
  • AB Glanzenburger zu Zürich (1965 aufgenommen, 1970 ausgetreten, heute im SchwStV)
  • KDB Rhenania Köln (1986 aufgenommen, fusioniert mit KDB Winfridia Bonn)
  • KDSB Eburonia Köln (1991 aufgenommen, suspendiert)
  • KDB Initia-Hallensis Halle an der Saale (1994 aufgenommen, suspendiert)

Mitgliedsverbindungen des RKAB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktive Vollmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • KAB Langobardia Salzburg (1983 aufgenommen)
  • CAB Erzherzog Johann zu Leoben (2012 probeweise, seit 2014 als Vollmitglied aufgenommen)

Passive Vollmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Burschenschaften haben eine Altherrenschaft, aber keine Aktivitas mehr:

  • KAB Wiking Wien (Gründungsmitglied 1965, bis dahin im RKDB)
  • CAB Rheno-Danubia Wien (Gründungsmitglied 1965, bis dahin im RKDB)
  • KAB Südgau zu Graz (Gründungsmitglied 1965, bis dahin im RKDB)

Ehemalige Mitgliedsverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • KAB Vedunia Wien (Gründungsmitglied 1965, bis dahin im RKDB, suspendiert)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "Der Ring" (Mitteilungszeitschrift des RKDB und später auch RKAB), wechselnde Orte 1924 - s.a. DNB
  • Wilhelm Kosch u. Josef Zanders: Die burschenschaftliche Bewegung im katholischen Deutschland. Wächter-Verlag, Graz 1929. DNB
  • Unser Wille und unser Weg: Im Auftr. d. Vororts u. d. Altherrentags 1930 u. unter Mitw. v. Verbandsmitgl. In: Josef Zanders (Hrsg.): Sonderhefte aus dem Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften (RKDB), Heft 2. [s. l.] : [s. n.], Neuß am Rhein 1931. DNB
  • Dieter Oppermann: Wartburgespräche katholischer Burschenschafter 1990–1992, 1993–1995, 1996–1999, 2000–2003, 2004-2006. Hrsg.: Vorbereitendes Komitee der Wartburggespräche katholischer Burschenschafter. Band 1-5. Eigenverlag, Bonn.
  • Geschichte der KDB Sigfridia zu Bonn im RKDB 1910–1990, Bonn 1990
  • Dr. Dr. Franz Josef Klassen (Hrsg.): 100 Jahre KDB Sigfridia zu Bonn. 3., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Eigenverlag, Bonn 2010.
  • Festschriften der KDB Rheno-Guestphalia zu Bonn im RKDB zum 50., 75. und 100. Stiftungsfest, Bonn 1959–2009

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften Portrait in: "Uni aktuell" der ÖH-Uni Wien, 1962
  2. Der Ring Katholisch-Akademischer Burschenschaften in Österreich. Portrait in "Couleur" (Zeitschrift des MKV), 1973
  3. Krause, Peter: "O alte Burschenherrlichkeit". Die Studenten und ihr Brauchtum. (Graz u.a. , 5. Auflage 1997) S. 177.
  4. Specimen Corporationum Cognitarum
  5. Ein Europafest in Wien - Der RKAB feierte den 25. Jahrestag seiner Gründung, in: Student in Europa, Nr. 32 Dezember 1990

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]