Roßgarten (Königsberg)

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Roßgarten (auch Alter Roßgarten, Neue Huben oder Neun Huben) war ein Stadtteil von Königsberg (Preußen).

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roßgarten schloss sich direkt nördlich an die Burgfreiheit an und lag am östlichen Ufer des Schlossteiches innerhalb des Stadtwalles. Westlich der Neuen Sorge lag der ältere Vorderroßgarten. Jenseits eines Flüsschens mit der Schwanenbrücke (westlich von Kalthof) schloss sich nach Norden hin der Hinterroßgarten an. Im Norden lag der Oberteich. Nordöstlich vom Roßgärter Tor lag die Pferderennbahn.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Roßgarten wurde eingezäuntes Weideland bezeichnet, dass nicht ausschließlich den Pferden vorbehalten war sondern auch anderem Vieh als Wiese diente.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roßgarten war eine zum Schloss gehörige Freiheit, die 1542 konstituiert wurde und eine eigene Verfassung erhielt. Ihr Gerichtssiegel von 1576 zeigte eine grüne Weide und für den Vorderroßgarten ein weißes Pferd, für den Hinterroßgarten einen schwarzen Stier. Beide Teile gehörten zum Löbenicht. Nach Caspar Henneberger war der Roßgarten bis 1539 bis auf einen Krug (Gastwirtschaft) unbebaut. 1540 war der Hinterroßgarten nur mit einigen Schuppen bebaut; jedoch wurde hier ab dieser Zeit unter Herzog Albrecht planmäßig eine neue Vorstadt angelegt, die zunächst „Neue Huben“ hieß. Ein Grundstück nach dem anderen wurde an Hofbedienstete und freie Handwerker verschrieben. 1550 wanderten Weißgerber nach Königsberg ein, die eine feinere Art des Gerbens verstanden. Unter herzoglichem Protektorat siedelten sie sich am Abhang an, der vom Roßgarten zum Schlossteich lag, denn sie brauchten für ihre Walk- und Stampfmühlen viel Wasser. 1556 erhielt der Roßgarten eine Willkür.

Der Roßgarten wurde besonders für die Wasserbauer aus Holland angelegt. Friesen waren zur Trockenlegung des Danziger Werders und der Urwälder südlich von Königsberg angeworben worden. Viele waren Mennoniten. Es kamen auch Reifschläger, Färber, Tuchmacher und andere Handwerker. Sie brachten Techniken mit, die sonst in Ostpreußen bisher unbekannt waren. Das führte zu allerlei Streitigkeiten mit den eingesessenen Handwerkern. Die Holländer wurden bald als Ketzer verdächtigt und mussten sich vom Löbenichter Pfarrer 1543 examinieren lassen. Wer von der rechten Lehre abwich, wurde ausgewiesen; noch 1550 verbot der Herzog allen Bürgern, Holländer als Mieter aufzunehmen, außer sie waren als rechtgläubig legitimiert.

Um 1800 war der Roßgarten ein bevorzugtes Wohngebiet mit auffallend breiten Häusern. Allerdings lebten auch sehr viele Kuren hier. „Die größten und ansehnlichsten Häuser auf dem Roßgarten sind: ein königliches Gebäude, welches der Chef des hier in Garnison liegenden Dragoner-Regiments bewohnt, das Haus Sr. Excellenz des Landhofmeister des Grafen von Lehndorf, des Herrn Commerzienrath von Weiß, der Wulfschen Erben, des Herrn Bankodirector Krüger, das von Korfsche, von Buddenbrocksche und Criminalrath Stägmannsche Haus.“[1] Auf dem Roßgarten waren um 1800 mehrere Infanterie- und Grenadierregimenter stationiert. Später wurde die Stadthalle (Königsberg) gebaut, es gab das Gewerkschaftshaus, die Kommandantur, das Krankenhaus der Barmherzigkeit, das Städtische Krankenhaus, eine Volksschule, den Stadthof und das Fahrenheid-Stift.

Sakralbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Altroßgärter Kirche wurde 1651 im Barock begonnen und 1693 vollendet. Sie ist nicht erhalten.
  • Das Fahrenheid-Stift wurde 1786 aus Ziegeln errichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig von Baczko: Versuch einer Geschichte und Beschreibung von Königsberg. Königsberg 1804.
  • Maximilian Beheim-Schwarzbach: Colonisatorisches aus Ostpreußen. Ploetz, 1863.
  • Hermann Frischbier: Preußisches Wörterbuch Ost- und Westpreußische Provinzialismen, Bd. 1, 2, Berlin 1882–82.
  • Fritz Gause: Königsberg in Preußen. Rautenberg Leer 1987.
  • Friedrich Leopold von Schrötter: Karte von Ost-Preussen nebst Preussisch Litthauen und West-Preusssen nebst Netzedistrict 1796–1802, Historisch-Geographischer Atlas des Preußenlandes. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1978, ISBN 3-515-02671-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baczko, Ludwig von: Versuch einer Geschichte und Beschreibung von Königsberg, Königsberg 1804, S. 148

Koordinaten: 54° 43′ 12″ N, 20° 31′ 19,2″ O