Roßhaupten

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Roßhaupten (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Roßhaupten
Roßhaupten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Roßhaupten hervorgehoben
Koordinaten: 47° 39′ N, 10° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Ostallgäu
Verwaltungs­gemeinschaft: Roßhaupten
Höhe: 816 m ü. NHN
Fläche: 39,05 km2
Einwohner: 2209 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km2
Postleitzahl: 87672
Vorwahl: 08367
Kfz-Kennzeichen: OAL, FÜS, MOD
Gemeindeschlüssel: 09 7 77 166
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstr. 10
87672 Roßhaupten
Webpräsenz: www.rosshaupten.de
Bürgermeister: Thomas Pihusch (Freie Wählergemeinschaft)
Lage der Gemeinde Roßhaupten im Landkreis Ostallgäu
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Über dieses Bild
Roßhaupten, Ostallgäu
Ussenburg Richtung Forggensee und Säuling

Roßhaupten ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Ostallgäu und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Roßhaupten.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roßhaupten liegt am Forggensee in der Region Allgäu. Roßhaupten erstreckt sich über eine Fläche von 3910 Hektar.

Es existieren folgende Gemarkungen: Roßhaupten (mit den Orten Bischofswang, Egelmoosen, Fischhaus, Freßlesreute, Gurremarren, Hochegg, Huttler, Huttlermühle, Kögel, Langenwald, Lusse, Mangmühle, Nepfen, Rieder, Riedle, Roßhaupten, Salach, Sameister, Tiefenbruck und Vordersulzberg) und Zwieselberg (mit den Orten Grünten, Hinterzwieselberg, Schwarzenbach, Ussenburg und Vorderzwieselberg)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 895 wurde in der Magnuslegende der Ort der Drachentötung „caput equi“ genannt. Diese lateinische Ortsbezeichnung (übersetzt Haupt des Pferdes) dürfte die Erklärung für den späteren deutschen Namen „Roshoubet“ sein, der erstmals im Jahr 1206 urkundlich erwähnt wurde. Roßhaupten gehörte bereits seit dem beginnenden 13. Jahrhundert zum Herrschaftsbereich des Hochstifts Augsburg. Seit 1449 ist Roßhaupten eine selbstständige Pfarrei.

1459 und 1525 gab es Unruhen der Roßhauptener Bauern gegen den Fürstbischof von Augsburg, der Ort blieb aber bis zur Säkularisation im Besitz des Hochstifts. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Roßhaupten.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1969 wurde die ehemals selbstständige Gemeinde Zwieselberg eingemeindet.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 1507 Einwohner
  • 1970: 1547 Einwohner
  • 1987: 1768 Einwohner
  • 1991: 1871 Einwohner
  • 1995: 1968 Einwohner
  • 2000: 2075 Einwohner
  • 2005: 2193 Einwohner
  • 2010: 2120 Einwohner
  • 2015: 2209 Einwohner

Roßhaupten wuchs von 1988 bis 2008 um 349 Einwohner bzw. ca. 19 %.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2008 Thomas Pihusch (Freie Wählergemeinschaft).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: In Rot über zwei silbernen Wellenbalken ein silberner Pferdekopf.

Auerbergland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roßhaupten ist eine Mitgliedsgemeinde der die Grenzen der Regierungsbezirke Schwaben und Oberbayern überschreitenden interkommunalen Allianz „Auerbergland“.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 250 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 103 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 754. Im verarbeitenden Gewerbe gab es vier Betriebe, im Bauhauptgewerbe fünf Betriebe. 1999 bestanden zudem 82 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 2345 ha, davon waren 2341 ha Dauergrünfläche.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Roßhaupten verläuft die Bundesstraße 16 GünzburgFüssen.

