Risikobeurteilung

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Die Risikobeurteilung ist ein spezielles Feld des Risikomanagements (Risk Management).

Einschlägige Richtlinien (z. B. Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, Druckgeräterichtlinie 97/23/EG) und entsprechend in nationales Recht umgesetzte Gesetze (z. B. Produktsicherheitsgesetz) fordern die Durchführung einer Risikobeurteilung (ehemals Gefahrenanalyse) und die damit einhergehende Risikominderung explizit.

Die Grundnorm DIN EN ISO 12100:2010 (Sicherheit von Maschinen) gibt allgemeine Gestaltungsleitsätze sowie Begriffsdefinitionen an die Hand und beschreibt das Verfahren der Risikobeurteilung ausführlich. Sicherheit von Maschinen bedeutet in diesem Kontext, dass Maschinen die ihnen zugedachten Funktionen in der jeweiligen Lebensphase ausführen können und das Risiko hinreichend gemindert wurde. Die Gewährleistung der Sicherheit von Maschinen ist eine iterative Aufgabe der Konstruktion.

Abgrenzung der Begrifflichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Risikobeurteilung und Gefahrenanalyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Gefahrenanalyse“ wurde aus Internationalisierungsgründen in der aktuellen Fassung der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG durch den Begriff „Risikobeurteilung“ ersetzt. Auch in der Grundnorm DIN EN ISO 12100:2010 (Sicherheit von Maschinen) findet der Terminus „Gefahrenanalyse“ keine Verwendung mehr. In der Druckgeräterichtlinie 97/23/EG hingegen ist die „Gefahrenanalyse“ immer noch die übliche Bezeichnung für ein iteratives Gesamtverfahren zur Risikominderung. Dementsprechend sind Risikobeurteilung und Gefahrenanalyse synonym verwendete Begrifflichkeiten, die durch die Verwendung in der jeweiligen Norm lediglich terminologisch neu geordnet wurden. Inhaltlich handelt es sich aber um dasselbe iterative Verfahren zur Risikominderung bei der Bereitstellung von Produkten auf dem Markt.

Gefährdungsbeurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Gefährdungsbeurteilung“ ist ein Begriff, der in diversen Richtlinien, Verordnungen und Gesetzen zum Arbeitsschutz verwendet wird. Demnach fordern insbesondere die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) die Durchführung einer „Gefährdungsbeurteilung“. Dabei werden alle Gefahren betrachtet, die in einem Arbeitsbereich von den verwendeten Arbeitsmitteln ausgehen können.

Der wichtigste Unterschied zwischen Gefährdungsbeurteilung und Risikobeurteilung liegt darin, dass sich die Gefährdungsbeurteilung zwar auf dieselbe Maschine bezieht, aber seitens des Betreibers vor Inbetriebnahme der Maschine durchzuführen ist. Die Risikobeurteilung ist als iterativer Prozess Aufgabe des Herstellers der Maschine und dient der Risikominderung vor Inverkehrbringen. Die Risikobeurteilung wird daher sinnvollerweise bereits in den Entwicklungs- bzw. Konstruktionsprozess der Maschine integriert. Wird von einem Unternehmen eine Maschine, z. B. für die eigene Fertigung, gebaut, muss für diese Maschine aus Herstellersicht die Risikobeurteilung und anschließend aus Betreibersicht die Gefährdungsbeurteilung durchgeführt und dokumentiert werden.

Das Verfahren der Risikobeurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Risikobeurteilung bezeichnet das gesamte Verfahren zur Risikominderung. Regelmäßig startet der Prozess mit der Risikoanalyse, die mit der Risikoeinschätzung schließt und in die Risikobewertung übergeht.

Ablauf der Risikobeurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verfahren der Risikobeurteilung in Form eines Ablaufdiagramms

Risikoanalyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Risikoanalyse werden die Grenzen der Maschine festgelegt und die Gefährdungen identifiziert. Dabei ist es sinnvoll, die einzelnen Tätigkeiten und die damit verbundenen Aufgaben zu betrachten, welche die Maschine in ihren einzelnen Lebensphasen zu durchlaufen hat. Anderenfalls droht die Gefahr, dass einzelne Aufgaben, Tätigkeiten, manchmal sogar Lebensphasen vergessen werden und die Risikobeurteilung damit unvollständig wird. Nach der Identifikation der einzelnen Gefährdungen folgt die Risikoeinschätzung für jede dieser Gefährdungen. Das wahrscheinliche Ausmaß eines Schadens sowie die Wahrscheinlichkeit seines Eintritts sind die zentralen Fragen in diesem Arbeitsschritt.

Risikobewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Risikobewertung schließt sich unmittelbar an die Risikoeinschätzung aus der Risikoanalyse an. In dieser Phase der Risikobeurteilung wird geprüft, ob das Risiko für die determinierten Gefährdungen hinreichend gemindert wurde oder nicht. Wurde das jeweilig betrachtete Risiko hinreichend gemindert, endet damit das Gesamtverfahren der Risikobeurteilung. Wird die Risikominderung als unzureichend eingestuft, werden weitere Überlegungen zur Risikominderung angestellt. Diese Überlegungen sind nicht Bestandteil des Gesamtverfahrens der Risikobeurteilung. Unter Berücksichtigung des veränderten Risikos startet der Prozess dann erneut mit der Risikoanalyse.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maschinenrichtlinie 2006/42/EG
  • Druckgeräterichtlinie 97/23/EG
  • DIN EN ISO 12100:2010 Sicherheit von Maschinen
  • Produktsicherheitsgesetz (ProdSG)
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
  • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
  • Website Maxxdoc - Marketing and Documentation, http://www.maxxdoc.de/risikobeurteilung/, 18. November 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portal Gefährdungsbeurteilung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)