Risikowahrnehmung

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Risikowahrnehmung ist ein Forschungsgebiet der Psychologie, das die menschlichen Auffassungen über Risiken untersucht. Ziel ist es, zu erklären, warum verschiedene Menschen unterschiedliche Auffassungen einzelner Risiken haben. Prominente Themen sind Umwelt- und Gesundheitsrisiken.

Psychometrisches Paradigma[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grundannahme des psychometrischen Paradigmas ist, dass Risiko inhärent subjektiv empfunden wird. Folglich wurden subjektive Bewertungen bezüglich der qualitativen Eigenschaften von Risiken gesammelt und analysiert. So lässt sich ein Profil für jedes Risiko erstellen. Dabei kam heraus, dass die qualitativen Eigenschaften die (empfundene) Risikohöhe determinieren. Die gebräuchlichsten Dimensionen von Risikoprofilen sind (Korrelationen mit Risikoempfinden durch * markiert):[1]

  1. Freiwilligkeit: In welchem Ausmaß man sich dem Risiko freiwillig aussetzt.
  2. Unmittelbarkeit: In welchem Ausmaß die Konsequenzen unmittelbar feststellbar sind.
  3. Gewissheit des Ausgesetztseins: In welchem Ausmaß ein Mensch weiß, ob er dem Risiko ausgesetzt ist.
  4. Expertenwissen: In welchem Ausmaß Experten das Risiko bekannt ist.
  5. Kontrollierbarkeit*: In welchem Ausmaß ein Betroffener die Schwere der Auswirkungen kontrollieren kann.
  6. Neuheit: In welchem Ausmaß das Risiko für die Gesellschaft neu ist.
  7. Katastrophenpotenzial*: Wie viele Todesfälle zum selben Zeitpunkt auftreten.
  8. Furcht*: In welchem Ausmaß die Auswirkungen gefürchtet werden.
  9. Schweregrad*: In welchem Ausmaß die Konsequenzen der Aussetzung schwerwiegend sind.
  10. Verzögerung: In welchem Ausmaß die Konsequenzen mit Verzögerung eintreten.
  11. Unmittelbare Letalität*: In welchem Ausmaß die Aussetzung unmittelbar zum Tod führt.
  12. Anstieg*: In welchem Ausmaß das Risiko über die Zeit ansteigt.
  13. Vermeidbarkeit*: In welchem Ausmaß das Risiko vermeidbar ist.
  14. Ungleichheit*: In welchem Ausmaß Risiken und Nutzen nicht gleichmäßig auf die Gesellschaft verteilt sind.
  15. Zukünftige Generationen*: In welchem Ausmaß zukünftige Generationen betroffen sind.
  16. Globale Katastrophe*: In welchem Ausmaß eine globale Katastrophe möglich ist.
  17. Reduzierbarkeit*: In welchem Ausmaß das Risiko leicht reduziert werden kann.
  18. Persönliche Wirkungen*: In welchem Ausmaß das Risiko den Interviewten persönlich betrifft.
  19. Beobachtbarkeit: In welchem Ausmaß die Auswirkungen beobachtbar sind.

Mithilfe der Faktorenanalyse wurden diese Dimensionen auf einige wenige Faktoren reduziert. Diese Herangehensweise hat sich als sehr erfolgreich herausgestellt und ist zu robusten Ergebnissen gekommen. Zwei Faktoren wurden als zentral identifiziert: erstens Furcht (korreliert mit einem Mangel an Kontrolle, gefürchteten Auswirkungen, Katastrophenpotenzial, ungleicher Verteilung, Zunahme des Risikos über Zeit und tödlichen Konsequenzen) und zweitens Unbekanntheit (korreliert mit Nichtbeobachtbarkeit, Neuheit, unbewusstem Ausgesetztsein, Mangel an Expertenwissen und verzögerten Konsequenzen). Das konsistenteste Forschungsergebnis ist, dass Furcht der beste Prädiktor der Risikowahrnehmung von Laien ist.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joanna G. Lavino & Rasmus B. Neumann (Hrsg.): Psychology of Risk Perception. Nova Science, 2010. ISBN 1608769607.
  • Paul Slovic: The Perception of Risk. Earthscan, 2000. ISBN 1853835285.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jenkin, Clinton M. “Risk Perception and Terrorism: Applying the Psychometric Paradigm.” Homeland Security Affairs II, no. 2 (July 2006).