Die Bahnstrecke Marktoberdorf–Lechbruck, die einen Bahnhof in Roßhaupten hatte (etwa zwei Kilometer nördlich der Ortsmitte im Weiler Lusse), wurde in den 1970er Jahren stillgelegt und in einen Radweg umgebaut. Der nächstgelegene Bahnhof ist jetzt Seeg an der Bahnstrecke Biessenhofen–Füssen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1999 existierten folgende Einrichtungen:

  • 75 Kindergartenplätze mit 49 Kindern
  • Volksschulen: eine Grundschule mit acht Lehrern und 180 Kindern und eine Hauptschule mit 36 Lehrern und 340 Schülern

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Büste mit dem Porträt von Roman Anton Boos (1733–1810) befindet sich an der Kirchenmauer von St. Stephan (München).
  • Aus Tiefenbruck stammt die berühmte Lautenbauerfamilie der Tieffenbrucker mit Persönlichkeiten wie
    • Hans von Tieffenbruck (vor etwa 1485 – ?), Lautenmacher in Roßhaupten
    • Caspar Tieffenbrucker (um 1514 – 1571), Lautenmacher in Füssen, Lyon, Bologna, Italien und Roßhaupten
    • Jakob Tieffenbrucker (um 1500 – 1564), Sohn von Ulrich (I.), Lautenmacher in Genua und Roßhaupten
    • Magnus Tieffenbrucker (I.) (1514 – um 1595), Magnifico Mastro leutaro, Lautenmacher in Venedig und Vicenza
    • Magnus Tieffenbrucker (II.) (vor 1565 – vor 1577), Sohn von Magnus (I.), Lautenmacher in Brescia, Perugia und Roßhaupten
    • Magnus Tieffenbrucker (III.) (vor 1581 – nach 1629, vermutlich 1580–1631), Sohn von Ulrich (II.), Lautenmacher in Venedig
    • Michael Tieffenbrucker (I.) (um 1485 – um 1556), Lautenmacher in Roßhaupten
    • Michael Tieffenbrucker (II.) (um 1520 – 1585), Sohn von Michael (I.), Maler, Tafernenbesitzer, Lautenmacher in Roßhaupten
    • Wendelin Tieffenbrucker (vor 1551 – nach 1611), auch Vendelio Venere, Sohn von Leonhard, Lautenmacher in Padua, Schwiegervater von Michael Hartung (vor 1593 – nach 1640), Lautenmacher in Padua, Roßhaupten und Venedig
  • Hans Münch (1911–2001), niedergelassener Arzt in Roßhaupten; in der Zeit des Nationalsozialismus Lagerarzt in den KZ Auschwitz und Dachau

Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drachenstatue an der Tiefentalbrücke

Der besiegte Drache:

Im achten Jahrhundert soll es bei Roßhaupten einen Drachen gegeben haben, der die Bewohner in Angst und Schrecken versetzte und liebend gern Pferde aß. Dabei verschlang er das ganze Tier bis auf seinen Kopf, woraufhin Roßhaupten seinen Namen erlangte. Die Roßhauptner baten nun den Heiligen Magnus um Hilfe. Magnus zog alleine gegen dieses Untier aus, in der einen Hand nur einen langen Stab, der in einem Kreuz endete, in der anderen Hand einen pechüberzogenen Kranz. Die Roßhauptner wollten den Heiligen Magnus noch aufhalten, da sie befürchteten, ohne Waffen könne er gegen diesen Lindwurm nichts ausrichten, doch Magnus kehrte siegreich zurück. Er hatte den Drachen getötet, indem er ihm den Pechkranz in den weitgeöffneten Schlund seines Maules geworfen hatte und dieser daran verendete. In dieser Legende ist der Drache vermutlich ein Bild für das Heidentum, das der Missionar Magnus im achten Jahrhundert in der Gegend um Roßhaupten bekämpfte. Dennoch gibt es immer noch einen Drachen in Roßhaupten zu bewundern. Zwar ist dieser nur aus Stein und von ihm geht auch nicht diese angstverbreitende Gewalt aus, doch bewacht er wie sein Vorgänger aus der Legende die Straße nach Roßhaupten. Er steht an der B 16 von Füssen kommend kurz nach der Tiefentalbrücke.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roßhaupten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 468
  3. Alfred Weitnauer, Hermann Endrös: Allgäuer Sagen