Ristedt (Klötze)

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Ristedt
Stadt Klötze
Koordinaten: 52° 38′ 48″ N, 11° 4′ 24″ O
Höhe: 49 m ü. NHN
Fläche: 8,83 km²[1]
Einwohner: 128 (31. Dez. 2021)[2]
Bevölkerungsdichte: 14 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 38486
Vorwahl: 03909
Ristedt (Sachsen-Anhalt)

Lage von Ristedt in Sachsen-Anhalt

Evangelische Dorfkirche Ristedt

Ristedt ist ein Ortsteil der Stadt Klötze im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Ristedt, ein Haufendorf mit Kirche,[1] liegt sechs Kilometer nordwestlich von Klötze. In westlicher Richtung liegen der 62 Meter hohe Springelsberg und der 92 Meter hohe Hüttenberg. Durch Ristedt fließt die Riete, die über den Hilgengraben in die Jeetze strömt.[3]

Ortschaftsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Ortschaft gehören die Ortsteile Ristedt und Neu-Ristedt.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung als ristede mit fünf Höfen stammt aus dem Jahre 1112,[5][6] als der Bischof Reinhard von Halberstadt die Übertragung des von ihm in Osterwieck gegründeten Klosters nach Hamersleben genehmigte. Im Jahre 1465 wurde Bernhard von der Schulenburg durch den Kurfürsten Friedrich mit Einnahmen aus dem Dorf Ristedte belehnt.[7] 1526 wurden Deutzschen Rytstede und eine wüste Feldmark wendischen Rytstede genannt.[8]

Ristedt 1626 wurde im Dreißigjährigen Krieg von den Dänen geplündert,[9] 1627 von Tillys Landsknechten geplündert und 1630 zerstörten Wallensteins Truppen Ristedt vollständig und plünderten die Kirche restlos aus, einschließlich der Glocke. Jodocus Temme berichtet über den Dieb, einen Offizier, in der Sage Die gestohlene Glocke in Ristedt: Dafür ist es ihm denn auch in seinen letzten Tagen schlecht ergangen, indem ihn das Ungeziefer aufgefressen hat.[10]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Mertens schlägt mehrere Sprachen als Herkunft für den Namen vor: althochdeutsch recrise, mittelniederdeutsch risch oder hannöversch rische, übersetzt als die Binse. Der Ort hieße also Binsenstätte,[11] also eine Stätte, wo diese Art von Gräsern wächst. Andere übersetzen den Ortsnamen als Stelle am Ried.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Ristedt aus dem Landkreis Salzwedel in den Kreis Klötze umgegliedert. Am 1. Juli 1994 wurde Ristedt dem Altmarkkreis Salzwedel zugeordnet.[12]

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Ristedt am 5. Januar 2009, dass die Gemeinde Ristedt in die Stadt Klötze eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[13][14]

Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Ristedt wurden Neu Ristedt und Ristedt Ortsteile der Stadt Klötze. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Ristedt und künftigen Ortsteile Neu Ristedt und Ristedt wurden zur Ortschaft der aufnehmenden Stadt Klötze. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Ristedt wurde ein Ortschaftsrat mit drei Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 102
1774 171
1789 173
1798 135
1801 136
1818 156
Jahr Einwohner
1840 337
1864 400
1871 435
1885 356
1892 [0]376[15]
1895 398
Jahr Einwohner
1900 [0]282[15]
1905 401
1910 [0]412[15]
1925 403
1939 351
1946 504
Jahr Einwohner
1964 338
1971 331
1981 275
1993 258
2006 241
2017 128
Jahr Einwohner
2018 [00]141[16]
2020 [0]122[2]
2021 [0]128[2]

