Ringwall von Otzenhausen

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Ringwall von Otzenhausen
Überreste des Ringwalls von Otzenhausen

Überreste des Ringwalls von Otzenhausen

Alternativname(n): Hunnenring
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Wall
Ort: Nonnweiler-Otzenhausen
Geographische Lage 49° 37′ 23″ N, 7° 0′ 8″ OKoordinaten: 49° 37′ 23″ N, 7° 0′ 8″ O
Ringwall von Otzenhausen (Saarland)
Ringwall von Otzenhausen

Der Ringwall von Otzenhausen (volkstümlich auch Hunnenring genannt) ist eine mächtige keltische Befestigungsanlage (Oppidum) am Hang des Dollberges bei Otzenhausen, einem Ortsteil der Gemeinde Nonnweiler im nördlichen Saarland nahe der Primstalsperre.

Mannfelsen am Hunnenring

Begriffsbestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie auch andere vor- oder frühgeschichtliche Befestigungen wurde er vom Volksmund als „Hunnenring“ bezeichnet, obwohl es keine Zusammenhänge mit den Hunnen gibt. Es wird vermutet, dass der alte Begriff 'Hunnich' (für König) damit zu tun hat. Auch ein sprachlicher Zusammenhang mit 'Hünen' wegen der Größe der Anlage wäre denkbar. Denkbar ist auch die häufig anzutreffende schwärmerisch-historisierende Benennungsweise des frühen 19. Jahrhunderts, als eine Gefühlsmelange aus Romantik und nationalem Impuls zu zahlreichen Wortschöpfungen ähnlicher Art in Deutschland führte. Heute wird der Ort als eine der fünf bekannten stadtähnlichen Siedlungen der Treverer geführt.

Datierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologen datieren die Entstehung in die frühe La-Tène-Zeit (5./4. Jahrhundert v. Chr.). Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. wurde die Anlage beträchtlich erweitert. Um das Jahr 51. v. Chr. wurde der Ringwall von den Römern vermutlich unter Befehl des Titus Labienus aufgegeben - das Marschlager befindet sich bei Hermeskeil und liegt in unmittelbarer Nähe.[1] Eine römische Besiedlung hatte nicht stattgefunden, es gab aber einen gallo-römischen Tempelbezirk im ehemals keltischen Kultareal. Dieser Tempelbezirk enthielt wenige kleine Tempelchen. Am alten Zugangsweg zum Ringwall befand sich in römischer Zeit eine kleine Siedlung mit einem der größten Tempel im Gebiet der Treverer.[2] Demzufolge wurde der Ringwall durch die römische Besatzung zwar aufgegeben und als Siedlung tabuisiert, aber er behielt noch Jahrhunderte nach seinem Niedergang den religiösen Nimbus einer ehemaligen zentralen Verehrungsstätte.

Die Wallanlage und ihre Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem Ringwall handelt es sich um die Überreste der Befestigung einer Ortschaft („Oppidum“, lat.: Stadt) des keltischen Stammes der Treverer. Der Dollberg bei Otzenhausen nimmt unter den spätkeltischen treverischen Befestigungen eine Sonderstellung ein, da er wohl schon in frühkeltischer Zeit eine Befestigung besaß. Aufgrund der beschränkten Siedlungsfläche von 18 Hektar war die Zuordnung zu den Oppida lange umstritten, allerdings wird heute angenommen, dass es um die eigentliche Befestigung noch eine unbefestigte Siedlung gab, auf jeden Fall am „Spätzrech“, was die Siedlungsfläche deutlich vergrößern würde.[3] 1849 wurden im benachbarten Ort Schwarzenbach in zwei Kilometer Entfernung zwei keltische Fürstengräber entdeckt, die wohl die Überreste der Herrscher der Festung beinhalten. Am 9. September 1836 besuchte der preußische Prinz Wilhelm das Areal. Zu diesem Zweck wurde im Inneren des Walls ein Platz gerodet, der noch heute die Bezeichnung Königsplatz hat. Zusätzlich wurde eine Eiche in einer Steinumfriedung gepflanzt und eine Überquerungsmöglichkeit über den Wall geschaffen, so dass dieser sogar mit einem Pferd überwunden werden konnte.

