Rituelles Spiel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Rituelle Spiel ist eine spezielle Form des Körpertheaters. Es wurde in den 1970er Jahren an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover unter Heinz Schlage entwickelt.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den in Neuzeit und Moderne dominierenden Formen des Rollentheaters und den etwas älteren und archaischeren Formen des Figurentheaters bildet das Körpertheater den dritten großen Strom der europäischen Theatergeschichte. Es ist am tiefsten mit den ältesten Wurzeln der Theaterkunst und am ehesten mit den Theaterformen der außereuropäischen Kulturkreise verbunden. Körpertheater ist weder eine besondere Bewegungsfertigkeit noch eine spezielle Kunstform, es ist eher ein ganzheitliches Verfahren zur Befreiung von Seele und Geist. In die Zeit der griechischen Tragödie und noch davor hinabreichend, verbindet es künstlerische, magische, und soziotherapeutische Aspekte in der Weise, dass es die Spieler und Spielerinnen ohne dazwischengeschaltete Rollen oder Masken mit dem jeweiligen Thema verbindet. Das Rituelle Spiel ist eine spezielle Form des Körpertheaters.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rituelle Spiel wurde in den siebziger Jahren im Rahmen der Schauspielpädagogik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover entwickelt und diente ursprünglich der Vertiefung künstlerischer Erfahrung im Bereich funktionsorientierter Theaterarbeit. Leiter der Projektgruppe und somit der „Erfinder“ der Rituellen Spiels war Prof. Heinz Schlage, seine maßgeblichsten Mitarbeiter waren Jean Soubeyran, Peter Henze und Gandalf Lipinski. Peter Henze und Gandalf Lipinski setzten es erstmals ein bei Ihrer gemeinsamen Diplomarbeit an der Schauspielabteilung der Hochschule in Hannover und in der Folge bei den ersten Produktionen der „theaterwerkstatt hannover“, mittlerweile einem der ältesten „Freien Theater“ Deutschlands. Gandalf Lipinski führte es in den achtziger Jahren in die Theaterpädagogik ein, sowie gegen Ende des 20. Jahrhunderts in die gerade in Deutschland entstehende Theatertherapie.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als konzentrative Gruppenimprovisation dient es in erster Linie der gemeinsamen, ganzheitlichen und vertiefenden Exploration eines Themas durch eine Gruppe von 8 bis 15 Spielern. Es wurde zunächst in der künstlerischen Theaterarbeit und später lange Zeit in der Theaterpädagogik eingesetzt, aktuell hauptsächlich in der Arbeit mit Amateurtheatergruppen. Da es auch die Bereiche des kollektiven Unterbewussten erhellt, hat es neben seinem ursprünglichen Einsatz in Kunst und Pädagogik in den letzten Jahren auch Eingang in die Theatertherapie, namentlich deren systemorientierten Ansatz, gefunden. Es kommt dort nicht nur aber vornehmlich in der Theatersoziotherapie zur Anwendung, wo nicht allein das Individuum und mehr die Gruppe, das soziale System im therapeutischen Fokus steht. Darüber hinaus spielt es eine zunehmende Rolle in der Entwicklung der Ökotherapie, sowie als ressourcenorientiertes Verfahren im Zusammenhang von Gesundheitsvorsorge und Salutogenese.

„In einer Kultur der Verstellung und Anpassung, die uns bereits zur zweiten Natur geworden ist, jedoch bis jetzt noch unser Überleben sichert, stellt das Rituelle Spiel eine Gegenbewegung dar und kann wieder den Kontakt zu unserer ursprünglichen Natur herstellen. Unter anderem bekommen auch das Unangepasste und unsere Schattenseiten einmal den Raum und die Erlaubnis, spielerisch und gefahrlos so lang zelebriert zu werden, bis sie sich erlösen können. Wir werden durchlässiger für unsere primären Impulse, und das auf eine angstfreie Art, fast wie von selbst.“

– Kommentar einer Kreativtherapeutin über das Rituelle Spiel

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Schlage: Rituelles Spiel. Medienzentrale der [ev.luth. Landeskirche Hannovers], Archivstraße 3.
  • Gandalf Trötschel: Das Theater. In: Birgit Klosterkötter-Prisor (Hrsg.): Grenzüberschreitungen – Theater-Theaterpädagogik-Therapie. Remscheid 1994, ISBN 3-923128-28-2.
  • Gandalf Lipinski: Theater als heilende Gemeinschaftskunst. In: Doris Müller-Weith u. a. (Hrsg.): Theatertherapie. Junfermann, Paderborn 2002, ISBN 3-87387-513-6.
  • Gandalf Lipinski: Die Arbeit am größeren Selbst. In: Lilli Neumann u. a. (Hrsg.): Spielend Leben lernen. Berlin 2008, ISBN 978-3-937895-52-9.
  • Gandalf Lipinski: Das Entzücken an der Welt. In: Hagia Chora. Heft Nr. 20, ISSN 1619-1390.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]