Quelle bis 2006, wenn nicht angegeben:[1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister ist Hans-Jürgen Beckmann.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Dorfkirche Ristedt ist ein neuromanischer Feldsteinbau aus dem Jahr 1888. Von dem spätromanischen Ursprungsbau ist nur der Westquerturm erhalten.[23]
  • In Ristedt steht ein fünfteiliges Denkmal aus rotem Sandstein an der Hauptstraße für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges.[24]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reitgemeinschaft Ristedt e. V.
  • Schützenverein Ristedt e. V.
  • Freiwillige Feuerwehr Ristedt e. V.
  • Junge Gemeinschaft Altmark e. V.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schützenfest des Schützenvereins Ristedt im April
  • OPEN YEAH! Festival der Jungen Gemeinschaft Altmark Anfang August

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in sechs Kilometern Entfernung westlich verlaufende Bundesstraße 248 führt von Salzwedel nach Wolfsburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ristedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 1775–1778, doi:10.35998/9783830522355.
  2. a b c Markus Schulze: Weiterhin mehr Frauen als Männer. In: Klötzer Volksstimme, Klötzer Rundschau. 21. Januar 2022, DNB 1047268213, S. 18.
  3. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. Hauptsatzung der Stadt Klötze vom 1. Juli 2014 (PDF) Abgerufen am 31. März 2019.
  5. Johann Georg Leuckfeld: Antiquitates Michaelsteinenses et Amelunxbornenses, das ist historische Beschreibung derer vormahls berühmten Cistercienser-Abteyen Michaelstein und Amelunxborn … Freytag, Wolffenbüttel 1710, S. 37 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10006631~SZ%3D00053~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 10. Berlin 1856, S. 393 (Digitalisat).
  7. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 25. Berlin 1863, S. 378 (Digitalisat).
  8. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 6. Berlin 1846, S. 264 (Digitalisat).
  9. Johann Christoph Becmann, Bernhard Ludwig Beckmann: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg. Hrsg.: Berlin. Band 2, 5. Teil, 1. Buch, 1753, S. 91, IX. Kapitel, Spalte 91 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10936702~SZ%3D00497~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  10. Jodocus Donatus, Hubertus Temme: Die gestohlene Glocke in Ristedt. In: Die Volkssagen der Altmark. Nicolaische Buchhandlung, Berlin 1839 (Wikisource)
  11. Franz Mertens: Heimatbuch des Kreises Gardelegen und seiner näheren Umgebung. Hrsg.: Rat des Kreises Gardelegen. Gardelegen 1956, DNB 1015184308, S. 209.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 360.
  13. Altmarkkreis Salzwedel: Gebietsänderungsvertrag zur Eingemeindung von Gemeinden in die Stadt Klötze mit Genehmigung des Altmarkkreises Salzwedel vom 26. Januar 2009. In: Amtsblatt Altmarkkreis Salzwedel. 15. Jahrgang, Nr. 2, 18. Februar 2009, S. 36–38 (altmarkkreis-salzwedel.de [PDF; 388 kB; abgerufen am 20. August 2021]).
  14. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  15. a b c Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege). 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, DNB 578458357, OCLC 614308966, S. 143.
  16. Stadt Klötze, Einwohnermeldeamt: Einwohnerbestand am 31.12.2018. 9. Januar 2019.
  17. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 24 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  18. Pfarrbereich Beetzendorf. Abgerufen am 29. März 2019.
  19. Verein für Pfarrerinnen und Pfarrer in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen e. V. (Hrsg.): Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen (= Series Pastorum. Band 10). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2009, ISBN 978-3-374-02142-0, S. 564.
  20. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen. In: Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft, 1925, ZDB-ID 504809-6, S. 2 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  21. Rudolf Joppen: Die kirchliche Entwicklung im Kommissariat Magdeburg vom Ende des Kulturkampfes bis zum Sturz der Monarchie 1887–1918. In: Franz Schrader (Hrsg.): Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg in der Reihe Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte. Band 19 – Teil 9. St. Benno Verlag, Leipzig 1978, S. 246.
  22. Bistum Magdeburg, Online-Bistumskarte. 2013, abgerufen am 20. August 2021.
  23. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 391.
  24. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. In: Ristedt auf denkmalprojekt.org. 1. April 2018, abgerufen am 29. März 2019.