Vielleicht wurde die vorhandene Befestigungsanlage zwischen den Jahren 78 bis 67 v. Chr. zum Schutz gegen die Bewegung der germanischen Sueben ausgebaut, wie andere treverische Castella in der Umgebung auch.[4] Anders als in älteren Veröffentlichungen behauptet, spielten die treverischen Städte und Befestigungen im Gallischen Krieg keine Rolle und werden im „De Bello Gallico“ von Caesar auch nicht erwähnt, da sich die Treverer meistens in der Offensive befanden. Sehr wahrscheinlich war die Anlage der Sitz des treverischen Herrschers Indutiomarus.

Als Quelle des Wohlstands der keltischen Einwohner weisen Funde auf Eisenverarbeitung und eventuell auch Eisenverhüttung hin.

Die Befestigung wurde Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. nach dem Gallischen Krieg verlassen, nur die umliegenden Siedlungen wurden weiter bewohnt, allerdings in einem kleineren Umfang als bisher.[5] Abgesehen von einem Heiligtum aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. aus der römischen Kaiserzeit, das eventuell der Diana oder dem Mars geweiht war, wurde die Anlage nicht mehr besiedelt.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Tor im Westen des Ringwalls erlaubte den Zugang zum inneren Areal. Im Inneren befand sich eine Quelle, die die Wasserversorgung der Bewohner sicherstellte.

Das Bauwerk ist auch heute noch beeindruckend, der Wall umfasst bei einer Länge von 2,5 km mehr als 18 ha und erreicht eine Höhe von maximal 10 Metern bei einer Basisbreite des Walls von mehr als 40 Metern. Die damaligen Mauern wurden in der sogenannten „Murus Gallicus“-Technik erbaut, bei der eine Art Fachwerkgerüst aus Holz mit Steinwerk versehen wurde. Diese Form des Festungsbaus bot den Verteidigern einen sehr stabilen Schutz gegenüber Angreifern, die mit Rammen und Schleudern die Burg schleifen wollten. Insbesondere im Nordteil der Anlage, wo die Festung gegenüber dem flachen Gelände stärker geschützt werden musste, war diese Holz-Steinmauer ehemals bis zu 25 m hoch mit einer Basisbreite von damals 25 Metern. Auf der Wallkrone befand sich zum Schutz der Verteidiger eine hölzerne Brustwehr oder Palisade. Das Oppidum wurde kampflos geräumt, denn es fanden sich an keiner Stelle Beweise oder Indizien für eine Eroberung oder Zerstörung durch Kampfeinwirkung.

Der Aufbau des Ringwalls ist keilförmig und schmiegt sich an die Topographie des Dollbergs an, auf dem der Ringwall erbaut wurde. Der Hauptbefestigung von ca. 13 ha ist ein Vorwall von ca. 5 ha vorgelagert. Der Schutz im steilen Gelände im Süden erfolgte durch zwei in der Dimension kleinere Wallmauern (innerer und Hauptwall sowie Vorwall), da im Steilgelände die Errichtung einer Wallmauer von 25 × 25 m (wie im flacheren Norden) technisch nicht möglich war.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage ist für die Öffentlichkeit ganzjährig zugänglich. Sie ist jedoch nicht behindertengerecht. Zwei thematische Informationswege leiten den Besucher über die Festung:

  • Ein mehrsprachig beschilderter Archäologischer Infoweg (D,GB,F,NL) führt zu den interessantesten Örtlichkeiten der Befestigung.
  • Der von keltischer Kunst und Kultur inspirierte europäische Skulpturenpfad „Cerda&Celtoi“ verbindet das moderne Kunstzentrum der Europäischen Akademie Otzenhausen mittels 18 Skulpturen mit dem historischen Zentrum „Hunnenring“.

Seit 2015 werden in Otzenhausen regelmäßig die "Internationalen Archäologentage Otzenhausen - Archäologie in der Großregion" durchgeführt. 2016 wurde der Keltenpark Otzenhausen zu Füßen des Ringwalls der Öffentlichkeit übergeben. Hier befindet sich ein Nachbau eines keltischen Dorfes auf Basis der Grabungsbefunde. Für 2020 ist ein Museum geplant.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgrabungen wurden durchgeführt von: 1883: Provinzialmuseum Trier 1936–40: Rheinisches Landesmuseum Trier 1999–2000: Initialprojekt Gemeinde Nonnweiler u. Europäische Akademie Otzenhausen 2001–2012: Terrex gGmbH seit 2006: verschiedene Kampagnen der Universität Mainz 2010 wurde nur wenige Kilometer entfernt das Römerlager Hermeskeil entdeckt, das zwischen 53 und 51 v. Chr. errichtet wurde.

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vergessene Bodenschätze – Das verschmähte Erbe der Kelten im Hunsrück. 2015, 30 min., SR Fernsehen (Video auf YouTube).[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Schindler: Der Ringwall von Otzenhausen. Führungsblatt 4, Staatliches Konservatoramt, Saarbrücken 1965.
  • Manfred Peter: Das vergessene Erbe. Burr Verlag Otzenhausen, Nonnweiler 1984.
Indutiomarus. Der Herr des Ringwalls Otzenhausen. Burr Satz + Druck, Nonnweiler 2009, ISBN 978-3-9813149-1-5.
  • Mathias Wiegert: Der Hunnenring von Otzenhausen. Die Geschichte seiner Erforschung. Nonnweiler 1997
Der „Hunnenring“ von Otzenhausen, Lkr. St. Wendel. Die Siedlungsfunde und Bebauungsstrukturen einer spätlatènezeitlichen Höhenbefestigung im Saarland. VML Vlg Marie Leidorf, Espelkamp 2002, ISBN 3-89646-337-3.
  • Thomas Fritsch: Der „Hunnenring“ bei Otzenhausen. Ein Führer zu den Zeugnissen aus keltischer und römischer Zeit., Rheinischer Verlag für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. In: Rheinische Kunststätten. Nr. 483, 2004, ISBN 3-88094-918-2.
  • Robert Schuler: Das Land der Kelten um den Hunnenring von Otzenhausen. In: Verein für Heimatkunde Nonnweiler e. V.: Hochwälder Hefte zur Heimatgeschichte. Nr. 40, 2000, ISBN 978-3-9806866-0-0. versch. Beiträge zu den Kelten und Römern im Umfeld des „Hunnenrings“.
  • Christof Müller: Die Geheimnisse des Steinwalls. Der Hunnenring in Otzenhausen. In: Saarbrücker Zeitung (Beilage „Heimat“), 25./26. April 2009, S. G10
  • Michael Koch: Ausgrabungen am keltischen Ringwall „Hunnenring“ von Otzenhausen. In: Jahresbericht 2009 zur Bodendenkmalpflege (Saarbrücken 2010). (Artikel bei academia.edu)
  • Sabine Hornung: Auf den Spuren Iulius Caesars. Das römische Militärlager von Hermeskeil. In: Jahrbuch des Kreises Trier-Saarburg, 2018, 1–9.
  • Daniel Burger: Der gallo-römische Umgangstempel "Auf dem Spätzrech" bei Schwarzenbach (Saarland). Auswertung der Grabung 1984/85. In: Mensch und Umwelt II, Vom Oppidum "Hunnenring" bei Otzenhausen zum römischen Tempelbezirk und vicus "Auf dem Spätzrech" bei Schwarzenbach Gem. Nonnweiler, Lkr. St. Wendel. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie Band 289, 137–2016 und 32 Tafeln.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ringwall von Otzenhausen – Weitere Bilder

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sabine Hornung: Auf den Spuren Iulius Caesars. Das römische Militärlager von Hermeskeil.
  2. Daniel Burger: Der gallo-römische Umgangstempel "Auf dem Spätzrech" bei Schwarzenbach (Saarland). Auswertung der Grabung 1984/85
  3. Manfred Peter: Indutiomarus. Der Herr des Ringwalls Otzenhausen. 2009, S. 79 f.
  4. Manfred Peter: Indutiomarus. Der Herr des Ringwalls Otzenhausen. 2009, S. 29 f.
  5. Manfred Peter: Indutiomarus. Der Herr des Ringwalls Otzenhausen. 2009, S. 85 und 91, der sich v. a. auf Schindler, Kolling und Haffner stützt.
  6. Vergessene Bodenschätze. Das verschmähte Erbe der Kelten im Hunsrück. programm.ard.de, abgerufen am 21. Juni 2018.